Es klingt einfach und logisch: Ein Fonds bringt den Griechen Milliarden ein. Und diese Milliarden verwenden sie für die Tilgung der neuen Kredite. Dieser sogenannte Treuhandfonds soll den Privatisierungsprozess in Griechenland institutionalisieren und beschleunigen. In den Fonds eingebracht werden staatliche Betriebe, die wertvoll genug sind, um das Interesse privater Investoren zu wecken. Häfen zum Beispiel, Flughäfen, Bahnhöfe.

Diese Betriebe werden bewertet und stellen das Fondsvermögen dar. Das Ziel: Preise zu erlösen, die über den eigenen Schätzungen liegen. Denn je höher die Betriebe einst verkauft werden können, umso mehr Milliarden kommen im Fonds zusammen.

Erlöse schon fest verplant

Die Euro-Gruppe hat allerdings schon jetzt eine genaue Vorstellung davon, wie viel Griechenland mit den Privatisierungen erzielen muss: mindestens 50 Milliarden Euro. Damit das gelingt, wird der Fonds in Griechenland seinen Sitz haben und von den griechischen Behörden geführt – aber unter Aufsicht der «relevanten europäischen Institutionen», wie es in der offiziellen Erklärung heisst.

Mit einem Teil der Erlöse muss Griechenland pünktlich – «scheduled repayment» – Kredite zurückzahlen beim Europäischen Rettungsfonds ESM (European Stability Mechanism). 25 Milliarden Euro muss es in die dringend notwendige Rekapitalisierung der heimischen Banken investieren. Immerhin 12,5 Milliarden Euro sind für Investitionen vorgesehen. Diese sind bisher nicht näher präzisiert.

Die Idee eines solchen Privatisierungsfonds gab es bereits bei den ersten Krisenverhandlungen 2010. Damals lautete die Vorgabe, aus Privatisierungen mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr zu erlösen. Seitdem hat Griechenland fünf weitere Krisenjahre erlebt. «Heute sind die staatlichen Betriebe längst nicht mehr so viel wert wie noch vor fünf Jahren. 50 Milliarden Euro sind viel zu hoch gegriffen. Das ist reines Wunschdenken der Gläubiger und der griechischen Regierung», urteilt ZKB-Chefstratege Anastassios Frangulidis.

Der gebürtige Grieche ist noch aus einem weiteren Grund skeptisch: «Die fehlende Unabhängigkeit der griechischen Behörden stand bisher erfolgreichen Privatisierungen im Wege.» Zudem müssten alle griechischen Parteien den Reformweg auch in Zukunft mittragen. Das wäre für Griechenland etwas Neues», so der ZKB-Chefökonom.

Wie viel griechische Staatsbetriebe wert sind, wird sich weisen. Ein Blick in die deutsche Privatisierungsgeschichte kann überhöhte Erwartungen dämpfen: Die damalige Treuhandanstalt sollte 1990 8500 DDR-Staatsbetriebe möglichst teuer verkaufen und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten. Der Verkauf spülte 60 Milliarden D-Mark in die Kassen. Diesem Erlös standen Kosten von 300 Milliarden D-Mark gegenüber. So kann man sich verrechnen.