Zug und Flug

Mit dem Nachtzug ins Ausland, mit dem Flugzeug heim: Die SBB und die Swiss werden zu Partnern

Früher Konkurrenten, heute auch Partner: Die SBB und die Swiss wollen zusammenspannen.

Früher Konkurrenten, heute auch Partner: Die SBB und die Swiss wollen zusammenspannen.

Die Bahn und die Airline spannen künftig häufiger zusammen. So wollen sie etwa Angebote entwickeln, bei denen ein Weg mit dem Flugzeug und einer mit dem Zug gebucht werden kann.

«Wir sind nicht mehr in einer Welt, wo es um Bahn gegen Airlines geht»: Das sagte Armin Weber, Leiter des internationalen Personenverkehrs der SBB, Ende November an einer Podiumsdiskussion. Heute gebe es bei touristischen Reisen noch Unterteilungen in Leute, die Auto fahren, solche, die fliegen und solche, die den Zug nehmen. Das bleibe aber nicht so, denn es finde ein Umdenken statt: «Diese Grenzen werden wir aufweichen». Deshalb arbeite er eng mit der Airline Swiss zusammen. «Wir suchen sehr gezielt nach Kooperationen.»

Eine Idee, welche die Swiss und die SBB derzeit verfolgen, ist die Kombination beider Verkehrsmittel für Städtereisen. So könnte es Angebote geben, bei denen die Anreise mit dem Nachtzug gebucht wird und die Rückreise mit dem Flugzeug, sagte Weber. SBB-Chef Vincent Ducrot hat diesen Pläne in einem Gespräch mit CH Media bestätigt und dabei von «coopetition» gesprochen – einem Kunstwort aus dem Englischen, das sich aus «cooperation» und «competition» zusammensetzt.

«Müssen es sexy machen»

Christian Sigg, der Leiter der Unternehmensentwicklung der Swiss, sagte an der Podiumsdiskussion der Gruppe «Umverkehr», die Swiss und die Bahn seien nicht primär Konkurrenten, sondern könnten sich ergänzen. «Gerade auf Kurzstrecken müssen wir ein vernünftiges Angebot schaffen, das kombinierbar und einfach buchbar ist», sagte Sigg. Wichtig sei, dass ein solches Angebot, das Wege mit dem Flugzeug und der Bahn beinhalte, auch in dieser Kombination buchbar sei und als Angebot aus einer Hand wahrgenommen werde. So müsse es auch beworben werden – und es gehe auch darum, «das sexy zu machen», so Sigg.

Eine Swiss-Sprecherin sagt auf Anfrage, die Airline stehe mit den SBB im engen Austausch, «um auf das steigende Kundenbedürfnis nach einer nahtlosen Kombinierbarkeit der verschiedenen Verkehrsmittel zu reagieren».

Die Swiss bremst wegen der Krise

In einer ersten Phase stünden allerdings Verbindungen in der Schweiz im Fokus, nämlich in die grossen Städte und touristisch relevanten Orte. Solche Angebote dürften vor allem für Touristen interessant sein. Aufgrund der Coronakrise und in Folge reduzierter Ressourcen und Einstellungs- und Investitionsstopps bei der Swiss seien solche Themen «etwas in den Hintergrund gerückt». Eine im Herbst 2019 abgeschlossene strategische Partnerschaft zwischen der Swiss und den SBB sei aber langfristig ausgelegt und habe das Ziel, das Reisen mit verschiedenen Verkehrsmitteln zu fördern. Das gelte auch für Reisen über die Landesgrenzen hinweg, so die Sprecherin.

Armin Weber von den SBB ist davon überzeugt. «In dieser Kooperation liegt ein grosses Potenzial, das wir aufgrund der Haltungen in der Vergangenheit nie nutzen konnte», sagte er an der Podiumsdiskussion. Darin sieht er auch eine Möglichkeit, den Klimawandel zu bekämpfen. «Das ist schlussendlich auch ein ganz wichtiger Beitrag zur Verlagerung des Verkehrs, der bisher nie betrachtet wurde.»

Wie sich der internationale Flugverkehr und das Angebot der Swiss diesen Sommer entwickeln, ist noch unklar. Dass das Angebot auf der Schiene allerdings wächst, ist jetzt schon klar: Ende Jahr wird ein neuer Nachtzug eingeführt, der Zürich und Basel mit Amsterdam verbindet.

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