Pandemie

Moderna: Corona-Impfstoff könnte im März in der Schweiz eintreffen – das müssen Sie jetzt wissen

Die US-Biotechfirma Moderna lässt einen Teil des Wirkstoff in Visp bei Lonza produzieren. Zudem befindet sich der Europa-Hauptsitz des Unternehmens in Basel.

Die US-Biotechfirma Moderna lässt einen Teil des Wirkstoff in Visp bei Lonza produzieren. Zudem befindet sich der Europa-Hauptsitz des Unternehmens in Basel.

Nach Pfizer/Biontech präsentiert auch die Lonza-Partnerin starke Daten zur ihrem Impfstoff. Er erreicht lauft einer vorläufigen Analyse einen Schutz vor Corona von 94,5 Prozent. Die Schweiz hat schon im August einen Vertrag über 4,5 Millionen Dosen mit der US-Firma abgeschlossen.

Die Welt wartet sehnlichst auf einen oder mehrere Corona-Impfstoffe. Sind diese wirksam und werden breit eingesetzt, wäre ein Ende der Pandemie zumindest absehbar. Nun hat mit der US-Firma Moderna ein weiteres Unternehmen sehr positive Daten zu ihrem Impfstoff vorgelegt. Moderna lässt einen bedeutenden Teil des Wirkstoffs von der Basler Pharmazulieferin Lonza herstellen.

Was hat Moderna genau erreicht?

Der Impfstoff der US-Biotechfirma erreicht einen Schutz vor Corona von 94,5 Prozent. Das Unternehmen veröffentlichte dazu eine Medienmitteilung, die detaillierten Ergebnisse liegen noch nicht vor. Moderna befinden sich mit ihrem Impfstoff in der dritten und letzten Phase der klinischen Entwicklung, die für eine Zulassung nötig ist. Die Zwischenanalyse der Studie umfasste 95 Teilnehmer, die nachweislich am Coronavirus erkrankt waren. Davon steckten sich 90 Teilnehmer, die lediglich ein Placebo erhielten, mit Covid-19 an. Lediglich fünf Coronafälle traten in jener Gruppe auf, die den echten Impfstoff erhielten. Daraus ergibt sich der Wert von 94,5 Prozent. Die klinische Studie umfasst insgesamt rund 30'000 Personen.

Welche Unterschiede gibt es zum Impfstoff des Duos Pfizer/Biontech?

Der Impfstoff von Moderna schneidet noch etwas besser ab als jener von Pfizer/Biotech. Letzter verspricht laut den Zwischenergebnissen einen über 90-prozentigen Schutz. Der US-Pharmakonzern und die deutsche Biotechfirma veröffentlichten vor einer Woche diese Resultate. Wie Moderna fehlen aber noch die detaillierten Ergebnisse der Studie. Bei beiden Impfstoffen sind jeweils zwei Dosen vorgesehen, bei Moderna beträgt der zeitliche Abstand 28 Tage.

Beide Impfstoffe bieten also offenbar einen hohen Schutz. Wer hat die besseren Karten?

Moderna hat derzeit einen gewichtigen Vorteil. Der Impfstoff kann einen ganzen Monat bei Temperaturen von 2 bis 8 Grad gelagert werden. Ursprünglich ging die Firma davon aus, dass sei nur während einer Woche möglich. Der Impfstoff muss zwar weiterhin tiefgekühlt verfrachtet werden, in der Feinverteilung vor Ort reichen jedoch Kühlschrank-Temperaturen. Das vereinfacht die Logistik enorm. Die Impfung von Pfizer/Biontech muss dagegen länger tiefgekühlt werden. Es ist zwar möglich, dass das Duo noch Fortschritte erzielt, Moderna ist jedoch zurzeit hier klar im Vorteil.

Wie viel Impfstoffe hat sich die Schweiz bislang gesichert?

Offiziell hat die Schweiz zwei Verträge abgeschlossen. Im August sicherte sich das Land 4,5 Millionen Impfdosen von Moderna. Vor gut drei Wochen kam ein Vertrag mit dem Pharmakonzern Astrazeneca hinzu. Hier schloss der Bund einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 5,3 Millionen Impfdosen ab. Zudem hat der Bund nun eine eine bindende Reservation für drei Millionen Impfdosen mit Pfizer abgeschlossen. Dies kündigte Gesundheitsminister Alain Berset vergangenen Mittwoch an. Der definitive Vertragsabschluss steht noch aus. Insgesamt hat sich der Bund knapp 13 Millionen Dosen gesichert. Der Bund sieht dafür Ausgaben von 400 Millionen Franken vor.

Wann wird in der Schweiz frühstens geimpft?

Bundesrat Alain Berset hofft, dass im nächsten Jahr die ersten Impfstoffe zur Verfügung stehen. Das Bundesamt für Gesundheit nennt das erste Halbjahr 2021 als Zeithorizont. Die US-Firma Moderna geht derweil davon aus, dass die ersten ihrer Impfstoffe im ersten Quartal des nächsten Jahres in die Schweiz geliefert werden. Dies setze natürlich voraus, dass die Arzneimittelbehörde Swissmedic dem Impfstoff die Zulassung erteile, sagt Europa-Chef Dan Staner im Gespräch mit CH Media.

Wer wird zuerst geimpft?

Als erstes dürfte das Gesundheitspersonal immunisiert werden. Danach folgen die Risikogruppen und die besonders gefährdeten Personen. Allerdings ist das Immunsystem älterer Personen nicht mehr so aktiv. Daher ist zu befürchten, dass die Wirkung einer Impfung nicht gleich gross ist, wie wenn sie einer Person mit einem aktiveren Immunsystem verabreicht wird. Bei der Studie von Moderna sind 7000 von den 30'000 Studienteilnehmern über 65 Jahre alt.

Mit welchen Nebenwirkungen ist bei den Impfstoffen zu rechnen?

Die US-Firma Moderna sagt, ihr Impfstoff sei im Allgemeinen sicher und gut verträglich. Mit einer Häufigkeit von mindestens zwei Prozent beklagten sich die Studienteilnehmer nach der ersten Dosis über Schmerzen an der Injektionsstelle. Nach der zweiten Dosis waren Müdigkeit, Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen die häufigsten Nebenwirkungen. Daneben traten Rötungen an der Injektionsstelle auf. Laut Moderna waren die Nebenwirkungen im Allgemeinen von kurzer Dauer. Beim Pfizer-Impfstoff wurden vor allem Fieber und Schmerzen beobachtet. Die Nebenwirkungen seien mit anderen Erwachsenen-Impfungen vergleichbar, aber möglicherweise schwerer als bei einer Grippeimpfung.

Hier wird ein bedeutender Teil des Wirkstoffs für den Moderna-Impfstoff hergestellt: Das Lonza-Werk in Visp VS.

Hier wird ein bedeutender Teil des Wirkstoffs für den Moderna-Impfstoff hergestellt: Das Lonza-Werk in Visp VS.

Welche Rolle spielt die Basler Firma Lonza beim Moderna-Impfstoff?

Der Wirkstoff der Impfung wird zum grossen Teil von der Pharmazulieferin Lonza hergestellt. Das Unternehmen ist nun daran, die Produktion grosser Mengen in ihrem Werk im US-Bundesstaat New Hampshire laufend hochzufahren, wie eine Sprecherin sagt. Drei Viertel der Produktion findet jedoch in der Schweiz statt. Bis Ende Jahr würden erste Mengen des Wirkstoffs in Visp VS hergestellt. Insgesamt wird Lonza jährlich den Wirkstoff für 400 Millionen Impfdosen produzieren.

Wie funktioniert der Wirkstoff?

Der Impfstoff von Moderna wie auch jener von Pfizer/Biontech basieren auch dem gleichen Wirkprinzip namens mRNA. Eine mRNA (messenger RNA) ist ein Nukleinsäurestrang, der innerhalb einer Zelle die Bildung eines bestimmten Proteins anregen soll. Der injizierte mRNA-Impfstoff befiehlt nun die Bildung eines Virus-Proteins. Dieses dient als Antigen. Darunter versteht man einen Stoff, welcher das Immunsystem anregt, eine Immunantwort anzustossen, zum Beispiel Antikörper zu bilden. Kommt nun das echte Virus, wird es vom Immunsystem bereits erkannt und kann bekämpft werden. Im Gegensatz zu anderen Impfstoffen aus abgeschwächten oder inaktivierten Viren, besteht keine Gefahr einer Neuaktivierung des Virus. In der Produktion sind mRNA-Impfstoffe ungleich billiger und schneller herzustellen, als Impfstoffe mit abgetöteten oder abgeschwächten Viren.

Welche Hersteller sind sonst noch weit fortgeschritten mit ihren Impfstoffen?

Weit fortgeschritten ist der Pharmakonzern Astrazeneca, der zusammen mit der britischen Universität Oxford einen Impfstoff entwickelt. Er befindet sich ebenfalls in der letzten der drei Phasen der klinischen Entwicklung. Vorne dabei ist auch der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson. Die Firma musste jedoch ihre Studie im Oktober stoppen, weil ein Teilnehmer erkrankte. Nach elf Tagen setzte das Unternehmen die Studie fort. An was die betroffene Person erkrankte, ist unbekannt. Man weiss auch nicht, ob sie den Impfstoff oder ein Placebo erhielt.

Wie viele Leute müssen geimpft werden, damit die sogenannte Herdenimmunität erreicht wird?

Unter der Annahme, dass ein Impfstoff tatsächlich einen Schutz von 90 Prozent erreicht, dürfte es reichen, wenn sich rund 60 Prozent der Menschen impfen lassen. Damit liesse sich die Pandemie laut Experten wirksam stoppen. Eine möglichst flächendeckende Impfung der Bevölkerung steht aber nicht zuoberst auf der Agenda. Dies sei laut Experten erst dann vertretbar, wenn zum Impfstoff genügend Daten über einen genügend langen Zeitraum vorlägen.

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