Der arabische Frühling wird zunehmend gewalttätiger. Für die Hotelkette Mövenpick und ihre Hotels in der Region hat das weitreichende Folgen. So zeigen Recherchen der az, dass diverse Gäste ihren geplanten Aufenthalt in den Mövenpick-Luxusressorts abgesagt oder umgebucht haben. Dies bestätigt die Firma auf Anfrage, ohne allerdings Genaueres preiszugeben.

Zudem würden Mitarbeitende mit Schweizer Pass für Mövenpick im Arabischen Raum arbeiten. Da das Unternehmen laut eigenen Aussagen auf «einheimische Talente» setzt, würden sich jedoch nur vereinzelt Schweizer vor Ort befinden. «Insgesamt beschäftigt Mövenpick in Ägypten 2797 Mitarbeitende. Darunter befinden sich fünf mit Schweizer Staatsbürgerschaft», sagt eine Mövenpick-Sprecherin.

Sicherheitsmassnahmen verstärkt

Ob die Schweizer Angestellten in die Heimat zurückgekehrt sind, war indes nicht zu erfahren. Die Entscheidung, ob ausländische Mitarbeiter nach Hause zurückkehren würden, hänge laut Mövenpick von den lokalen Auswirkungen der Krise und den Empfehlungen der Aussenministerien ab. «Wenn ausländische Mitarbeitende aufgrund der Empfehlungen der Auswärtigen Ämter in ihre Heimat reisen wollen, steht ihnen diese Option jederzeit frei.»

Hier sind die Hotels von Mövenpick in Marokko und Tunesien

Hier sind die Hotels von Mövenpick in Marokko und Tunesien

Die Hotelkette möchte indes festhalten, die Lage sehr ernst zu nehmen. Die Sicherheitsvorkehrungen seien verstärkt worden. «Unsere Hotels sind immer mit privaten Sicherheitsmassnahmen ausgestattet, die in Situationen wie dieser aufgestockt werden. Wir sind auf alle möglichen Vorfälle gewappnet», sagt die Sprecherin. Bisher sei es weder auf Gäste, Mitarbeiter noch auf die Hotels selbst zu Anschlägen gekommen.

Geplantes Hotel in Syrien in Gefahr

Dennoch: Für Mövenpick sind die Standorte in Nordafrika und im Nahen Osten ein Klumpenrisiko. Die Kette betreibt weltweit 70 Hotels. Davon befinden sich 41 in der arabischen Welt (siehe Grafik). Überdies plant der Konzern bis 2014 insgesamt 22 neue Hotels – 12 davon sollen in der betroffenen Region entstehen (siehe Tabelle).

Eines dieser neuen Projekte ist in Syriens Hauptstadt Damaskus geplant. Zur Erinnerung: Seit mehreren Tagen kommt es bei Demonstrationen in Syriens Hauptstadt zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regimegegnern und den Polizeikräften. Bei den Zwischenfällen waren zahlreiche Todesopfer zu beklagen.

Hier stehen die Mövenpick-Hotels im Nahen Osten und Ägypten

Hier stehen die Mövenpick-Hotels im Nahen Osten und Ägypten

Projekt bei Tripolis: Wie weiter?

Neben dem Gefahrenherd Syrien bereitet Mövenpick auch der Bürgerkrieg in Libyen Sorgen. Der Grund: Mövenpick schloss mit der Bank of Commerce&Development 2008 einen Managementvertrag. Beim Finanzinstitut handelt es sich um eine libysche Privatbank mit Hauptsitz in der Rebellenhochburg Bengasi und knapp 800 Mitarbeitern. Der Vertrag sah den Neubau eines Hotelkomplexes mit 500 Zimmern für Geschäftsleute vor der libyschen Hauptstadt Tripolis mit Sicht auf das Mittelmeer vor. Darüber hinaus stellte Mövenpick weitere Projekte mit dem libyschen Finanzinstitut im Wüstenstaat in Aussicht.

Damit ist wohl Schluss. Wie Experten gegenüber der az ausführen, wird in Libyen mittelfristig kein Hotelprojekt zu realisieren sein. Diese Aussage deckt sich mit derjenigen von Mövenpick. Die Hotelkette räumt nämlich ein, dass sich das Projekt in Tripolis «verzögert» und «weiterhin in den Anfängen» stehe. Überdies sei es angesichts der dramatischen Ereignisse im Land völlig offen, wie sich das Hotelprojekt weiterentwickeln werde.

Wie viel Geld in die Projekte in Syrien und Libyen investiert worden ist, will Mövenpick nicht sagen. Auch lässt das Unternehmen die Frage offen, ob die Zusammenarbeit mit der libyschen Bank überprüft wird. Branchenkennern zufolge ist ein Bau eines Luxusresorts in Libyen um ein Vielfaches kostspieliger als im Nachbarland Ägypten, weil sich der Materialtransport in den nordafrikanischen Staat sehr schwierig gestalte. Von einem Klumpenrisiko in Arabien will Mövenpick aber nicht sprechen: «Das Portfolio der Mövenpick Hotels&Resorts ist breit abgestützt.» Alle geplanten Hotelprojekte würden normal weiterlaufen.