60 Jahre nach der Gründung des ersten Mövenpick-Hotels beim Zürcher Flughafen verkauft die deutsche Unternehmerfamilie von Finck das Geschäft an den französischen Hotelkonzern Accor. Die Franzosen zahlen 560 Millionen Franken für die auf 84 Betriebe angewachsene Hotelkette. «Neue digitale Marktteilnehmer beschleunigen weltweit die Konsolidierung innerhalb der Hotellerie. Die Grössenvorteile werden wichtiger als je zuvor. Accor hat mit über 4’300 Hotels diese notwendige Grösse», sagt ein Sprecher der Mövenpick Hotels.

Der St. Galler Tourismusprofessor Christian Laesser spricht von «Netzwerkeffekten», die den einzelnen Betrieben in einem grossen Verbund eine bessere Auslastung ermöglichen. Die Wirkung dieser Effekte habe im Zug der Globalisierung zugenommen. Mövenpick sei in diesem Markt unter die kritische Grösse gefallen.

Die betriebswirtschaftliche Logik in der internationalen Hotellerie hat sich seit den ersten Gehversuchen von Mövenpick-Gründer Ueli Prager in vielerlei Hinsicht verändert. Zwar wusste Prager schon 1973 um die Bedeutung der Netzwerkeffekte, weshalb er für seine Pionierbetriebe Lizenzen der amerikanischen Hotelkette Holiday Inn erwarb. Doch inzwischen ist die Arbeitsteilung in der Branche so weit fortgeschritten, dass hinter den Betreibern internationaler Hotelketten und den Besitzern der Hotelimmobilien meistens verschiedene Eigentümer stehen.

Bei Mövenpick Holding beziehungsweise im Eigentum der von Fincks verbleiben die 185 Marché-Restaurants, die Mövenpick mit 2800 Mitarbeitern im Ausland, vornehmlich auf Autobahnen und Flughäfen, betreibt. Auch der Wein- und der Delikatessenhandel, die Ueli Prager einst mit seinen Ideen zur Demokratisierung von Luxusprodukten zum Erfolg gebracht hatte, bleiben in den Händen der Münchner Milliardärsfamilie, die Mövenpick 1992 erworben hatte. Mövenpick Hotels & Resorts beschäftigt weltweit 16’000 Angestellte, davon sind deren 15 in der Zentrale in Baar tätig.