IT-Welt
Monopolist unter Abzocker-Verdacht

Switch, die Internet-Registrierungsstelle, missbrauche ihre Marktstellung, kritisieren IT-Dienstleister. Die steuerbefreite Switch ist in der Tat auf Rosen gebettet.

Sven Millischer
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Switch

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Wer in der Schweiz eine Webseite mit .ch-Endung registrieren möchte, kommt an Switch nicht vorbei. Noch mindestens bis 2015 hat diese privatrechtliche Stiftung das Monopol auf Vergabe und Verwaltung von Schweizer Web-Adressen. Mit der Konsequenz, dass der Grosshandelspreis für Internet-Domains fünfmal höher ist als in Deutschland.

Switch begründet diesen Preisunterschied mit dem tieferen Marktvolumen, der Mehrsprachigkeit sowie den höheren Verwaltungskosten. Im Gegensatz zur deutschen Registrierungsstelle Denic, die nur Wiederverkäufer bedient, hat Switch auch Endkunden. Privatpersonen können sich über die hiesige Internet-Regierungsstelle nic.ch ihre Adresse eintragen lassen.

Mehr noch. Die Non-Profit-Stiftung drängt über ihre Tochtergesellschaft Switchplus auch in nachgelagerte Geschäftsfelder. So tritt Switchplus nicht nur als Wiederverkäufer von Internet-Adressen auf, sondern bietet gleichzeitig das dazugehörige Web-Hosting an. Will heissen: Die Switch-Tochter stellt gegen Bezahlung Speicherplatz für registrierte Webseiten bereit. Dies stösst den über 40 Hosting-Anbietern sauer auf: «Switch missbraucht ihre Marktposition», sagt Claudius Röllin vom grössten Schweizer Anbieter Hostpoint. So würde die Registrierungsstelle im Internet potenzielle Kunden gezielt auf das Hosting- und Domain-Namen-Angebot von Switchplus «lotsen».

Mit unlauteren Mitteln

Und tatsächlich: Wer im Internet auf switch.ch das dominante Bildelement «Der direkte Weg zu Ihrer Internet-Adresse» anklickt, landet unweigerlich auf Switchplus und erhält zum Domain-Namen gleich auch noch den Web-Speicherplatz offeriert. «Damit konkurrenziert Switch uns Hosting-Anbieter mit unlauteren Mitteln», sagt Franz Grüter. Der green.ch-Chef verweist auf eine Vorabklärung der Wettbewerbskommission Weko, die ergab, dass Switchplus in nur einem Jahr einen Marktanteil von schätzungsweise 5 bis 15 Prozent erreichte. Ohne tatkräftige Mithilfe des Mutterhauses sei so etwas nicht möglich, meint Grüter. 40 Millionen Franken an Rückstellungen und Reserven habe Switch für den Markteintritt lockergemacht, schätzt er: «Da wird die teure Werbekampagne quer finanziert, der Kundenstamm mitgenutzt, und die Personal- und IT-Ressourcen werden geteilt.» Denn eins sei klar, so der green.ch-Chef: «Die Registrierung der Internet-Adresse ist das Eintrittsticket zum weitaus lukrativeren Web-Hosting-Geschäft.» Trotz dieser happigen Vorwürfe hat das Weko-Sekretariat im Februar seine Vorabklärung eingestellt – mit dem Hinweis, dass «keine missbräuchliche Ungleichbehandlung vorliege». Daraufhin haben die Hosting-Provider eine Aufsichtsbeschwerde gegen den Weko-Beschluss eingereicht. Ein Entscheid steht noch aus.

Wie auch immer dieser ausfällt: Die IT-Dienstleister fordern einen Regimewechsel. Ab 2015 soll sich Switch aufs Kerngeschäft, nämlich die Registrierung von Internet-Adressen beschränken, wie dies in Deutschland der Fall ist. «Der Missbrauch der Monopolrente muss aufhören», fordert Claudius Röllin und verweist aufs Finanzpolster: Allein die «Umsatzschwankungsreserven» betrugen im 2009 über 12 Millionen Franken. Im Eigenkapital stehen 42 Millionen Franken für «zukünftige Dienstleistungen» bereit. Und dies bei einem Umsatz von 30 Millionen Franken. Die steuerbefreite Switch ist finanziell auf Rosen gebettet.