Pharmabranche

Nach 132-Millionen-Verlust: Novartis stellt Alcon auf den Prüfstand

Novartis-Chef Joe Jimenez rechnet erst im nächsten Jahr wieder mit Wachstum.

Novartis-Chef Joe Jimenez rechnet erst im nächsten Jahr wieder mit Wachstum.

Der Basler Konzern Novartis will bis Ende Jahr entscheiden, ob er die Augenheilfirma Alcon abstossen wird. Im vergangenen Jahr schrieb Alcon einen operativen Verlust von 132 Millionen Dollar.

Es war damals die teuerste Übernahme der Schweizer Firmengeschichte. Novartis kaufte den US-Augenheilsparte Alcon in mehreren Schritten für rund 51 Milliarden Dollar. Nun prüft der Basler Pharmakonzern sämtliche Optionen für das Geschäft, wie Novartis anlässlich der Medienkonferenz zu den Jahreszahlen bekannt gab.

Dabei kommt etwa ein Verkauf oder eine Abspaltung mittels Börsengang infrage. Ob sich Novartis von Alcon trenne oder nicht, werde voraussichtlich gegen Ende dieses Jahres entschieden, sagte Konzernchef Joe Jimenez gestern.

Während Novartis damals den teuren Kauf von Alcon mit den hohen Margen und starken Wachstumsraten begründete, ist die Augenheilfirma seit Ende 2015 zum Problemfall geworden. Rückläufige Umsätze, fehlender Nachschub neuer Produkte und ein vernachlässigter Kundendienst liessen die Margen schmelzen und die Gewinne einbrechen.

Im vergangenen Jahr schrieb Alcon nun sogar einen operativen Verlust von 132 Millionen Dollar. Dies geht vor allem auf höhere Investitionen in Marketing und Verkauf sowie Forschung und Entwicklung zurück, die aufgrund der Versäumnisse nötig und vor einem Jahr eingeleitet wurden. Zur selben Zeit wurde auch der Chef ausgewechselt, auf Jeff George folgte Michael Ball.

Umsatz stagniert

Jimenez selber gestand ein, dass er mit dem Tempo der Erholung Alcons nicht zufrieden ist. Zuletzt hätten sich jedoch gewisse Geschäftsbereiche wieder besser entwickelt. So sind die Kontaktlinsen und die Pflegemittel im vierten Quartal um fünf Prozent gewachsen.

Stellt sich die Frage, wieso Novartis dennoch prüft, das Geschäft abzustossen. Inzwischen habe man alle Augenheil-Medikamenten in die Pharmasparte verschoben, die verbleibende Alcon sei deshalb eigentlich eine Medizinaltechnikfirma, sagte Jimenez. Diese habe nicht mehr allzu viele Parallelen mit dem angestammten Pharma- und Generikageschäft.

Wiederholt wurde in der Vergangenheit spekuliert, ob bei einem Verkauf von Alcon ein Abschreiber nötig werde. Mit dem Transfer der Augenheil-Medikamente sei ein bedeutender Wert in die Pharmasparte verschoben worden, sagte Jimenez. Der verbleibende Goodwill von Alcon betrage rund 16,9 Milliarden Dollar. Zum derzeitigen Stand weise ein Werthaltigkeitstest keine Verluste auf.

Insgesamt blickt Novartis auf ein durchzogenes Jahr zurück. Der Umsatz ging um 2 Prozent auf 48,5 Milliarden Dollar zurück, in lokalen Währungen gerechnet stagnierten die Verkäufe. Der Grund sind vor allem Umsatzausfälle ehemals patentgeschützter Medikamente, die durch Generika konkurrenziert werden. Betroffen war vor allem das Leukämiemittel Glivec, dessen Umsatz um knapp 30 Prozent einbrach.

Das laufende Jahr dürfte ähnlich ausfallen wie das abgelaufene. Novartis geht davon aus, dass sich der Nettoumsatz auf dem Niveau des Vorjahres bewegen wird. Erneut werden die Verkäufe von Glivec durch neue Generika in den USA und Europa unter Druck kommen. Insgesamt rechnet das Unternehmen mit einer Umsatzeinbusse von 2,5 Milliarden Dollar durch Nachahmermedikamente.

Dieser Ausfall will Novartis vor allem mit zwei neueren Präparaten kompensieren. Das Mittel Cosentyx zur Behandlung der Schuppenflechte hat mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar inzwischen Blockbuster-Status erreicht und soll weiter zulegen. Zudem rechnet der Pharmakonzern mit einem bedeutenden Beitrag des Herzmedikaments Entresto, dessen Absatz bisher harzte. Jimenez rechnet mit einem Umsatz des Medikaments im laufenden Jahr von rund 500 Millionen Dollar.

Mehr Lohn für Jimenez

Die Durststrecke im laufenden Jahr will Novartis mit einem Aktienrückkaufprogramm in der Höhe von 5 Milliarden Dollar versüssen. Man wolle damit auch die Zuversicht zum Ausdruck bringen, dass der Pharmakonzern ab 2018 wieder wachsen werde, sagte Jimenez.

Für Schub sorgen soll unter anderem ein neues Medikament gegen Migräne, das zusammen mit dem US-Biotechkonzern Amgen entwickelt wird, und ein Präparat gegen akutes Herzversagen.

Obwohl das Geschäft stagniert, erhält Jimenez mehr Lohn. Sein Salär für 2016 ist von 11,6 auf knapp 12 Millionen Dollar gestiegen. Hinter dem Konzernchef folgt der neue Alcon-Chef Michael Ball mit 8,7 Millionen Dollar. Aufgrund zahlreicher Wechsel in der Konzernleitung erhöhte sich die Lohnsumme des Topmanagements von knapp 52 auf 70,4 Millionen Franken.

So erhielt etwa der ehemalige Pharmachef David Epstein 8,3 Millionen Dollar. Er verliess das Unternehmen vergangenen Juni, wird aber vertragsgemäss ein Jahr lang, also bis Ende diesen Juni, von Novartis entlöhnt.

Lesen Sie hier auch den Kommentar zu diesem Thema.

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