Die wirtschaftlich besten Zeiten liegen hinter uns. Das lässt sich unter anderem daran erkennen, dass in der Schweizer Bevölkerung die Angst vor Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen ist, wie der Sorgenbarometer der Credit Suisse zeigt. Arbeitslosigkeit steht bei Herr und Frau Schweizer nur noch an sechster Stelle in der Rangliste der grössten Sorgen.

Die Position so tief wie selten seit der Lancierung des Barometers im Jahr 1976. Der tiefe Wert ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass auf dem Arbeitsmarkt derzeit ungewöhnlich entspannte Verhältnisse herrschen. Extremwerte lassen erfahrungsgemäss eine gegenläufige Entwicklung erwarten.

Damit rechnet auch UBS-Chefökonom Daniel Kalt. «Die Schweizer Wirtschaft läuft zurzeit fast unter Vollbeschäftigung», stellte er am Donnerstag an einem Mediengespräch zu den Aussichten für das neue Jahr fest. So werde es aber nicht mehr lange bleiben. Nach neun Jahren Wirtschaftsaufschwung gäbe es inzwischen mindestens auf den Finanzmärkten die Gewissheit, dass die nächste Rezession in nicht mehr allzu grosser Ferne sei.

Die weltwirtschaftliche Lokomotive USA wird einerseits durch die Politik der eigenen Notenbank gebremst, die den Leitzins von derzeit 2,25 Prozent kontinuierlich weiter erhöht. Gleichzeitig bremsen auch die von der US-Handelspolitik ausgehenden Unsicherheiten. Doch die UBS-Ökonomen erwarten, dass die Regierung von Donald Trump alles unternehmen wird, um der eigenen Wirtschaft mit Blick auf die nächste Präsidentschaftswahl 2020 nochmals etwas Schub zu geben.

Das wird nach Einschätzung der UBS-Auguren auch die Schweizer Wirtschaft vor einem sofortigen Einbruch bewahren. Kalt geht in seinem Basisszenario davon aus, dass der Einbruch der Schweizer Wirtschaft erst gegen Ende 2020 oder Anfang 2021 erfolgen wird.

Galgenfrist bis zu US-Wahlen

Die schlechte Nachricht ist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bis dann noch immer nicht von der Nullzins-Politik losgekommen sein dürfte. Während sich die US-Zinsen in zwei Jahren bereits wieder auf den Weg nach unten machen könnten. Erhöhte sie den eigenen Leitzins quasi gegen den Trend der US-Notenbank, würde sie nämlich eine empfindliche Schwächung der europäischen Wettbewerbsposition riskieren.

Aus dem gleichen Grund müsste auch die Schweiz befürchten, noch lange in Geiselhaft der EZB zu bleiben. «Es besteht eine erhebliche Gefahr, dass wir gar nicht mehr aus der Negativzins-Falle herauskommen», sagt Kalt.

Und nach vier Jahren Negativzins-Regime sind die Folgen nicht mehr zu übersehen. Kalt spricht von «Kollateralschäden» zum Beispiel im Immobilienmarkt, wo der Bauboom von Renditeliegenschaften ausserhalb der grössten Zentren zu steigenden Leerständen führt und den Eigentümern älterer Liegenschaften Werteinbussen beschert.

Auch in der Altersvorsorge führe das tiefe Zinsniveau zu einem dramatischen Leistungsabbau. Als Ausweg aus der Falle regt Kalt eine ältere und bei geldpolitischen Hardlinern höchst unbeliebte Idee an: Die Notenbanken könnten ein höheres Inflationsziel anvisieren und so die notorisch tiefe Teuerung ankurbeln.

Damit könnten auch die Nominalzinsen steigen und den Notenbanken beim nächsten Konjunkturabschwung etwas Luft verschaffen. Die US-Notenbank geht im Durchschnitt mit einem Leitzins von rund 4,6 Prozent in eine Rezession. Gemäss UBS-Ökonomen dürfte die EZB einen etwa halb so hohen Puffer benötigen. Davon ist man aber noch weit entfernt.