Preiskampf

Nestlé-Topmarken: Im eigenen Online-Shop billiger als bei Migros und Coop

Den eigenen Namen auf den Hauptsitz in Vevey projiziert: An Selbstvertrauen mangelt es dem Lebensmittelmulti Nestlé nicht. LAURENT GILLIERON/KEY

Den eigenen Namen auf den Hauptsitz in Vevey projiziert: An Selbstvertrauen mangelt es dem Lebensmittelmulti Nestlé nicht. LAURENT GILLIERON/KEY

Im Onlineshop verkauft Nestlé Marken wie Nesquik, Smarties oder Thomy teilweise günstiger als bei Le Shop und Coop@Home. Der Nahrungsmittelkonzern befindet sich mit dieser Strategie in bester Gesellschaft. Die Detaillisten haben daran wenig Freude.

Ob Cailler-Pralinés, Maggi-Bouillon, Nesquik-Puder, Thomy-Mayonnaise, Kitkat oder Smarties: All diese Top-Marken gibt es im 2011 lancierten Onlineshop von Nestlé teilweise günstiger als bei Le Shop und Coop@Home, den Onlineshops von Migros und Coop. Das ist brisant. Schliesslich sind Nestlé und die beiden Grossverteiler in erster Linie Geschäftspartner. Migros und Coop helfen dem Lebensmittelmulti beim Absatz seiner Produkte in der Schweiz. Vor allem Coop bietet zahlreichen Nestlé-Produkten einen attraktiven Platz in seinen Regalen und investiert in deren Vermarktung.

Es liegt deshalb auf der Hand, dass die Kampfpreise von Nestlé den beiden Grossverteilern ein Dorn im Auge sind. Einem öffentlichen Schlagabtausch gehen sie aber aus dem Weg: «Wir möchten zu Aktivitäten der Konkurrenz keinen Kommentar abgeben», heisst es bei Coop. Auch die Migros bleibt diplomatisch: «Jeder Händler ist frei, die Verkaufspreise seiner Produkte selbst zu bestimmen», sagt eine Sprecherin.

Unaufhaltsame Entwicklung

Die Migros-Tochter Le Shop zeigt sich etwas gesprächiger. CEO Dominique Locher gibt zu, dass er an den Preisen des Nestlé-Onlineshops wenig Freude hat: «Einige Produkte sind dort günstiger zu haben, als ich sie bei Nestlé als Grosshändler bekomme.» Er führe diesbezüglich intensive Diskussionen mit Nestlé. «Gewisse Änderungen und Annäherungen hat es schon gegeben», so Locher.

Dramatisieren will der Le-Shop-Chef die Situation aber nicht: «Insgesamt funktioniert die Partnerschaft mit Nestlé sehr gut.» Zudem sei der Umsatz des Nestlé-Onlineshops marginal und keine echte Konkurrenz. Locher: «Im Gegensatz zu Le Shop ist im Nestlé-Store nämlich kein Wocheneinkauf möglich.»

Martin Frey, Detailhandelsexperte bei PricewaterhouseCoopers (PwC), ist überzeugt davon, dass grosse Markenproduzenten in Zukunft vermehrt versuchen werden, die eigenen Produkte übers Internet zu vertreiben. Allerdings nicht unbedingt die Lebensmittel- sondern vor allem die Konsumgüterhersteller. «Dort ist die Entwicklung unaufhaltsam», sagt Frey.

Im Ausland ist es teilweise bereits so weit. Beiersdorf betreibt in Grossbritannien und Deutschland einen Nivea-Webshop, weitere Länder sollen folgen. «Ob und wann die Schweiz dabei ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festgelegt», sagt das Unternehmen auf Anfrage der «Nordwestschweiz».

Auch Procter & Gamble (P&G) – Hersteller von bekannten Marken wie Pampers, Bounty, Ariel oder Head and Shoulders – betreibt in den USA und Deutschland einen Onlineshop. Zum hiesigen Markt sagt der Konzern: «Erkenntnisse aus dem deutschen E-Shop können auch in Zusammenarbeit mit den Schweizer Einzelhändlern zum Einsatz kommen.»

Je kleiner, desto schwieriger

Für kleinere Hersteller, die deutlich weniger Top-Produkte haben als P&G, Beiersdorf, Nestlé und Co. ist es schwierig, einen rentablen Onlineshop aufzubauen – vor allem, wenn sie im Lebensmittelbereich tätig sind. Dann kommt nämlich das Problem der Lagerung und Logistik dazu. Zudem würde der zusätzliche Umsatz von Produzenten wie Zweifel, Ricola oder Rivella wohl kaum ausreichen, um die zusätzlichen Kosten eines Onlineshops zu decken.

Erschwerend hinzu kommt, dass Unternehmen, die ihre Umsätze vorwiegend in der Schweiz erzielen, gegenüber Migros und Coop in einer schwächeren Position wären als internationale Grosskonzerne. Würde einer der beiden Grossverteiler einem kleineren Unternehmen mit einer Auslistung drohen, wäre das kaum verkraftbar. Die Grossverteiler müssen deshalb keine Angst haben, in Zukunft plötzlich überflüssig zu werden. Der Markt wird sich aber weiter verändern.

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