In den meisten Unternehmen ist es üblich, den Angestellten ab dem 50. Altersjahr zusätzliche Ferientage zu gewähren. So war es bislang auch bei der Valiant Bank, die den knapp tausend Mitarbeitenden grundsätzlich fünf Wochen Ferien und jenen ab dem 56. Altersjahr einen zusätzlichen Ferientag pro Altersjahr gibt – bis zum Maximum von sechs Wochen ab 60.

Doch damit ist nun Schluss. Per 1. Januar 2019 gibt es im Alter keine zusätzlichen Ferientage mehr, wie Sprecher Marc Andrey auf Anfrage bestätigt. Begründet wird der Entscheid mit Gleichbehandlung: «Valiant ist es wichtig, dass alle Mitarbeitenden unabhängig ihres Geschlechts, Alters oder anderer Persönlichkeitsmerkmale bei gleicher Leistung und gleichem Verhalten auch gleichgestellt sind.» Valiant betont, man habe in den neuen Anstellungsbedingungen gleichzeitig den Kauf von bis zu 20 zusätzlichen Ferientagen sowie das Recht auf Teilzeit verankert. Beides war aber schon bisher teilweise möglich.

Entscheid sorgt für Kritik

Die Ferienkürzung der Valiant ist ein Novum in der Schweiz. Das zeigt eine Umfrage unter Banken, Experten, Gewerkschaften und Verbänden. Bei der grössten Schweizer Gewerkschaft Unia hört man zum ersten Mal von einem solchen Fall. Auch der Arbeitgeberverband der Banken in der Schweiz hat keine Kenntnis von einem derartigen Trend.

Entsprechend hat der Schritt intern für Kritik gesorgt, wie eine Sprecherin des Schweizerischen Bankpersonalverbands sagt. Einige Mitarbeitende hätten probiert, sich dagegen zu wehren, aber nicht genug Unterstützung bei den Kollegen gefunden. Der Verband befürchtet, dass schleichend bei den Mitarbeitern gespart wird. «Es ist kein Geheimnis, dass ältere Mitarbeiter es bei den Banken schwierig haben.»

Der Kaufmännische Verband erklärt, dass die wichtigsten Banken der Schweiz, wie etwa UBS, CS, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank oder Julius Bär, gemäss einer Branchenvereinbarung den älteren Mitarbeitenden nicht eigenmächtig die Ferien kürzen dürfen. «Die Valiant kann dies jedoch tun, weil sie die entsprechende Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten nicht unterzeichnet hat», sagt eine Sprecherin. Viele andere Banken haben diese Vereinbarung ebenfalls nicht unterzeichnet, doch keine davon plant eine Änderung, wie eine Stichprobe zeigt. Die Kantonalbanken Luzern, St. Gallen und Aargau gewähren ihren 60-jährigen Angestellten nach wie vor sechs Wochen Ferien. Bei der Migros Bank gibt es ab 60 sogar sieben Wochen Ferien.

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