Wirtschaft

Neue Unruhe bei der MCH Group: Was hat dieser russische Investor mit der Art Basel vor?

Der russische Investor Sergey Skaterschikov war auf Einkaufstour bei der MCH Group – und beflügelte sogleich den Aktienkurs.

Der russische Investor Sergey Skaterschikov war auf Einkaufstour bei der MCH Group – und beflügelte sogleich den Aktienkurs.

Ein neuer Grossaktionär der MCH Group versucht seit Jahren, im Kunstmarkt einen Coup zu landen – mit trüben Aussichten. Der Mann pflegt auch Geschäftsverbindungen zu FCB-Präsident Bernhard Burgener.

Sergey Skaterschikov hat in den vergangenen Wochen kräftig Aktien des Messekonzerns MCH Group erworben. Der Zukauf von mindestens 3,8 Prozent der Aktien hat den Börsenkurs des krisengeschüttelten Unternehmens beflügelt. Eine Bestätigung für die neue Strategie des Verwaltungsrates ist dies allerdings nicht. Denn nach allen Erfahrungen ist Skaterschikov einzig an der Art Basel interessiert. Dies würde bedingen, dass der Messe- und Live-Marketing-Konzern zerschlagen wird.

Skaterschikov, ein 46-jähriger Russe, hat in den vergangenen Jahren verschiedentlich Staub in der Kunstszene aufgewirbelt. 2011 startete er den Branchendienst «Skate's Art Market Research». Vor elf Jahren legte er über seine New Yorker Firma IndexAtlas einen 50 Millionen Dollar schweren «Art Industry»-Fund auf. Dieser sollte bei Auktionshäusern investieren oder sich in der Kunst-Beratung von der Finanzierung bis zur sicheren Aufbewahrung engagieren. 2011 trat er unvermittelt als Investor der Wiener Kunstmesse «Viennafair» auf. Er gab sie nach einem Jahr an den russischen Immobilien-Tycoon Dmitry Aksenov weiter, der kurze Zeit später die Reissleine zog.

Danach versuchte Skaterschikov eine unfreundliche Übernahme der deutschen Kunstplattform «Artnet». In einem Interview schimpft «Artnet»-Gründer Hans Neuendorf über den Investor. Er sagt, «he’s a fishy guy», dessen Absichten er nie richtig verstanden habe. Gemäss Medienberichten investierte Skaterschikov bei «Viennafair» wie bei «Artnet» mit Mitteln der luxemburgischen Redline Capital Management. Diese gehört zum Imperium des russischen Oligarchen Wladimir Jewtuschenkov.

In Polen hat Skaterschikov aus dem Kunsthändler Abbey House ein Medienunternehmen gezimmert. Dieses übernahm 2014 das defizitäre US-Kunstmagazin «Artnews» und ein Jahr darauf die Magazine des Filmproduzenten Peter Brant.

Geschäftspartner von FCB-Präsident Burgener

Skaterschikov übernahm «Paddle8», eine von New York aus operierende Plattform für Kunstauktionen. Geld scheint mit «Paddle8» noch niemand verdient zu haben, doch ein Plan sieht vor, dass darauf nicht nur mit Bitcoin bezahlt werden kann, sondern der ganze Handel mit Blockchain-Technologie abgewickelt werden soll.

Die Spur von «Paddle8» führt nach Basel zu einer Anwaltskanzlei. Dort ist die börsenkotierte Gesellschaft «The Native» angemeldet, die grosse Start-up-Pläne mit innovativen Technologien hegte. «Paddle8» war Teil davon. Gegenüber dem deutschen «Handelsblatt» sagte Skaterschikov: «Wir glauben, dass es einen grossen Markt gibt für das Luxus-Geschäft mit den Millennials.»

Mit von dieser Partie ist auch der FCB-Präsident und Medienunternehmer Bernhard Bur­ge­ner. Dieser hatte als Teilhaber seine «New-Business»-Beteiligungen zur «The Native» geführt. Aus den vorliegenden Unterlagen ist allerdings nicht erkennbar, ob Skaterschikov in Burgener den Investor erkannt hatte, der «Paddle8» zum Fliegen bringt, oder ob sich umgekehrt Burgener russisches Kapital für seine Geschäftsideen versprochen hatte.

«No comment» zu den strategischen Absichten

In den vergangenen Wochen wurde die verschuldete «The Native» wieder umstrukturiert. Die Firma hat gemäss Mitteilung gegenwärtig keine eigenen Aktivitäten mehr. «Paddle8» und andere Beteiligungen wie die deutsche Asknet wanderten zur Firma Facebank, die zur gleichnamigen und börsennotierten US-Gesellschaft gehört. Schweizer Domizilsgeber ist wiederum der gleiche Basler Anwalt. Dieser gründete im letzten Sommer die IndexAtlas AG. Damit hat sich Skaterschikov an der MCH Group beteiligt.

Auf Fragen nach den strategischen Absichten der Index­Atlas reagiert der Anwalt mit einem freundlichen «no comment». Gegenüber der «Finanz und Wirtschaft» behauptete die Skaterschikov-Vertraute Izabela Depcyk, es handle sich um ein Finanzinvestment, da die MCH Group «unbewertet» sei und «ein grosses Wachstumspotenzial» habe. Wenn auch nicht durchsichtig ist, was Skaterschikov eigentlich will; als reiner ­Finanzinvestor ist er bisher nicht bekannt geworden.

Autor

Christian Mensch

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