Wirtschaft

Novarits zahlt für Milliarden-Zukauf mehr als gewollt

Für die Übernahme der US-Firma The Medicines Company zahlt Novartis knapp 10 Milliarden Dollar.

Für die Übernahme der US-Firma The Medicines Company zahlt Novartis knapp 10 Milliarden Dollar.

Dokumente zeigen, wie der Basler Pharmakonzern bei der Übernahme der amerikanischen Biotechfirma The Medicines Company pokerte.

Novartis bezahlt 9,7 Milliarden Dollar für die US-Biotechfirma The Medicines Company. Dies gab der Pharmakonzern vor gut zwei Wochen bekannt. Doch die Basler waren längst nicht die einzigen, die sich für das Unternehmen interessierten, wie ein Dokument zeigt, das The Medicines Company bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. So fanden Gespräche mit insgesamt zwölf Interessenten statt. Bereits im Juni 2018 wandte sich der damalige Firmenchef an einen nicht genannten, globalen Pharmakonzern, um eine strategische Zusammenarbeit einzugehen. Drei Monate nahm dieser Pharmakonzern die US-Biotechfirma unter die Lupe, verwarf jedoch dann die Pläne.

Mit Novartis suchten die Amerikaner im Januar dieses Jahres zum ersten Mal das Gespräch. Medicines-Chef Mark Timney nahm Kontakt mit Paul Hudson auf, damals Chef der Pharmasparte von Novartis. Doch dieser winkte ab. Hudson ist mittlerweile Konzernchef des französischen Pharmakonzerns Sanofi.

Die Verantwortlichen der Medicines Company waren ganz offensichtlich erpicht darauf, das Unternehmen zu verkaufen. Am Kongress der europäischen Kardiologen in Paris, der Ende August begann, trafen sich die Amerikaner gleich mit fünf Firmen, ­darunter auch Novartis. Doch die Basler waren die einzigen, die ernst machten: Zwei Wochen später unterbreitete Novarits-Chef Vas Narasimhan per Telefonkonferenz ein Angebot von 74 Dollar pro Aktie des US-Unternehmens. Nachdem die Verantwortlichen der Medicines Company in den ­Wochen danach signalisierten, der gebotene Preis sei zu tief, erhöhte Novartis das Angebot auf 85 Dollar, kurz darauf auf 90 Dollar pro Aktie.

Umtriebiger Investor als treibende Kraft

Am 18. November folgt eine brisante Wende: Ein Novartis-Manager teilt den Amerikaner mit, dass der Basler Pharmakonzern das Angebot nach eingehender Prüfung der Firma auf 85 Dollar reduziere. Die internen Modelle von Novartis könnten nicht einmal diesen Preis rechtfertigen, doch man wolle sich an die ursprüngliche ­Offerte halten. Da die Amerikaner nicht an ein besseres Angebot eines anderen Unternehmens glaubten, gab der Verwaltungsrat von The Medicinces Company grünes Licht. Sechs Tage später kündigten die beiden Firmen die Übernahme offiziell an.

Als Treiber hinter den Verkaufsabsichten gilt Verwaltungsratspräsident Alexander Denner. Der aktivistische Investor hat mit seinem Hedgefund ­Sarissa Capital bereits bei anderen Biotechfirmen den Verkauf an grosse Pharmakonzerne vorangetrieben. Im März 2018 übernahm Denner die Kontrolle im Verwaltungsrat von The Medicines Company. Er verkleinerte das Gremium auf sieben Personen, wovon drei Mitglieder zu Denners Lager gezählt werden. Ende 2018 ernannte die Firma Mark Timney zum Chef. Dieser war zuvor Chef von Purdue Pharma. Die Firma spielt eine zentrale Rolle im Skandal um Opioid-basierte Schmerzmittel. In den letzten 20 Jahren starben über 400000 Amerikaner an einer Überdosis. Deshalb sind unzählige Rechtsfälle in den USA hängig, Timney ist in zahlreichen Klagen namentlich erwähnt.

Der Deal macht sowohl Timney als auch Denner reich. Die Aktien und Option haben dank der Novartis-Übernahme einen Wert von knapp 67 Millionen Dollar. Die Aktien von Denner, die er über seinen Hedgefund hält, sind gar 364 Millionen Dollar wert.

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