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Pensionskassen: Die Schweizer Börse bremst die Umverteilungsmaschine

Ein ausgezeichnetes Anlagejahr hat die Schweizer Pensionskassen im Jahr 2017 um rund 63 Milliarden Franken reicher gemacht.

Ein ausgezeichnetes Anlagejahr hat die Schweizer Pensionskassen im Jahr 2017 um rund 63 Milliarden Franken reicher gemacht.

2017 erhielten Berufstätige eine höhere Verzinsung als Rentner

Ein ausgezeichnetes Anlagejahr hat die Schweizer Pensionskassen im Jahr 2017 um rund 63 Milliarden Franken reicher gemacht. Die Leistung des Finanzmarktes als «dritter Beitragszahler» ist damit deutlich höher ausgefallen als die geschätzten, kombinierten Beiträge der aktiven Versicherten und ihrer Arbeitgeber (von rund 45 Milliarden Franken).

Im Urteil von Swisscanto sind die hohen Renditen des Finanzmarktes die «rettende» Säule des Rentensystems. Swisscanto ist das Pensionskassenberatungsunternehmen der Zürcher Kantonalbank und lotet jährlich im Rahmen einer repräsentativen Umfrage den Zustand des beruflichen Vorsorgewesens aus.

Gewaltige Quersubventionierung

Das Bild mag zwar etwas strapaziert wirken, doch aus der Luft gegriffen ist es nicht. Jahr für Jahr werden Anlageerträge in Milliardenhöhe den erwerbstätigen Beitragszahlern vorenthalten, um mit dem Geld laufende Renten zu finanzieren. Die Quersubventionierung geht auf Kosten jener, die mehr als den obligatorisch versicherten Lohn von 85 000 Franken im Jahr verdienen und bereits in der AHV einen überproportional hohen Solidaritätsbeitrag leisten.

Die gute Börsenentwicklung hat die Umverteilungsmaschinerie im vergangenen Jahr immerhin etwas abgebremst. Mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 2,5 Prozent seien die Vorsorgeguthaben 2017 erstmals seit längerer Zeit wieder besser verzinst worden als jene der Rentner (2,3 Prozent), stellte Swisscanto anlässlich einer Medienkonferenz in Zürich fest.

Derweil setzt sich der Leistungsabbau für Neurentner fort. Der durchschnittliche Umwandlungssatz, der Faktor, zu dem die Pensionskassen die angesparten Alterskapitalien in Renten umrechnen, liegt aktuell bei 5,9 Prozent. Damit hat der Satz die Marke von 6 Prozent bereits unterschritten, wie sie die im September vom Volk abgelehnte Rentenreform im Gesetz festschreiben wollte. Jedoch wurde das Mindestniveau von 6,8 Prozent schon vor zehn Jahren unterschritten.

Eine Diskrepanz zum Gesetz ist das nicht. Der gesetzliche Umwandlungssatz gilt nur für den obligatorisch zu versichernden Lohn in der 2. Säule. 85 Prozent der Versicherten sind aber sogenannt umhüllenden Pensionskassen angeschlossen. In diesen Kassen verdienen viele Beitragszahler mehr als das Obligatorium, sodass sich die gesetzliche Minimalleistung auch mit einem tieferen durchschnittlichen Umwandlungssatz erfüllen lässt. Doch liegen die Leistungen einer Mehrheit der umhüllenden Kassen nur knapp über dem Obligatorium.

Umverteilung noch befeuert

Ungeachtet der auf unbestimmte Zeit aufgeschobenen Anpassung des Umwandlungssatzes, treffen die Pensionskassen ihre eigenen Dispositionen zur Wahrung des Gleichgewichtes. Mehr als ein Viertel aller an der Swisscanto-Umfrage teilnehmenden privatrechtlichen Kassen wenden inzwischen einen technischen Zinssatz von unter 2 Prozent an. Vor fünf Jahren rechneten erst 3 Prozent der Kassen mit Werten unter dieser Marke.

Mit dem technischen Zins werden laufende, kapitalisierte Renten jährlich abgezinst, um feststellen zu können, wie viel Kapital zurückgestellt werden muss, um die laufenden Renten decken zu können. Je tiefer dieser technische Zins festgelegt wird, desto mehr Kapital muss eine Kasse für die laufenden Verpflichtungen zur Seite legen. Der technische Zins ist in den vergangenen Jahren parallel zum sinkenden Zinsniveau gefallen und hat damit die Umverteilung im Rentensystem noch befeuert.

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