Beim Aufräumen nach der ­Führungskrise bei Raiffeisen Schweiz sollte zunächst auch die Beteiligung am Finanzdienstleister Leonteq zurückgefahren werden. Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz war 2016 Präsident des Leonteq-Verwaltungsrats geworden. Jetzt hat der Verwaltungsrat von Raiffeisen entschieden, dass Raiffeisen weiterhin Ankeraktionär bei Leonteq bleibt. Das geht aus einem Communiqué hervor.

Ursprünglich sollte die Beteiligung auf gegen 19 Prozent schrumpfen. Die Beteiligung an Leonteq habe bei Raiffeisen im Geschäftsjahr 2018 ein Loch von rund 57 Millionen Franken in die Kassen gerissen, schreibt die Nachrichtenagentur SDA. Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz hat gemäss Mitteilung beschlossen, an seiner ­Beteiligung in Höhe von 29 Prozent an der Leonteq AG festzuhalten. Raiffeisen Schweiz stehe hinter ihrer strategischen Beteiligung und dem Geschäftsmodell des Finanzdienstleisters. Aufgrund der langjährigen Kooperation im Bereich der Emission strukturierter Produkte sei Raiffeisen Schweiz vom Potenzial von Leonteq überzeugt, heisst es weiter.

Sitz im Verwaltungsrat von Leonteq vergeben

Zudem besetzt Raiffeisen ihren vakanten Verwaltungsratssitz bei Leonteq. Leonteq nominiert den von Raiffeisen Schweiz vorgeschlagenen Dominik Schärer für das Aufsichtsgremium. Dieser soll Ende September an einer ausserordentlichen Generalversammlung gewählt werden. Schärer ist Gründer der PK Advisory AG, Partner und Verwaltungsrat der JBV Vermögensverwaltung AG und amtet als Verwaltungs- oder Stiftungsrat in diversen Organisationen. Zuvor war der Betriebsökonom während 15 Jahren in diversen Funktionen bei der Merrill Lynch Capital Markets AG Switzerland beschäftigt.

Logo der Raiffeisenbank am Hauptsitz in St. Gallen. Bild: KEY/Gaetan Bally

Logo der Raiffeisenbank am Hauptsitz in St. Gallen. Bild: KEY/Gaetan Bally

Nach dem Bekenntnis von Raiffeisen zu Leonteq ist der Kurs der Aktie an der Schweizer Börse zunächst in die Höhe geschnellt, verlor aber gegen Abend wieder an Wert. Trotzdem konnte sie unter dem Strich nach längerer Talfahrt wieder zulegen. Leonteq hat in der 12-jährigen Firmengeschichte gerade in den letzten drei Jahren einige Turbulenzen erlebt. Der Appenzeller Jan Schoch, ehemaliger CEO und Mitgründer, musste 2017 das Unternehmen verlassen. Zusammen mit Lukas Ruflin, Michael Hartweg und Sandro Dorigo hatte er 2007 die Derivatefirma Leonteq gegründet. Von den vier Gründern sind noch zwei bei der Leonteq: Ruflin ist seit letztem Jahr CEO und Dorigo arbeit für Leonteq als Geschäftsentwickler in Singapur. Er gehört nicht zur Konzernleitung.

Jan Schoch lebt in Appenzell. Zu viele Aktivitäten neben der Leonteq, wie etwa die Gründung der Fintech-Bank Flynt, haben ihn den Job, viel Geld und die Ehe gekostet. Hinzu kamen der Einbruch der Leonteq-Aktie und eine Finma-Busse.