Der Pferdefleisch-Skandal hat die Schweizer Gastronomieszene erreicht. Die Zürcher ZFV-Gruppe hat in sämtlichen 137 Restaurants, Hotels und Catering-Betrieben den Verkauf von Ravioli, Tortellini und Pferdefleisch eingestellt. «Wir haben dies vergangene Woche entschieden», sagt ZFV-CEO Andreas Hunziker auf Anfrage der «Nordwestschweiz».

Es handelt sich um eine Sicherheitsmassnahme der ZFV-Gruppe, zu der die Sorell Hotels, verschiedene öffentliche Restaurants, zahlreiche Personalrestaurants, Schul- und Universitätsmensen sowie die Bäckerei-Konditorei Kleiner gehören. In den Betrieben wird zwar viel frisch produziert, aber bei Ravioli und Tortellini greift man auf Fertigprodukte, sogenannte Conveniance-Produkte, zurück. Oder besser: griff man zurück. «Nachdem es ausserhalb des ZFV zu Falschdeklarationen gekommen war, haben wir uns aus Sensibilitätsgründen und der Verantwortung gegenüber unseren Kunden den Verkaufsstopp erlassen», so Hunziker.

Zusätzliche Labortests verlangt

Von den Lieferanten verlangt die ZFV-Gastrogruppe zudem zusätzliche Laboruntersuchungen. So bekommt der Kunde garantiert das aufgetischt, was er bestellt. «Tag für Tag kommen neue Informationen. Zuerst hatte man das Gefühl, die Schweiz sei nicht betroffen. Jetzt schwappt der Skandal von Rindhackfleisch auf das Pferdefleisch über», so Hunziker im Gespräch (siehe auch Box).

Wie lange der Verkaufsstopp dauern wird, steht nicht fest. «Solange es keine Gewissheit gibt, werden wir die Produkte nicht mehr anbieten», sagt Hunziker. Die Ravioli bezieht die ZFV-Gruppe von verschiedenen Lieferanten, unter anderem auch von Hilcona. Die Bell-Tochter musste in den vergangenen Tagen falsch deklarierte Ware aus dem Verkehr ziehen.

Daneben hat auch der Engros-Markt Prodega Hilcona-Produkte an Restaurants verkauft, wie die «Zürichsee-Zeitung» aufdeckte. Am Montag hat der Grosshändler die Sauce Bolognese und Ghackets mit Hörnli vorübergehend aus dem Sortiment gestrichen. Prodega ist mit 27 Filialen der grösste Anbieter für die Gastronomie. Beim anderen Gastro-Grossverteiler Cash+Carry Angehrn, der zu 80 Prozent zur Migros gehört, wurden ebenfalls zwei «kontaminierte» Produkte (Tortelloni und Lasagne) aus dem Sortiment genommen, wie ein Sprecher bestätigte. Die fünf betroffenen Kunden, darunter drei Personalrestaurants, habe man am letzten Montag informiert.

Aus Profitgier betrogen

Der Etikettenschwindel bei Rindfleischprodukten erstaunt einen alteingesessenen Metzger, der anonym bleiben möchte, nicht: «Pferdefleisch ist viel günstiger als Rindfleisch und Hersteller können damit ihre Margen aufbessern.» Gesundheitlich sei Pferdefleisch unbedenklich, nicht aber wirtschaftlich: «Die Leute werden aus reiner Profitgier betrogen», so der Metzger.