Bern
Reallohneinbusse für Staatsangestellte?

Keine Leistungskürzungen und massvolle Sanierungsbeiträge, das fordern die Delegierten der Bernischen Pensionskasse. Roland Seiler bleibt Mitglied der Verwaltungskommission; vier neue Arbeitnehmervertreter kommen ab 2010 dazu.

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Wildi

Wildi

Berner Rundschau

Bruno Utz

Die 133 Delegierten der Bernischen Pensionskasse (BPK) hörten sich gestern an, weshalb die Kasse letztes Jahr in eine erhebliche Unterdeckung abgerutscht ist (vergleiche Tabelle). An der Anlagestrategie werde festgehalten, informierte Roland Seiler, Präsident der Verwaltungskommission (VK). Derzeit habe die BPK 52 Prozent ihres Vermögens in Obligationen angelegt, 38 Prozent in Aktien und 3,25 Prozent in Liegenschaften. «Das Portfolio umfasst weder Beteiligungen an Hedge-Fonds noch Private Equity und Rohstoffe», so Seiler. Er erklärte, weshalb der technische Zinssatz im Hinblick auf die langfristige Sicherung der BPK von 4 auf 3,5 Prozent gesenkt werden soll. Diese von der VK Ende März beschlossene Massnahme verlange zusätzliches Kapital oder der Deckungsgrad sinke um weitere vier Prozent ab (wir berichteten).

Regierungsentscheid im Spätsommer

Seiler erklärte, dass die von der VK ebenfalls beschlossenen Beitragserhöhungen von insgesamt 5,7 Prozent - sie führen zu Mehreinnahmen von rund 93 Millionen Franken - noch vom Regierungsrat genehmigt werden müssen. Diese sehen um 2,2 Prozent höhere ordentliche Beiträge ab 2010 vor. Und auf den gleichen Zeitpunkt sollen zusätzlich 3,5 Prozent als Sanierungsbeitrag in die BPK-Kasse fliessen. Laut Seiler schlägt die VK vor, dass die Arbeitnehmer davon total 1,8 Prozent übernehmen, der Kanton und die rund 160 angeschlossenen Unternehmen 3,9 Prozent. Mit einem Gesuch sei der Regierungsrat zudem gebeten worden, dass der Kanton vorläufig die Verzinsung des auf die Angestellten entfallenden Anteils der Deckungslücke übernimmt. Eine Anfrage bei der Finanzdirektion ergab gestern, dass der Regierungsrat im Spätsommer über die Anträge der BPK und den vergleichbaren der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK) entscheiden wird.

Keine Reallohneinbusse hinnehmen

Die Delegierten hiessen ohne Gegenstimme bei vier Enthaltungen eine vom Delegierten Matthias Burkhalter, Geschäftsführer des Bernischen Staatspersonalverbandes (BSPV), eingereichte Resolution gut. Darin fordern sie unter anderem, dass die Gesamtbelastung der Arbeitnehmer durch die berufliche Vorsorge zehn Prozent nicht übersteigen dürfe. Derzeit entrichteten die Arbeitnehmer bereits Beiträge im Umfang von 8,4 Prozent. Burkhalter: «Hält der Regierungsrat an seinem im Finanzplan fürs 2010 vorgesehenem Lohnsummenwachstum von einem Prozent fest, ist eine Reallohneinbusse absehbar. Das nehmen wir nicht hin.» Weiter sei das Projekt Futura, der Wechsel vom Leistungs- zum Beitragsprimat, zu sistieren. Laut Direktor Schwander sind die Futura-Arbeiten an den Vorsorgeplänen wegen der vielen offenen Fragen eingestellt worden.

Schliesslich wählten die Delegierten die fünf neuen Arbeitnehmervertreter in die VK. Im ersten Wahlgang übersprangen neben dem bisherigen Roland Seiler (Moosseedorf) auch Andrea Frost-Hirschi (Spiez), Pierre-André Musy (Aegerten), Hans-Ulrich Käser (Bern) und Beat Seiler (Bern) die die Wahlhürde. Mit 67 Stimmen schaffte auch Arnold Wildi das absolute Mehr. Der Präsident der Delegiertenversammlung schied jedoch als Überzähliger aus. Keine Chance hatte alt FDP-Grossrat Christian Stauffer (Brügg).