Lohn-Debatte
Reduziert drohende Busse die UBS-Boni? Chef-Saläre sind wieder Thema – auch bei anderen Firmen

Daniel Zulauf
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Löhne der Chefs von SMI-Unternehmen
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Sergio Ermotti, UBS: 14,2 Millionen (2017)
Vas Narasimhan, Novartis: 9,9 Millionen (2018)
Tidjane Thiam, Credit Suisse: 9,7 Millionen (2017)
Ulf Mark Schneider, Nestlé: 9,5 Millionen (2018)
Ulrich Spiesshofer, ABB: 9,3 Millionen (2017)
Jan Jenisch, Lafarge-Holcim: 8,8 Millionen (2017)
Mario Greco, Zurich: 8,6 Millionen (2017)
Nick Hayek, Swatch: 7 Millionen (2017)
Jérôme Lambert, Richemont: 6 Millionen (2017/2018)
Gilles Andrier, Givaudan: 5,6 Millionen (2017)
Christian Mumenthaler, Swiss re: 5,2 Millionen (2017)
Bernhard Hodler, Julius Bär: 4,8 Millionen (2017)
Richard Ridinger, Lonza: 4,8 Millionen (2017)
Alain Dehaze, Adecco: 4,5 Millionen (2017)
Paul Schuler, Sika: 3,9 Millionen (2018)
Frankie Ng, SGS: 3,8 Millionen (2018)
Patrick Frost, Swisslife: 3,4 Millionen (2017)
Christian Buhl, Geberit: 2,4 Millionen (2017)
Urs Schaeppi, Swisscom: 1,8 Millionen (2018)

Löhne der Chefs von SMI-Unternehmen

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Den Reingewinn auf 4,9 Milliarden verfünffacht, mehr Dividende und die üblichen Millionengehälter für Management und Verwaltungsrat: Die UBS hatte das Drehbuch längst geschrieben. Dann gab Christine Mée, die vorsitzende Richterin am Tribunal de Grande Instance in Paris, am Mittwoch vergangener Woche das spektakuläre Verdikt bekannt: 3,7 Milliarden Euro Busse, dazu Schadenersatz von 800 Millionen Euro.

So viel soll die Schweizer Grossbank zahlen, weil sie sich schuldig gemacht habe, Steuerpflichtige in der Umgehung des Fiskus anzuleiten. Zwar handelt es sich bei dem Schuldspruch um ein erstinstanzliches Urteil, das die Bank zweimal anfechten kann. Doch die vom Gericht geforderten Straf- und Wiedergutmachungszahlungen sind ein Fakt. Damit wird das Drehbuch zur Makulatur, mit dem die UBS-Führung am 2. Mai vor die Aktionäre treten wollte.

Die zum Jahresende ausgewiesenen Rückstellungen für offene Rechtsstreitigkeiten und regulatorische Auflagen belaufen sich auf 2,4 Milliarden Franken. Das ist bei weitem nicht genug, um die Prozessrisiken in Frankreich abzubilden. Den zusätzlichen Rückstellungsbedarf kann die Bank also nicht weiter ignorieren. Sie wird möglicherweise noch zulasten des alten Geschäftsjahres einen Milliardenbetrag zur Seite legen. Das ist der Hintergrund, weshalb die UBS die auf gestern Freitag terminierte Veröffentlichung ihres Geschäftsberichtes um zwei Wochen verschoben hat.

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Der Verwaltungsrat steckt in einem bekannten Dilemma: Wer soll für den Schaden bezahlen? Die Aktionäre haben ihre Rechnung präsentiert erhalten. Der Aktienkurs, der am 22. Januar, nach Vorlage des Jahresergebnisses, bei 13 Franken gestanden hatte, notiert inzwischen 2 Prozent tiefer. An der Börse hat die UBS damit eine Milliarde Franken an Wert verloren. Zur Wochenmitte hatte der Verlust gar über 5 Milliarden Franken betragen.

Ermotti war noch nicht CEO

Für Fehlleistungen müsste der Chef geradestehen. Doch Sergio Ermotti wurde erst im November 2011 zum CEO ernannt. Die vom Pariser Gericht untersuchten Steuerbetrugsfälle beziehen sich auf die Zeit von 2004 bis Ende 2011. Bleibt der Tessiner unbehelligt, ginge er wohl auch 2018 als einer der Topverdiener in die Statistik ein. 2017 hatte er 14,2 Millionen Franken nach Hause genommen – nur Roche-Chef Severin Schwan bekam mehr. Die UBS im Elend, Ermotti auf dem Podest – zehn Jahre nach der Staatsrettung kann sich die UBS dieses Signal kaum leisten.

Aber wer soll den Kopf sonst hinhalten? Präsident Axel Weber stand 2017 mit seinen Honoraren und Tantiemen im Gesamtbetrag von über 6 Millionen Franken auf dem Podest der höchstbezahlten Verwaltungsräte. Doch er kam erst nach der Steueraffäre. Vielleicht wäre Chefjurist Markus Diethelm ein Kandidat für die Opferrolle, doch was ist mit Sunrise-Präsident Peter Kurer? Schliesslich war er von 2001 bis 2008 der Chefjurist. Oder sollten Oswald Grübel und Kaspar Villiger zur Verantwortung gezogen werden? Beide liessen sich zu einer Zeit vor den UBS-Karren spannen, als sich alle anderen profilierten Persönlichkeiten drückten.

Und überhaupt, wie soll diese Verantwortung rückwirkend eingefordert werden? Der frühere UBS-Chef Peter Wuffli, der das Schlamassel im US-Hypotheken-Geschäft mitverantwortet hatte, liess sich ein Jahr später dazu bewegen, auf einen Lohnanteil von 12 Millionen Franken zu verzichten. Obschon ihm dieser arbeitsrechtlich zustand. Seine damaligen Mitstreiter Stephan Haeringer und Marco Suter taten es gleich. Doch geöffnet hatte das Portemonnaie nur Marcel Ospel, der einen Teil seiner in den Jahren 2003 bis 2007 bezogenen Löhne und Boni im Wert von 38 Millionen Franken zurückgezahlt hat.

Wirkungslos blieb eine im Anschluss an die UBS-Krise im Aktienrecht verankerte Bestimmung, nach der Gesellschaften ihre Leitungsorgane bei offensichtlichen Fehlleistungen gerichtlich zu Rückerstattungen verpflichten können. Auch die Anpassungen im Zug der Abzockerinitiative zeigten kaum Ergebnisse. Zwar kennen inzwischen viele Banken und Versicherungen sogenannte Rückforderungs- oder «Claw Back»-Klauseln. Doch Vincent Kaufmann, der als Direktor der Anlagestiftung Ethos Jahr für Jahr Hunderte von Geschäftsberichten sichten lässt, kann nach eigener Aussage keinen einzigen Fall nennen, in dem eine Rückforderungsklausel relevante Wirkung entfaltet hat.

Auswüchse in der Industrie

Dass die Cheflöhne in gewissen Branchen ein Eigenleben führen, zeigt sich im Finanzsektor besonders. Auswüchse lassen sich indes auch in der Industrie feststellen. Sulzer-Chef Greg Poux-Guillaume liess sich 2018 eine Lohnerhöhung um 30 Prozent auf 5,8 Millionen Franken gewähren. Wobei diese immerhin im Einklang mit einer Gewinnsteigerung um 35 Prozent steht. Doch im Vergleich zu den 3,5 Millionen Franken von Georg-Fischer-Chef Yves Serra erscheint der Lohn von Poux-Guillaume merkwürdig. Serra musste trotz Gewinnsteigerung (+11 Prozent) eine Lohneinbusse (–8 Prozent) hinnehmen. Und er führt im längerfristigen Vergleich ein erfolgreicheres und inzwischen auch grösseres Unternehmen als Sulzer.

5,8 Millionen Franken bekommt Sulzer-Chef Greg Poux-Guillaume. Zu viel für ein mittelgrosses Industrieunternehmen, meinen Kritiker. Grossaktionär Vekselberg wird es egal sein.

5,8 Millionen Franken bekommt Sulzer-Chef Greg Poux-Guillaume. Zu viel für ein mittelgrosses Industrieunternehmen, meinen Kritiker. Grossaktionär Vekselberg wird es egal sein.

Foto: Claudio Thoma / Aargauer Z

Das Thema Managerlöhne bleibt in Investorenkreisen hochaktuell. Allianz Global Investors (AGI), der Asset-Manager des gleichnamigen deutschen Versicherungskonzerns, der auch für Drittkunden über 500 Milliarden Euro verwaltet, gab diese Woche seine Bilanz der letztjährigen GV-Saison bekannt. AGI nahm an weltweit 8535 Generalversammlungen teil und hat dort jeden zweiten Vergütungsantrag abgelehnt. In der Schweiz betrug die Ablehnungsquote 32 Prozent.

Schweizer Löhne ausserhalb der Chefetagen:

Der monatliche Brutto-Medianlohn für Lehrerinnen und Lehrer beträgt 9315 Franken. Umfasst Lehrkräfte von Vorschulbereich bis Universität sowie sonstige Lehrer. Medianlohn: Für die eine Hälfte liegt der Lohn über, für die andere Hälfte dagegen unter dem Zentralwert (Median). Quelle: Bundesamt für Statistik (2018)
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Naturwissenschafter, Mathematiker, Ingenieure: 7956 Franken. Das sind zum Beispiel ArchitektIn, GrafikerIn, BauingenieurIn, GeomatikerIn, DesignerIn, ChemikerIn, TechnikerIn HTL, Biologe/Biologin, Geologe/Geologin, TechnischeR KontrolleurIn, VersicherungswirtschafterIn, PhysikerIn, AgronomIn, usw.
Akademische und verwandte Gesundheitsberufe: 8013 Franken. z. B. PhysiotherapeutIn, ApothekerIn, Assistenzarzt/Assistenzärztin, Pflegefachkraft FH, Arzt/Ärztin, DrogistIn, Tierarzt/Tierärztin, ErgotherapeutIn, GeburtshelferIn, TherapeutIn, Facharzt/Fachärztin, Zahnarzt/Zahnärztin, usw.
Betriebswirtschafter und vergleichbare akademische Berufe: 7265 Franken. z. B. LogistikerIn, DisponentIn, Business AnalystIn, LogistikangestellteR, VersicherungsberaterIn, Personalfachkraft, MarketingassistentIn, Finanz-AnalytikerIn, FinanzberaterIn, AnlageberaterIn, BankberaterIn, FinancierIn, usw.
Akademische und vergleichbare Fachkräfte in der Informations- und Kommunikationstechnologie: 9018 Franken. z. B. InformatikerIn, ApplikationsentwicklerIn, System Engineer, SystemingenieurIn, SystemadministratorIn, AnalytikerIn, EDV-IngenieurIn, IT-SpezialistIn, IT-ArchitektIn, AnwendungsprogrammiererIn, usw.
Juristen/innen, Sozialwissenschaftler/innen und Kulturberufe: 8332 Franken.
Ingenieurtechnische und vergleichbare Fachkräfte: 7032 Franken. z. B. TechnikerIn, VorarbeiterIn, HochbauzeichnerIn, LaborantIn, PilotIn, Fluglotse/Fluglotsin, usw.
Assistenzberufe im Gesundheitswesen: 6744 Franken.
Löhne in der Schweiz
Nicht akademische sozialpflegerische, juristische, kulturelle und verwandte Fachkräfte: 6649 Franken.
Informations- und Kommunikationstechniker: 6414 Franken. z. B. OperatorIn, IT-SupporterIn, Webmaster/Webmistress, usw.
Allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte: 6133 Franken. z. B. BüroangestellteR, KaufmännischeR AngestellteR, SekretärIn, AdministrationsassistentIn, usw.
Bürokräfte mit Kundenkontakt: 5302 Franken. z. B. ReceptionistIn, ReiseberaterIn, ReiseverkäuferIn, Reisefachkraft, BankassistentIn, usw.
Materialwirtschaft, Bürokräfte Finanz- und Rechnungswesen und Statistik: 5463 Franken. z. B. LageristIn, LagerangestellteR, Zügelmann/Züglerin, LagerchefIn, BuchhaltungssekretärIn usw.
Sonstige Bürokräfte und verwandte Berufe: 5823 Franken.
Berufe im Bereich personenbezogener Dienstleistungen: 4492 Franken. wie z. B. Koch/Köchin, ServicefachangestellteR, Warte/-frau, HauswartIn, Coiffeur/Coiffeuse, KüchenangestellteR, Kochgehilfe/Kochgehilfin, Küchenbursche/Küchenmädchen, Flight Attendant, HauswirtschaftlicheR AngestellteR, KosmetikerIn, Gouvernante, Steward/Stewardess, usw.
Verkauf: 4680 Franken.
Betreuungsberufe: 5316 Franken.
Schutz- und Sicherheit: 6468 Franken.
Fachkräfte in der Landwirtschaft: 5200 Franken.
Fachkräfte in Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd (Marktproduktion): 5882 Franken.
Bau- und Ausbaufachkräfte sowie verwandte Berufe, (ohne Elektriker): 5849 Franken.
Elektriker und Elektroniker: 5878 Franken.
Metallarbeiter, Mechaniker und verwandte Berufe: 5823 Franken. z. B. MechanikerIn, AutomechanikerIn, PolymechanikerIn, MetallbauerIn, CarrosseriespenglerIn, SchlosserIn, SchweisserIn, MaschinenoperateurIn, WerkzeugmacherIn, HilfsmechanikerIn, MetallschleiferIn, AutomobildiagnostikerIn, Carrossier/ère, usw.
Präzisionshandwerker, Drucker und Kunsthandwerk: 5658 Franken.
Nahrungsmittelverarbeitung, Kleiderherstellung und verwandtes Handwerk: 5248 Franken.
Bedienen stationärer Anlagen und Maschinen: 5555 Franken. z. B. MaschinistIn, MaschinenführerIn, WäschereiangestellteR, PackerIn, MetallarbeiterIn, Weintechnologe/Weintechnologin, usw.
Montageberufe: 5518 Franken.
Fahrzeugführen und bedienen mobiler Anlagen: 5646 Franken. z. B. Chauffeur/-euse, Lastwagenchauffeur/-euse, LokomotivführerIn, Buschauffeur/-euse, KranführerIn, Lieferer/Lieferin, LokomotivführerIn, usw.
Reinigung und Hilfskräfte: 4193 Franken. z. B. RaumpflegerIn, ReinigungsangestellteR, ReinigerIn, ReinigerIn von Wohnungen, Haushalthilfe, Cafeteriagehilfe/Cafeteriagehilfin, usw.
Hilfskräfte in Land-, Forstwirtschaft und Fischerei: 4578 Franken.
Hilfskräfte bei der Herstellung von Waren, im Transportwesen sowie im Bau und Bergbau: 5355 Franken. z. B. ProduktionsmitarbeiterIn, BauarbeiterIn, LagerarbeiterIn, VerpackungsangestellteR, BauhilfsarbeiterIn, VelokurierIn, GeleisemonteurIn, WegmacherIn, usw.
Hilfskräfte in der Nahrungsmittelzubereitung: 4121 Franken.
Abfallentsorgung und sonstige Hilfsarbeitskräfte: 5316 Franken. z. B. PaketträgerIn, KurierIn, Auslieferer/Auslieferin für Mahlzeitendienst, KinoangestellteR, GarderobenmeisterIn, KurierIn, KehrichtabfuhrarbeiterIn, usw.
Geschäftsführer/innen und leitende Staatsangestellte: 10'541 Franken.
Kaufmännische Führungskräfte: 9989 Franken.
Führungskräfte in Produktion und spezialisierten Dienstleistungen: 9170 Franken.
Führungskräfte in Handel und Gastgewerbe: 5199 Franken.

Der monatliche Brutto-Medianlohn für Lehrerinnen und Lehrer beträgt 9315 Franken. Umfasst Lehrkräfte von Vorschulbereich bis Universität sowie sonstige Lehrer. Medianlohn: Für die eine Hälfte liegt der Lohn über, für die andere Hälfte dagegen unter dem Zentralwert (Median). Quelle: Bundesamt für Statistik (2018)

Keystone

Mitarbeit: Niklaus Vontobel