Bekommt Deutschland die auf dem Papier drittgrösste Bank Europas mit 38 Millionen Kunden? Die Folgen einer Mega-Fusion wären erheblich. Experten rechnen mit einem Abbau von 30'000 bis 40'000 Stellen, zudem drohten erhebliche Einschnitte ins Filialnetz. Die Idee einer Fusion ist nicht neu und soll Deutschland eine starke Bank verpassen, die auch international mithalten kann. Denn vor allem die Deutsche Bank ist keinesfalls jener «nationale Champion», den sich Finanzminister Olaf Scholz fürs deutsche Finanzwesen wünscht. Vor allem der Sozialdemokrat und dessen Staatssekretär Jörg Kukies – ein ehemaliger Investmentbanker – sollen daher das Zusammengehen der beiden Finanzhäuser forcieren. Die deutsche Volkswirtschaft soll künftig über eine eigene, starke und global wettbewerbsfähige Grossbank verfügen.

«Kernproblematik nicht lösen»

Experten und Gewerkschaften kommentieren die Fusionspläne mit Skepsis. Auch Dieter Hein, Analyst beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch in Frankfurt, sagt gegenüber unserer Zeitung: «Eine solche Fusion würde die Kernproblematik nicht lösen – weder der Banken noch der Politik. Im Gegenteil, die Risiken würden steigen.»

Risiken etwa für die Steuerzahler, sagt auch Banken-Experte Jan Krahnen gegenüber der «Bild»-Zeitung: «Die ganze Regulierung nach der Bankenkrise 2008 sollte ja verhindern, dass der Zusammenbruch einzelner Institutionen eine Volkswirtschaft ins Wanken bringen könnte. Aber diese Fusion würde dem entgegenlaufen. Volkswirtschaftlich wäre das gefährlich.»

Hein verweist darauf, dass die Deutsche Bank seit 2015 drei Jahre hintereinander Verluste ausgewiesen hat und auch 2018 nur einen kleinen Gewinn schreiben konnte. «Sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank agieren in wirtschaftlich guten Zeiten wie jetzt nicht profitabel», so Hein. Beide Bankhäuser würden bei einem wirtschaftlichen Abschwung in Schwierigkeiten geraten, so der Analyst weiter. Der Bundesfinanzminister erhoffe sich daher durch eine Fusion der beiden Banken ein stabileres Finanzinstitut, das auch wirtschaftlich turbulenten Zeiten standhalte. Doch um stabiler zu agieren, müsse die Deutsche Bank erst ihre Strategie ändern. «Die deutsche Bank krankt seit vielen Jahren an ihrem beharrlichen Festhalten an dem extrem teuren, nicht profitablen und riskanten Investmentbanking.» Dieses habe vor allem der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, zu verantworten, ein ehemaliger Investmentbanker, im Zuge dessen Wirken seit 2012 sich die Deutsche Bank ein angelsächsisches Modell verpasst habe. «Solange diese Strategie nicht geändert wird, wird sich an der Geschäftslage der Deutschen Bank auch nichts ändern. Achleitner ist der völlig falsche Mann auf dem Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden bei der Deutschen Bank.»

Fusion für Hein der falsche Weg

Hein vermutet, dass die Deutsche Bank von sich aus gar kein Interesse an einer Fusion mit der Commerzbank hätte. «Die Deutsche Bank will eine globale Investmentbank bleiben. Daher hat die Commerzbank nichts, was die Deutsche Bank dringend braucht.» Für den Analysten ist klar: Geriete eine solche fusionierte Grossbank in eine existenzgefährdende Schieflage, «käme der Staat nicht darum herum, das Finanzinstitut mit Steuergeldern zu retten.» Die Pleite einer Mega-Bank könne sich kein Land der Welt leisten. «Eine Fusion dieser beiden Banken halte ich grundsätzlich für nicht richtig», sagt er.

Ob die beiden Finanzhäuser künftig tatsächlich zusammengehen, wird sich in einigen Wochen zeigen. «Es gibt keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion kommt», teilte die Deutsche Bank schriftlich mit. Auch die Commerzbank schreibt von ergebnisoffenen Gesprächen «über einen eventuellen Zusammenschluss».