Seit zwei Monaten wird spekuliert: Was macht der Iqbal Khan, der bis Anfang Juli Spitzenmanager bei der Credit Suisse war? Nun ist es klar. Der 43-jährige Schweizer wird Anfang Oktober Co-Chef der UBS-Sparte Global Wealth Management. Dort zeichnet Khan für das weltweite Geschäft verantwortlich – mit Ausnahme der USA. Khan teilt sich den Job mit dem Amerikaner Tom Naratil.

Es handelt sich um das Flaggschiff der Bank. Mit Kundenvermögen von rund 1200 Milliarden Franken geniesst Khans Abteilung den Ruf als weltweit grösste Privatbank. Die rund 10 000 Mitarbeiter generieren in der Regel mehr als die Hälfte und in guten Zeiten sogar bis zu zwei Drittel des gesamten Gewinns.

Kein Wunder also hat der Chef dieser Division immer auch den Nimbus als Kronprinzen für die Position des Konzernchefs. Das ist bei Iqbal Khan nicht anders, wie der amtierende UBS-Chef Sergio Ermotti der NZZ sagte: «Ich glaube, wir haben mindestens drei gute interne Kandidaten, und wenn jemand das Kerngeschäft als Co-Chef führt, liegt es auf der Hand, dass diese Person auch das Potenzial haben sollte.»

Das Topmanager-Karussell dreht schnell

Allerdings: Seit der Tessiner im Herbst 2011 die Führung der UBS von Oswald Grübel übernommen hat, ist das Vermögensverwaltungsgeschäft kein Karrieresprungbrett mehr. Im Dezember 2017 hatte sich der Berner Jürg Zeltner als heissester Kandidat für den Top-Job überraschend verabschiedet. Die Gründe für den unerwarteten Rücktritt wurden nie vollends bekannt. Es gab Spekulationen, dass der Manager seine Ambitionen auf den Chefposten Ermottis allzu deutlich zum Ausdruck gebracht habe und von diesem deshalb hinausbefördert wurde.

Mit dem deutschen Martin Blessing ersetzte Ermotti seinen wichtigsten Manager durch eine Person, die im Kerngeschäft der UBS über wenig Erfahrung besass. Er leitete früher die deutsche Commerzbank und wechselte 2016 als Chef des Schweizer Geschäfts zur UBS. Blessing blieb der Erfolg in der neuen Position jedoch versagt. Das Geschäft stagnierte in der Tendenz, was viele Aktionäre enttäuschte. Jetzt verlässt Blessing die Bank bereits nach drei Jahren in unbekannter Richtung. Von seinem Nachfolger Khan erwartet Ermotti, dass er helfen wird, «das Wachstum und die Profitabilität von UBS nachhaltig zu steigern.»

Diese Hoffnung gründet auf Khans Leistungen, die ihn in den rund sechs Jahren bei der Credit Suisse zunächst vom Finanzchef zum Chef der internationalen Vermögensverwaltungsdivision führte. Auch Khan soll allzu offensiv sein Interesse an einer Nachfolge von Konzernchef Tidjane Thiam angemeldet und sich mit diesem überworfen haben. Jedenfalls war auch Khan, ähnlich wie Zeltner, Anfang Juli völlig überraschend bei der UBS-Konkurrentin ausgeschieden.

Khan ist nicht der einzige Kandidat

Der Rücktritt provozierte sofort Spekulationen, dass Khan bei UBS den Chefposten übernehmen könnte. Dies, nachdem UBS-Präsident Axel Weber im Februar in einem Interview aus heiterem Himmel die Diskussion um Ermottis Nachfolge lancierte – und diesen damit vor den Kopf gestossen hatte. Seither geht die Rede, dass zwischen Ermotti und Weber ein Machtkampf tobt.

Khan ist nicht der einzige Kandidat, den Ermotti für seine Nachfolge ins Spiel gebracht hat. Zum Favoritenkreis zählt die 52-jährige deutsch-schweizerische Doppelbürgerin Sabine Keller-Busse. Die 52-jährige Betriebswirtschafterin ist operative Chefin und übernimmt zusätzlich die Verantwortung für das Geschäft in Europa, im Nahen Osten und in Afrika. Sie beerbt den 57-jährigen deutschen Ulrich Körner, der die Bank nach fünf Jahren ebenfalls in unbekannter Richtung verlassen wird. Seine Hauptaufgabe als Chef des UBS-Fondsgeschäftes übernimmt die Amerikanerin Suni Harford. Sie ist seit 2017 bei der Bank.