Kaiseraugst

Roche erstellt Fabrik für 300 Millionen und baut im Ausland ab

Roche kann vier Produktionsstandorte ausserhalb der Schweiz nicht mehr auslasten. Nun sucht das Unternehmen Käufer für diese Fabriken (Symbolbild).

Roche kann vier Produktionsstandorte ausserhalb der Schweiz nicht mehr auslasten. Nun sucht das Unternehmen Käufer für diese Fabriken (Symbolbild).

Die Pharmafirma Roche ist in Spendierlaune. Und entgegen der Branchenentwicklungen investiert die Basler Firma nicht im Ausland, sondern in der Schweiz.

Viele Firmen wollen derzeit eher im Ausland investieren. Bei Roche läuft es gerade umgekehrt: Der Pharmakonzern baut im Ausland ab und investiert dafür in der Schweiz, in Kaiseraugst, 300 Millionen Franken.

Dies, nachdem dort vor Jahresfrist eine Investition von rund 410 Millionen initiiert wurde (IT-Infrastruktur, Empfangsgebäude mit Auditorium Tiefgarage) – ganz zu schweigen von der Grossinvestition in den Hauptsitz in Basel. Ab Frühsommer 2017 werden nach und nach 800 Informationstechnologie-Arbeitsplätze von Basel nach Kaiseraugst verlegt.

Gemäss der am Donnerstagabend verbreiteten Medienmitteilung sei das firmeneigene Produktionsnetzwerk für kleine Moleküle schlecht ausgelastet; dies infolge des sich wandelnden Produktportfolios.

Eine neue Generation von spezialisierten Medikamenten erfordere neuartige Produktionstechnologien und werde in geringeren Mengen als herkömmliche Medikamente produziert. Roche plant daher, sich von vier Produktionsstätten in Clarecastle (Irland), Leganés (Spanien), Segrate (Italien) und Florence (USA) zu trennen. Um Arbeitsplatzverluste zu minimieren, sucht Roche nach externen Herstellern, an welche diese Produktionsstätten verkauft werden könnten.

Insgesamt sind 1'200 Arbeitsplätze betroffen. Es handle sich aber nicht um eine gezielte Verlagerung von Arbeitsplätzen in die Schweiz, hiess es bei Roche auf Anfrage. Für diese neue Generation von Medikamenten auf Basis von kleinen Molekülen werde Roche 300 Millionen Franken in eine Produktionsstätte in Kaiseraugst AG investieren, welche zukünftige technologische Anforderungen erfülle.

Diese Investition wird aber gemäss Roche keine zusätzlichen Stellen in Kaiseraugst bringen. «Wir sind uns der Auswirkungen bewusst, die diese Entscheidung auf unsere Mitarbeitenden hat, und wir werden sie während dieses Übergangs mit allen Kräften unterstützen», wird Daniel O’Day, Chief Operating Officer der Division Pharma von Roche, zitiert.

Roche beginne unverzüglich Gespräche mit Arbeitnehmervertretern in den jeweiligen Ländern und führe die Konsultationen in «offener und sozial verantwortlicher Weise». Die Übergangsphase dürfte fünf Jahre dauern.

Milliardenabschreiber nötig

Die Trennung von den Produktionsstätten wird bis 2021 zu Abschreibungen von einer Milliarde Franken führen, dazu kommen Restrukturierungskosten bis zu 600 Millionen in bar. Darunter fallen auch weitere Massnahmen zur Effizienzsteigerung des Produktionsnetzwerkes und der Organisation. Die geschätzten direkten Kosten für 2015 liegen bei maximal 800 Millionen Franken, wobei 2015 nur geringfügige Auswirkungen auf den Geldfluss zu erwarten sind.

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