Anlagestiftung

Salomonische Lösung im Ethos-Knatsch: Nicht nur vakante Mandate so schnell wie möglich neu besetzen

Ethos-Präsident Dominique Biedermann ist unter Beschuss.

Ethos-Präsident Dominique Biedermann ist unter Beschuss.

Die Anlagestiftung Ethos will die nach den Rücktritten und der Kritik von Françoise Bruderer und Monika Roth vakanten Mandate im Ethos-Stiftungsrat respektive dem Verwaltungsrat von Ethos Services so schnell wie möglich neu besetzen. Aber auch die Nachfolge von Präsident Dominique Biedermann soll schneller erfolgen.

Der Rat der Genfer Anlagestiftung Ethos hat auf die Protestrücktritte der beiden prominenten Mitglieder François Bruderer und Monika Roth eine scheinbar salomonische Antwort gefunden. In einer am späten Dienstagabend verbreiteten und von den beiden Ethos-Vizepräsidenten Hanspeter Uster und Philippe Doffey gezeichneten Mitteilung bekräftigen die Räte ihr «vollstes Vertrauen» in den unter Beschuss geratenen Präsidenten und Mitbegründer der Stiftung, Dominique Biedermann. Gleichzeitig wird aber auch versprochen, die schon vor dem Eklat einstimmig beschlossene Selbstevaluation der beiden von Dominique Biedermann präsidierten Ethos-Räte Anfang nächsten Jahres zu beschleunigen.

Damit nehmen die Ethos-Aufsichtsgremien einen zentralen Kritikpunkt auf, der im Zusammenhang mit den aufsehenerregenden Rücktritten von Bruderer und Roth laut geworden war. Bruderer, die als Leiterin der Pensionskasse Post eine der grössten Ethos-Kunden repräsentiert, hatte Biedermann an der entscheidenden Stiftungsratssitzung von vergangener Woche aufgefordert, im Frühjahr den Präsidentenstuhl freiwillig zu räumen. Dies, nachdem der Genfer die Planung der eigenen Nachfolge auf die lange Bank geschoben habe, seit er vor zwei Jahren vom Direktor in die Präsidentenfunktion hinübergewechselt war. Biedermann will sich selber zwar nie als blossen Übergangspräsidenten gesehen haben.

Doch offensichtlich, haben seine Ratskollegen die Dringlichkeit einer ernsthaften Nachfolgeplanung erkannt. Die Selbstevaluation habe das Ziel, die Nachfolgeregelung im Verwaltungsrat zu gewährleisten, heisst es. Uster wollte sich auf Anfrage weder zum alten noch zum neuen Zeitplan äussern. Die Notwendigkeit einer Beschleunigung begründete er mit der hohen Wichtigkeit des Themas.

Zurückgewiesen wird indessen Bruderers Vorwurf, Biedermann habe sich «schwere und wiederholte Verstösse gegen die Corporate Governance» zuschulden kommen lassen. Der Vorwurf zielt neben der Nachfolgeplanung auch auf die Konstellation, dass Biedermanns Ehefrau seit 17 Jahren eine Schlüsselrolle in der Geschäftsleitung spielt, was mögliche Interessenskonflikte impliziert. Die Ethos Stiftung schreibt, sie sei «sowohl über die Form als auch über den Inhalt dieser Äusserungen sehr erstaunt».

Grosse Bedeutung seit 2013

Mit 220 angeschlossenen Pensionskassen ist Ethos die mit Abstand grösste und wichtigste Stimmrechtsberaterin der Schweiz. Die Organisation hat 2013 eine zusätzliche Bedeutung erlangt, als sich das Schweizer Stimmvolk für die «Abzocker»-Initiative zur Stärkung der Aktionärsrechte und damit auch für den Stimmzwang der Schweizer Pensionskasssen auf Generalversammlungen von Schweizer Firmen ausgesprochen hatte.

Der seinerzeitige Hauptinitiator und aktuelle Schaffhauser Ständerat Thomas Minder und sein Initiativkomitee halten hohe Stücke auf die Stiftung: «Ethos ist für uns Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit und Corporate Governance. Ihre Stimmrechte und ihre Empfehlungen sind für uns wichtig. Wir verfolgen ihre Positionen sehr genau.» Eine Wertung der aktuellen Vorgänge in Genf wollte Minder auf Anfrage zwar nicht vornehmen, aber aus seinen Worten wird dennoch klar, dass Ethos spätestens seit dem damaligen Plebiszit weit mehr ist als die Angelegenheit einer Stiftung und ihrer direkten Anspruchsgruppen.

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