Frauen in Exekutivpositionen von Schweizer Konzernen sind eine seltene Erscheinung. Rebecca Guntern Flückiger, Chefin von Sandoz Schweiz, Österreich und Belgien, setzt sich bei Sandoz und als Vize-Präsidentin der Organisation «Advance Women in Business» für mehr Frauen in Führungspositionen ein.

«Diversität muss Chefsache sein», sagt die Walliserin. Wichtig sei neben modernen Arbeitsmodellen und Mentoringprogrammen auch eine stete Überwachung der Fortschritte. Zwar sei der Frauenanteil in der Pharmabranche hoch, doch je weiter oben, desto dünner sei er auch hier. Mehr Frauen in mittlere Kaderfunktionen zu bringen, sei eine Aufgabe für die gesamte Schweizer Wirtschaft.

Eine Frauenquote für die Chefetagen finde sie zwar sehr polarisierend, weil sie in die unternehmerische Freiheit eingreife. Aber das vom Bundesrat vorübergehendvorgesehene Quotenziel sei eine gute Anschublösung. Doch würden damit strukturelle Probleme wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht gelöst.

Ihren eigenen Aufstieg erklärt sie mit Neugierde und Durchhaltewillen, aber auch mit ihren Werten. Zu Hause in Brig – ihr Vater war Jurist und der erste Preisüberwacher der Schweiz – wurden Ehrlichkeit und Bescheidenheit hochgehalten. Dass sie sehr gerne Verantwortung übernehme und selber gestalte, habe sie früh als Leiterin im Blauring gemerkt.

Gleich mehrere Jobangebote

Schon während des Pharmaziestudiums plante sie, in der Pharmabranche zu arbeiten. Nach ihrem Einstieg bei Roche und der amerikanischen Merck wurde sie 2007 bei Sandoz Verkaufschefin. «Ich merkte, dass meine Werte, mit jenen der Firmenkultur übereinstimmten. Ein solches Umfeld beflügelt zu Leistungen, dazu jeden Tag sein Bestes zu geben – eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere.»

Im Alter von 35 Jahren wurde sie Geschäftsleiterin von Sandoz Schweiz. Dass sie sich heute für die Sache der Frau exponiert, hat wohl auch mit ihrer langjährigen Führungserfahrung zu tun und mit Gelassenheit.

Zwar sagt sie, niemand steige nahtlos auf, sonst habe er zu wenig gelernt. Dennoch hat sie eine mögliche Bruchstelle in ihrer Karriere nahtlos überwunden. Nach der Leitung des Schweiz-Geschäfts führte sie die Region Spanien und Zypern von Madrid aus. Doch dann erwartete sie ein Kind. Sie wollte nicht ohne Familiennetz in Spanien bleiben. Rund eine Woche nach der Geburt machte ihr Chef ihr drei Angebote für Führungspositionen.
«Diese klare Botschaft, dass er mich zurückwollte, war für mich sehr wichtig. Es öffnete mir eine Perspektive und entsprach meinem Interesse, weiter eine Führungsfunktion auszuüben», sagt Guntern. Sie entschied sich für eine Führungsposition für die Region Westeuropa, Mittlerer Osten und Afrika.

Netzwerken sollte Priorität haben

Ihr Sohn besucht inzwischen den Kindergarten. Eine frühe Abstimmung der Familien- und Karrierepläne mit dem Partner sei essenziell. Dies empfiehlt sie auch jungen Frauen, die Karriere und Familie unter einen Hut bringen wollen. «Die Organisation ist angesichts der Schweizer Schulstrukturen herausfordernd», sagt sie.

Rückblickend würde sie in ihrer Berufslaufbahn etwas anders machen: Sie habe sich zu wenig Zeit genommen zum Netzwerken – das sei das Erste gewesen, das sie von ihrer Prioritätenliste gestrichen habe. Dabei zahle es sich aus, bewusst Zeit dafür zu investieren.