Umwelt

SBB wollen Unkraut künftig mit heissem Wasser bekämpfen – und mit mobilen Robotern

SBB will ab 2025 kein Glyphosat mehr einsetzen

Projektleiter Lukas Tanner erklärt im Video-Interview, wie die Heisswasser-Methode funktioniert.

Die SBB will ab 2025 auf das bisher zur Unkrautbekämpfung eingesetzte Herbizid Glyphosat verzichten. Derzeit werden Alternativen geprüft. Eine davon ist der Einsatz von Heisswasser.

Metallgrau, 200 Tonnen schwer, ausgestattet mit 116 Düsen: Die SBB haben eine neue Waffe im Kampf gegen Unkraut. Gestern stellten die Bundesbahnen ihr Heisswasser-Spritzfahrzeug vor, ein Koloss, der künftig wuchernde Pflanzen vernichten soll. Das Prinzip ist simpel: Der Spritzwagen erkennt während der Fahrt Unkraut und lässt gezielt 95 Grad heisses Wasser auf die Pflanzen regnen. Dieses dringt bis in die Wurzeln ein und zerstört das Unkraut. Eine Million Franken wurde in das Pilotprojekt gesteckt.

Für eine sichere Fahrt müssen die SBB die Vegetation auf über 7600 Streckenkilometer regulieren, denn Pflanzen können die Stabilität der Gleise gefährden. Zum Schutz gab es bisher nur ein Mittel: Glyphosat. Zwei Tonnen des Herbizids setzen die SBB bisher jedes Jahr ein, um Unkraut in Gleisnähe zu vernichten. Doch der Wirkstoff ist hochumstritten: Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Roboter mähen die Strecke

Die SBB suchen nicht ganz freiwillig nach einer Alternative. Wie lange Glyphosat noch eingesetzt werden darf, ist unklar. Bereits 2017 haben die EU-Staaten die Zulassung des Herbizids erst nach langem Streit um fünf Jahre verlängert. Bis 2022 soll der Einsatz schrittweise verboten werden. Auch in der Schweiz wurde über ein Verbot diskutiert, der Bundesrat lehnte jedoch ab. Doch der Druck steigt – auch aus der Bevölkerung. Die eidgenössische Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» fordert ein umfassendes Verbot von chemischen Pflanzenvernichtungsmitteln.

Andere sind schon weiter als die SBB: Der Kanton Appenzell Innerrhoden verzichtet seit 2018 im Strassenunterhalt auf Chemie in der Bekämpfung von Unkraut. Hier kommt bereits Wasserdampf statt Gift zum Einsatz.

Die SBB wollen bis spätestens 2025 ganz ohne Glyphosat auskommen. Seit einem Jahr suchen die Bundesbahnen deshalb Alternativen, denn das Heisswasser-Spritzfahrzeug ist nur eine Option, wenn auch eine weit gediehene. Weitere Verfahren werden vorangetrieben. Erstens sollen Roboter autonom den Gleisen entlang mähen. Doch die Technik ist noch nicht ausgereift. Eine andere Lösung sieht Hochspannung vor: Wechselstrom, der durch die Pflanzen geleitet wird, kann Unkraut vernichten. Und drittens diskutieren die SBB über eine komplett ökologische Variante, den «grünen Teppich»: Die Bundesbahnen wollen gezielt eine Pflanzenmischung säen, die einerseits nicht schädlich ist, andererseits aber weiteres Unkraut verhindert und Kleintiere schützt. Das ist beim Heisswasser anders, es vernichtet Käfer und Echsen.

Welche der Varianten künftig zum Einsatz kommen, hängt dennoch vom Pilotprojekt mit dem Spritzfahrzeug ab. Gunter Adolph, Gesamtprojektleiter, ist zuversichtlich: «Schon unsere Omas wussten, dass man mit Nudelwasser Pflanzen am Randstein abtöten kann.» Künftig soll es auf einer Strecke von 7600 Kilometern funktionieren.

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