Elf Milliarden Franken: So viel Geld dürften Herr und Frau Schweizer im laufenden Jahr für Einkäufe im Ausland ausgeben. Davon fliessen 1,5 Milliarden allein in Geschäfte in den südbadischen Landkreisen Lörrach, Waldshut und Konstanz – ohne Berücksichtigung von Apotheken, Autohandel, Tankstellen. Der Handelsverband Südbaden schätzt, dass Schweizer Einkäufer damit allein in dieser Gegend 11 500 Arbeitsplätze sichern.

Die Zahlen stammen aus den Medienunterlagen zur Herbstpressekonferenz des Verbandes. Eine Grafik zeigt, dass der Umsatz mit Schweizer Kunden im Vergleich zu 2014 in 63 Prozent der Geschäfte gestiegen und in weiteren 33 Prozent immerhin gleich geblieben ist.

Handlsverband Südbaden

 

Peak ein kurzfristiger Effekt

Dabei habe die Aufgabe des Mindestkurses von Fr. 1.20 für einen Euro durch die Nationalbank vom 15. Januar «einen deutlichen Ausschlag der Umsatzkurve in den Monaten Januar und Februar bewirkt». Im Gespräch mit der «Nordwestschweiz» allerdings relativiert Olaf Kather, Geschäftsführer des Handelsverbands Südbaden: «Der Peak war ein kurzfristiger Effekt und die Lage hat sich jetzt schon wieder normalisiert.» 

So verweist der Verband darauf, dass sich die Währungsrelation weg von der Parität zu einem Kurs von Fr. 1.09 entwickelt habe. Gleichzeitig beginnen mit sinkendem Bruttoinlandprodukt und zurückgehenden Exporten Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft, was auch Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit habe. Fazit: «Arbeitsplatzverlust verunsichert die Kaufneigung.»

Ferner sind die südbadischen Detailhändler überzeugt, dass «der Schweizer Handel immer stärker die Währungsvorteile in Form von Preisreduzierungen weitergibt, um dem Einkaufstourismus nach Deutschland zu begegnen.» Olaf Kather verweist darauf, dass es sich bei den Schweizer Einkäufen zu einem «hohen Anteil um Artikel kurzfristigen Bedarfs» handle.

Derzeit diskutiert die Politik in Deutschland darüber, die Mehrwertsteuer erst ab Beträgen von über 50 oder aber von 100 Euro an die Schweizer Kundschaft zurückzuerstatten. Dies würde bedeuten, dass man bei Einkäufen unter diesen Beträgen die Mehrwertsteuer, die von vielen Geschäften auch zur Kundenbindung eingesetzt wird, nicht mehr zurückerhält.

Der Handelsverband wehrt sich gegen derlei Pläne – mit dem Argument, dass eine solche Massnahme mehrheitlich die kleinen Geschäfte in Südbaden treffen würde. Olaf Kather fürchtet sich auch davor, dass die jetzige Regelung «Schweizer Kunden mit kleinerem Geldbeutel» abschrecken könnte.

Abstempelvorgänge einsparen

Anstatt auf eine Bagatellgrenze setzen die Baden-Württemberger Unternehmer darum auf ein digitales System, wodurch 60 bis 70 Prozent der Abstempelvorgänge eingespart würden. Mitte 2016 soll es, nach einer Ausschreibung für die technische Umsetzung im Herbst, eine erste Pilotphase geben.