Kleiderhandel
Schweizer Modehändler Chicorée verzeichnete 2020 grosse Einbussen – doch nicht überall lief es schlecht

Um 15 Prozent sank der Umsatz beim Kleiderhändler im Coronajahr. Doch wären die Schliessungen während des Lockdowns nicht gewesen, hätte er sogar zugelegt. Damit ist Chicorée eine Ausnahme.

Stefan Ehrbar
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Der Kleiderhändler Chicorée hat 2020 deutlich weniger Umsatz gemacht (im Bild: Filiale im Emmen-Center).

Der Kleiderhändler Chicorée hat 2020 deutlich weniger Umsatz gemacht (im Bild: Filiale im Emmen-Center).

Nadia Schärli

Die Schweizer Modehauskette Chicorée blickt auf ein durchzogenes Jahr zurück. Die Gruppe hat 2020 einen Umsatz von 135 Millionen Franken verzeichnet – ein Minus von 15 Prozent gegenüber 2019. Das sei auf die schweizweit verordneten Filialschliessungen im Frühling während des Lockdowns zurückzuführen, heisst es in einer Mitteilung.

Die schwierige Marktsituation habe vor allem im stationären Handel das Ergebnis stark negativ beeinflusst. «Die Filalschliessungen waren ein unvorhersehbares und einschneidendes Ereignis», wird Verwaltungsratspräsident Jörg Weber zitiert. Gelitten hätten vor allem Filialen in Bahnhöfen und an hochfrequentierten Lagen in den Innenstädten. Dort seien die Umsatzeinbussen «massiv» gewesen, während ländliche Standorte «verhältnismässig gut» abgeschnitten hätten.

Chicorée lanciert das Online-Geschäft

«Ausserhalb der Filialschliessungen konnten wir den starken Vorjahresumsatz weiter steigern», so Weber. Er sei zuversichtlich, dass im Frühling die Normalität im Detailhandel zurückkehren werde. Im März eröffnet der Zürcher Modehändler einen Flagshipstore im Einkaufszentrum Mall of Switzerland im luzernischen Ebikon. Insgesamt seien 5 bis 10 weitere Standorte geplant.

Ende 2020 zählte Chicorée 167 Standorte und über 800 Mitarbeiter. Firmengründer Jörg Weber hat die Geschäftsführung per Anfang Dezember an den neuen Firmenchef Thomas Ullmann übergeben, seine Söhne Pascal Weber und Mathias Weber amtieren neu als Co-Chefs. Dieses Jahr will die Modehauskette den Schritt in den Onlinehandel wagen und neue Services lancieren, etwa das Abholen von im Internet gekauften Produkten in Filialen.

Tally Weijl und H&M bauen ab

Der Lockdown im Frühling und die damit verbundene Schliessung von Kleiderläden hat die Branche hart getroffen. Die Schweizer Modekette Tally Weijl hat in der Folge etwa angekündigt, bis Ende dieses Jahres 200 Läden zu schliessen und fast ein Drittel der Arbeitsplätze abzubauen.

Auch der hiesige Marktführer, die schwedische Kette H&M, hat im Oktober mitgeteilt, sie wolle ihr Filialnetz um 250 Standorte ausdünnen. Ob davon auch Standorte in der Schweiz betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Der Modehandel schrumpfte bereits vor Corona seit Jahren kontinuierlich. Zwischen 2011 und 2019 sanken die Umsätze im Schweizer Fashionmarkt von 10,7 Milliarden Franken auf 8,2 Milliarden Franken.

Am meisten Umsatz generierten in der Schweiz im Jahr 2019 die Modehändler H&M mit knapp 550 Millionen Franken, C&A mit 441 Millionen Franken und die Inditex-Gruppe (Zara, Massimo Dutti) mit 230 Millionen Franken. Auf den Plätzen vier, fünf und sechs folgten laut der «Bilanz» die Brunschwig Holding (Max Mara, Bongénie Grieder), PKZ und Chicorée.