Am 19. Mai stimmt die Schweizer Bevölkerung noch einmal über die grösste Unternehmenssteuerreform der vergangenen Jahrzehnte ab. Vorfreude auf den Urnengang ist fast nirgendwo im Land auszumachen. Das alte System war für die Schweiz entschieden bequemer – und einträglicher. Die von vielen Kantonen seit langer Zeit praktizierte steuerliche Privilegierung von Holdinggesellschaften machte die Schweiz zu einem Steuerparadies für internationale Konzerne. Inzwischen steht das Konstrukt quer zum internationalen Wettbewerbsrecht und hat nicht nur in der EU die Akzeptanz verloren.

Steuerregimes bereits angepasst

Sollte die Reform nach dem Nein vor zwei Jahren beim Stimmvolk nochmals durchfallen, müsste die Schweiz mit scharfen Gegenmassnahmen anderer Länder rechnen, sagte Steuerrechtsexperte Peter Uebelhart anlässlich der Präsentation des Swiss Tax Report des Wirtschaftsprüfers KPMG. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung haben die ersten Kantone ihre Steuerregimes bereits auf ein international verträgliches System umgebaut. Dabei haben sie die Privilegien mindestens teilweise durch Methoden ersetzt, wie sie auch in anderen Ländern angewandt werden.

Zu den Vorreitern gehört der Kanton Basel-Stadt, der das Steuersubstrat seiner Pharmakonzerne über die Einführung einer sogenannten Patent-Box schützt. In der Patent-Box können Lizenzeinnahmen aus Patenten weiterhin steuerlich privilegiert behandelt werden. Im Gegenzug hat der Kanton den ordentlichen Gewinnsteuersatz für Unternehmen von 22 Prozent auf 13 Prozent gesenkt. Auch der Kanton Waadt, Standort zahlreicher internationaler Handelsfirmen, hat bereits eine Steuersenkung von 21 Prozent auf 14 Prozent beschlossen. Die Waadtländer können darauf zählen, für die Steuerausfälle vom Bund entschädigt zu werden. Dieser ist der Hauptnutzniesser der Steuerreform, denn während die Holdings in den Kantonen in der Vergangenheit nur sehr wenig zur Kasse gebeten wurden, mussten sie dem Bund stets die ungekürzten 8,5 Prozent an direkten Gewinnsteuern abliefern.

Differenz wird viel kleiner

Die nun erneut anstehende Reform wird noch viel mehr Bewegung in die Steuerlandschaft bringen. KPMG sagt erhebliche Verschiebungen in der Rangliste voraus. In den Top 10 der steuergünstigsten Kantone verbleiben fünf Kantone der Zentralschweiz mit Nidwalden an der Spitze. Der Kanton Solothurn rückt auf den neunten Rang vor und macht gegenüber heute zehn Plätze gut.

Ans Ende der Rangliste fällt der Aargau, der neun Positionen verliert. Zürich fällt auf den zweitletzten Rang zurück. Allerdings schliesst sich die Schere zwischen den Steuersätzen. Während die Differenz zwischen dem tiefsten (Luzern) und dem höchsten Steuersatz (Genf) heute 12 Prozentpunkte beträgt, werden sich die Sätze in Zukunft nur noch zwischen 12 Prozent und 14 Prozent bewegen.