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Sparplan enthüllt: UBS schliesst 40 Filialen – schon wieder Knall auf dem Finanzplatz Schweiz

UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann (l.) kürzt das Filialnetz, der neue UBS-Konzernchef Ralph Hamers hat den Abbau abgenickt.

UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann (l.) kürzt das Filialnetz, der neue UBS-Konzernchef Ralph Hamers hat den Abbau abgenickt.

Recherchen von CH Media zeigen: Mitten in der Coronakrise plant die UBS happige Sparmassnahmen. Am Dienstag will die Grossbank bekanntgeben, dass sie jede sechste Filiale in der Schweiz schliesst. Hat der neue Konzernchef Ralph Hamers zugeschlagen? Die Sache ist komplizierter.

Rund 240 Niederlassungen unterhält die grösste Schweizer Bank zurzeit im ganzen Land. Nun gibt es eine neue Zielgrösse: 200 Filialen sollen es künftig noch sein. Vor allem Klein- und Kleinstfilialen stehen auf der Schliessungsliste der Grossbank, wie Recherchen von CH Media zeigen. Dort, wo schlechte Frequenzen herrschen, sollen die Kundinnen und Kunden künftig nur noch auf digitalem Weg bedient werden - oder in der nächstgrösseren physischen Filiale.

Dieses Vorhaben, so die aktuelle Planung der UBS, soll am Dienstag kommuniziert werden, zusammen mit weiteren Sparmassnahmen. Eine Stellungnahme der Bank war dazu bislang nicht zu erhalten.

Hamers neu an der UBS-Spitze

Interessant sind die Hintergründe. Man könnte vermuten, dies sei nun der erste «Hamers-Schlag», den viele erwarten, also die erste einschneidende Sparmassnahme des neuen CEO Ralph Hamers, der den Chefposten von Sergio Ermotti am 1. November 2020 übernommen hat.

Falsch!, sagen gut informierte interne Quellen. Der Filialnetz-Abbau sei schon vor Hamers Antritt angedacht gewesen und trage die Handschrift von UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann. Dieser gibt sein Amt in zwei Wochen ab, Nachfolgerin wird Sabine Keller-Busse, die erste Frau in dieser Funktion. Lehmann könne sich so noch mit einem Plan verabschieden, der jene Kritiker Lügen strafe, die Lehmann Untätigkeit und mangelnden Sparwillen vorwerfen würden.

Allerdings: Der neue UBS-Konzernchef Hamers hat den Abbau natürlich bewilligt und auch noch justiert. Er wurde zur UBS geholt, weil er bei der niederländischen ING Group genau das tat, was auch der UBS bevorsteht: Er hat physische Kanäle abgebaut, die Bank digitalisiert und neue Dienstleistungen per Smartphone eingeführt.

Bei ING hatte Hamers radikal durchgegriffen. Die vorläufige Zurückhaltung bei der UBS könnte, so vermutet ein Insider, mit einem Strafverfahren zusammenhängen, das Hamers seit kurzem in den Niederlanden am Hals hat. Es geht um Geldwäscherei. Das hat Hamers in der UBS geschwächt; in dieser Situation könne er sich zurzeit nicht auch noch auf dem Platz Zürich angreifbar machen, hört man von der Bahnhofstrasse. Eine andere Quelle sagt, das Verfahren spiele diesbezüglich keine Rolle. Hamers Position sei unvermindert stark.

Bei der CS geht sogar jede vierte Filiale verloren

Die Hiobsbotschaft der UBS kommt nur fünf Monate nachdem schon die Credit Suisse angekündigt hatte, die Axt an ihr Filialnetz zu legen. Zeitgleich mit der Ankündigung, die Neue Aargauer Bank (NAB) vollständig in den Konzern zu integrieren, hatte die Credit Suisse im August die Schliessung jeder vierten Filiale in der Schweiz bekannt gegeben.

Von den zuvor 146 Filialen bleiben nach der Restrukturierung noch deren 109 übrig. Der grösste Teil der von der Schliessung betroffenen Filialen befindet sich im Kanton Aargau. Die Credit Suisse verspricht sich aus der Integration der NAB und der Schliessung der Filialen jährliche Einsparungen von 100 Millionen Franken. Der Restrukturierung fallen bis zu 500 Stellen zum Opfer - ein erheblicher Teil in den Filialen.

Valiant tut das Gegenteil und expandiert im Raum Zürich

Die personellen und finanziellen Folgen der Filialschliessungen der UBS dürften sich in einer ähnlichen Grössenordnung bewegen. Allerdings will die UBS gemäss Insider-Informationen auf Entlassungen verzichten, dies auch mit Blick auf die Coronasituation.

Insgesamt sind auf dem Schweizer Finanzplatz seit 2008 gut 500 von knapp 3000 Filialen geschlossen worden. 2019 teilten sich im Durchschnitt 3500 Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz eine Bankfiliale. In Deutschland ist die Dichte mit einer Filiale pro 3200 Einwohner sogar noch etwas grösser.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass auch in Deutschland ein grosses Filialsterben im Gang ist. Allerdings versprechen sich einige Banken im aktuellen Abbauklima auch Chancen. So hat die auf ländliche Regionen ausgerichtete Schweizer Bankengruppe Valiant vor noch nicht allzu langer Zeit eine Strategie zur Expansion in den Grossraum Zürich angekündigt. Die Bank will ihr Filialnetz bis 2024 um 14 auf 108 Einheiten erhöhen.

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