Das Regionaljournal Bern war zuerst. Minuten bevor der SRG-Verwaltungsrat seinen Entscheid kommuniziert hat, twitterte das Regionaljournal bereits: «Zürich statt Bern: Die Informationssendungen von Radio SRF werden künftig in Zürich produziert.»
Kaum war die Meldung gestern um 17.30 Uhr in der Welt, wurden vorbereitete Statements verschickt – und breiter Unmut formuliert.

Kanton und Stadt Bern äussern in einer gemeinsamen Mitteilung ihr Unverständnis und klagen: «Die SRG opfert ein Erfolgsmodell.» CVP-Präsident Gerhard Pfister spricht von «Fehlentscheid». Die Grüne Regula Rytz deklamiert: «Die Zentralisierung der SRF-Information in Zürich schwächt die die Medienvielfalt und die regionale Verankerung des Service public in der Schweiz und nicht zuletzt auch die SRG als Ganzes.» Die Gewerkschaft SSM sieht im Entscheid einen Affront: «Der Verwaltungsrat zeigt keine Sensibilität für regionale Vielfalt.»

Wie nach dem Entscheid waren schon im Vorfeld vor allem die Kritiker zu vernehmen. Den SRG-Verwaltungsrat erweichen konnten sie jedoch nicht. Nach zweitägiger Beratung nickte dieser ab, was die Generaldirektion unter Gilles Marchand vorbereitet hatte. Sprecher Edi Estermann sagt, die Diskussion «war lange, intensiv und sehr professionell». Ob es Gegenstimmen gegeben hat, kommuniziere die SRG nicht.

Spareffekt von fünf Millionen

170 Arbeitsplätze sind vom Umzug betroffen. Vorbehältlich des obligatorischen Konsultationsverfahrens mit den Mitarbeitern wird ab 2020 gezügelt. Den Spareffekt beziffert die SRG neu mit fünf Millionen Franken. Begründet wird die Konzentration vor allem mit «Umwälzungen im Audiobereich». Damit einher gehe auch ein Minderbedarf an Fläche um bis zu einem Viertel. Auch in der Romandie werde die Immobiliensituation geprüft; die Hauptstandorte in Genf und Lausanne würden allerdings beibehalten.

Dass die Protestwelle zu keinem Umdenken in der SRG-Führung führen wird, habe sich abgezeichnet, meint ein führendes Mitglied einer Trägerschaft. Die nun beschlossenen Pläne würden intern seit über zwei Jahren diskutiert, doch die Berner hätten zu spät realisiert, was dies für sie heisse. Als sie dann zusammen mit Bundesparlamentariern mobilisierten, standen die Verlustängste im Vordergrund, eigene Konzepte seien nie entwickelt worden. Aber wohl entscheidend: Der Berner Trägerschaft gelang es nicht, eine Solidarisierung anderer Regionen zu erreichen. Selbst zu den Westschweizer Trägerschaften, die föderalen Argumenten zugänglich wären, konnte keine Brücke gebaut werden.

Verpasste Berner Chance

Wie schwach die Position von «Pro Radiostudio Bern» geblieben ist, zeigt sich daran, dass sich die SRG zu keinen Konzessionen gezwungen sah. Obwohl: Das Konzept, dem der SRG-Verwaltungsrat zugestimmt hat, enthält Elemente, die auch als «Zückerchen» hätten präsentiert werden können. So sollen die in der aktualisierten Konzession vorgeschriebenen Zusatzleistungen mit sprachübergreifenden Programmen in Bern entstehen und dürften den Standort als multilinguales Scharnier stärken. Potenzial hat auch ein Technologieprojekt, mit dem Programme à la carte und mit Untertiteln in den Landessprachen angeboten werden. Hätte sich Bern frühzeitig darum gekümmert, wäre es selbst in Reichweite gelegen, den Standort als Kompetenzzentrum Information zu sichern.