Sie sind effizient, wendig – und ausgesprochen höflich. Die Roboter der Firma Starship Technologies, die seit Jahresbeginn auf dem Campus der George Mason University (GMU) in einem Vorort von Washington für die Auslieferung von Mahlzeiten zuständig sind, bedanken sich nach abgeschlossener Transaktion artig. Dann sagen sie dem Kunden «Have a nice day», bevor sie sich auf ihren sechs Rädern wieder aus dem Staub machen.

Mark Kraner jedenfalls ist ­begeistert. Der Mann, der in der GMU-Leitung für die Restaurants und Detailhändler zuständig ist, die auf dem weitläufigen Campus in Fairfax im Bundesstaat Virginia eine Filiale betreiben, sagt: Die Bilanz, die er fünf Monate nach dem Beginn des Testbetriebs ziehe, sei äusserst positiv. «In den Spitzenzeiten ist die Nachfrage derart gross, dass wir Schwierigkeiten haben, sämtliche Bestellungen innerhalb der gewünschten 30 Minuten zu ­erfüllen», obwohl doch mittlerweile bereits 43 Roboter unterwegs seien. Die mehr als 37'000 Studierenden, die in der staatlichen George Mason University eingeschrieben sind, hätten sich derart schnell an das neue Angebot gewöhnt, dass die autonomen Transporter keine Reaktionen mehr auslösten, sagt Kraner.

In Zahlen ausgedrückt: Seit Beginn des Testbetriebs lieferten die Roboter gegen 25000 Bestellungen aus – Kaffee von Starbucks, belegte Brote von Einstein Bros., Bagels oder Burger von Steak ’n Shake.

Gesichter der Kunden werden unkenntlich gemacht

Der GMU-Campus ist eine von acht «Nachbarschaften» in Amerika, in denen die Roboter der Firma Starship Technologies, die 2014 durch die Skype-Erfinder Janus Friis und Ahti Heinla ins Leben gerufen wurde, derzeit unterwegs sind. Weil der Bundesstaat Virginia autonomen Fahrzeugen aufgeschlossen gegenübersteht, ist auch kein menschlicher Aufpasser notwendig, der die Roboter begleiten muss – so wie dies bei der Starship-Kooperation mit der Post der Fall war, die in diversen Schweizer Städten durchgeführt wurde.

Natürlich wird aber auch der Einsatz der GMU-Lieferroboter ständig überwacht. In einem Nebenzimmer des Empfangsgebäudes der Universität sitzen zwei Studenten vor Bildschirmen, um die Roboter im Auge zu behalten und nötigenfalls einzuschreiten, wenn es während der Betriebszeiten (die derzeit aufgrund der Semesterferien ein­geschränkt sind) zu Problemen kommt. Mark Kraner sagt aber, dass dies bisher – «glücklicherweise» – nur selten der Fall war.

Dann erzählt er von einem Studenten, der herausfinden wollte, ob er einen Roboter an der Durchfahrt hindern könne. Der Roboter habe ihn daraufhin, über seinen Lautsprecher, darum gebeten, ihn passieren zu lassen. Der Student allerdings liess nicht locker und blockierte das Fahrzeug, das mittlerweile ferngesteuert wurde, weiter – worauf der Roboter über den Fuss des Studenten fuhr. Diese Episode zeige: «Es zahlt sich nicht aus, einen Roboter zu drangsalieren», sagt Kraner. Detail am Rande: Weil es sich bei Starship um eine europäische Firma handelt, kommt die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union zur Anwendung – so werden die Gesichter der Menschen, die ins Blickfeld der Roboter-Kameras geraten, automatisch unkenntlich gemacht.

Abgewickelt werden die Bestellungen über eine Smartphone-Applikation des Roboter-Herstellers – wobei die Kundin mit Hilfe einer Karte des Campus einen Anlieferort, der sich im Freien befinden muss, festlegen kann. Der Roboter-Hersteller, dessen amerikanischer Sitz sich in Kalifornien befindet, verrechnet den Kunden für jede Lieferung einen Zuschlag von umgerechnet 1.95 Franken. Hinzu kommt eine Umsatzbeteiligung, über deren Höhe sich die involvierten Unternehmen ausschweigen. Eric Bolin, ein Sprecher von Starship Technologies, lehnte es ab, die Fragen dieser Zeitung innerhalb nützlicher Frist zu beantworten.

Deutlich höherer Umsatz für die Restaurants

Mark Kraner ist überzeugt davon, dass dieses Modell grosses Potenzial berge. Er sagt, er werde von Vertretern anderer Universitäten regelmässig auf die Roboter angesprochen und wende deshalb mittlerweile viel Zeit dafür auf, die Werbetrommel zu rühren. Eine Frage, die ihm dabei immer wieder gestellt wird: Ist es nicht kontraproduktiv, wenn öffentliche Universitäten Roboter einsetzen, die Menschen ersetzen? Die Antwort von Kraner: «Das Gegenteil trifft zu.» Erstens habe Starship Menschen anstellen müssen, die den Betrieb der Roboter überwachten. Und zweitens generierten die Restaurants, die auf der Starship-App vertreten sind, dank des neuen Angebots einen deutlich höheren Umsatz.