Coronakrise

Steigende Fallzahlen im Wallis – Hoteliers und Skigebiete sind mit Blick auf die Wintersaison völlig in der Schwebe

Berggebiete hoffen auf eine reibungslose Wintersaison. Die Bergbahnen Saas-Fee und Zermatt gehen mit ihren Schutzkonzepten deshalb weiter als vorgesehen.

Berggebiete hoffen auf eine reibungslose Wintersaison. Die Bergbahnen Saas-Fee und Zermatt gehen mit ihren Schutzkonzepten deshalb weiter als vorgesehen.

Das Wallis befindet sich seit Mittwoch im Teil-Lockdown. Die Bevölkerung scheint die Massnahmen aber zu befürworten. Mit der Wintersaison steht für die Region schliesslich viel auf dem Spiel.

Im Wallis wütet das Coronavirus derzeit am stärksten, pro 100'000 Einwohner wurden 104,7 Fälle registriert. Der Bergkanton setzt deshalb alles daran, die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Am Mittwoch hat er das öffentliche Leben wieder massiv eingeschränkt. Clubs, Museen, Hallenbäder, Fitnesscenter und Bibliotheken mussten schliessen. Einzig Restaurants dürfen offen haben – mit einer Sperrstunde ab 22 Uhr.

Die Walliser Bevölkerung scheint die Massnahmen breit zu akzeptieren. Auf dem Spiel steht schliesslich viel: In nur wenigen Wochen beginnt die für die Tourismusregion so wichtige Wintersaison. Sollte das Wallis dann immer noch ein Corona-Hotspot sein, werden sich kaum Gäste in die Wintersportorte verirren. Die Massnahmen gelten bis zum 30. November. Man hoffe, dass dies genüge, um die Situation vor Beginn der Wintersaison in den Griff zu bekommen, sagte Staatsratspräsident Christophe Darbellay.

Einige Hoteliers geben sich überraschend gelassen

Hoteliers geben sich trotz der prekären Lage optimistisch. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass dieser Winter eine gute Saison wird», sagt etwa der Zermatter Hotelier Paul-Marc Julen. Das gelte jedoch nur, wenn das Wallis die zweite Welle dank der nun getroffenen Massnahmen in den Griff bekomme.

Julen begrüsst daher die strikten Massnahmen seines Kantons. Es sei ein cleverer Zug gewesen, diese bis auf Ende November zu befristen. Der Kanton habe zwar hart reagiert, dies sei jedoch angesichts der Situation angebracht, sagt Julen, der in Zermatt mit seiner Familie drei Hotels führt.

«Wir sind alle guten Mutes», pflichtet ihm Sebastian Metry, Direktor des Hotels National in Zermatt, bei. «Wir können die ruhige Zwischensaison jetzt gut nutzen und uns auf die Wintersaison vorbereiten.» An die vergangenen Rekordjahre würde man dieses Jahr sicher nicht anknüpfen können, sagt der Hotelier weiter und gibt sich dabei überraschend gelassen: «Für Zermatt ist es in den letzten Jahren so brutal gut gelaufen. Jetzt kommt halt mal ein schlechteres Jahr. Daraus müssen wir das Beste machen.»

Hotelbuchungen sind auf dem gleichen Niveau wie letztes Jahr

Schaut man sich allein die Buchungen an, haben die Hoteliers tatsächlich wenig Grund zur Sorge: Der Buchungsstand für Dezember ist laut der Walliser Tourismusorganisation vergleichbar mit dem Vorjahr. Bei den einzelnen Hotels gibt es natürlich Unterschiede: Die Hotels von Paul-Marc Julen verzeichnen für die Wochen Weihnachten und Neujahr eine Belegung von rund 65 Prozent. Normalerweise sei der Buchungsstand per Ende Oktober jeweils bei über 90 Prozent. Auch Sebastian Metry hat derzeit weniger Buchungen.

Im Hotel Bella Tola in Saint-Luc im Val d’Anniviers laufen die Buchungen laut Direktor Claude Buchs jedoch praktisch auf Vorjahresniveau. Er sagt: «Die Schweizer haben inzwischen akzeptiert, dass es schwierig wird, zu reisen. Sie suchen die Berge, frische Luft und Sonne.» Erstaunlicherweise verzeichnet Buchs zudem auch einige Reservationen von ausländischen Gästen – diese würden vielleicht noch storniert.

Wirklich Aufschluss darüber, ob die Saison gut oder schlecht wird, geben die Buchungszahlen allerdings nicht. Die Pandemie hat weites Vorausplanen schier unmöglich gemacht, viele buchen ihre Ferien erst im letzten Moment oder stornieren bereits gebuchte Reisen. Selbst planungsfreudige Leute dürften unter diesen Umständen Gefallen an Lastminute-Ferien gefunden haben.

«Ich habe noch nie so viele kurzfristige Buchungen erlebt wie dieses Jahr», bestätigt Markus Schmid. Er ist Präsident des Walliser Hotelier-Verbands und Direktor des Hotel Salina Maris in Breiten in der Aletsch Arena. «Eine Prognose für die Wintersaison zu stellen, wäre nichts anderes als Kaffeesatz Lesen. Wir müssen jede Woche nehmen, wie sie ist.» Um den Gästen entgegen zu kommen, seien viele Hotels derzeit daran, die Stornierungsbedingungen zu vereinfachen. Frühbuchungen erleichtern schliesslich auch ihnen die Planung.

Langlaufen und Skitouren könnten noch beliebter werden

Ebenfalls in der Schwebe sind die Bergbahnen. Ob sie die Wintersaison ohne Unterbruch durchführen werden können, ist momentan völlig offen. Mancherorts konnten Skifahrer immerhin schon ein paar Skitage geniessen: Im Wallis haben Saas-Fee und Zermatt ihre Bahnen bereits in Betrieb genommen.

Laut dem Tourismusverband ist die Wintersaison bei diesen beiden Skidestinationen «sehr gut» gestartet. «Die Wetter- und Schneeverhältnisse sind für Oktober aussergewöhnlich gut. Die eingeführten Schutzkonzepte greifen und die Gäste halten sich sehr gut daran», sagt eine Sprecherin.

Schafft man es nicht, die Fallzahlen zu senken, bleibt das Ansteckungsrisiko aber auch in den Bergen hoch ­– beim Anstehen für den Sessellift, drinnen in der grossen Gondel oder in der engen Beiz beim Mittagessen. Viele Schweizerinnen und Schweizer liebäugeln dieses Jahr deshalb mit Wintersportarten, bei denen sie auf keine Infrastruktur angewiesen sind.

Langlaufen, Schneeschuhlaufen oder Skitouren dürfte hoch im Kurs sein. Sportartikelhändler wie Decathlon, SportXX oder Stöckli können dies anhand der Verkaufszahlen zwar noch nicht bestätigen. «Für diese Frage ist es zu früh, wir stehen noch mitten in der Wandersaison», heisst es bei der Medienstelle der Migros, zu welcher SportXX gehört. Aber: «Gerade den Bereichen Langlauf und Schneeschuhe trauen wir dieses Jahr aber ein grosses Potenzial zu.»

Maskenpflicht vor Skiliften in Zermatt und Saas-Fee

Im Wissen, dass die Saison nicht einfach wird, bleiben Zermatt und Saas-Fee besonders vorsichtig und gehen mit ihren Schutzkonzepten weiter als vorgesehen. Das sagt Berno Stoffel, Leiter der Touristischen Unternehmung Grächen VS und seit Anfang Monat Direktor des Verbands Seilbahnen Schweiz. Ihm zufolge gilt neu auch in der Wartezone der Bergbahnen eine Schutzmaskenpflicht.

Das sei im nationalen Schutzkonzept noch nicht enthalten. Allerdings werde nach dem Beschluss des Bundesrates vom Sonntag nun auch das landesweite Konzept überarbeitet. «Es ist in unser aller Interesse, den Schutz der Gäste möglichst hoch zu halten», sagt Stoffel. Wenn mit den Massnahmen die Fallzahlen gedrückt werden könnten, sei er für das Weihnachtsgeschäft «verhalten optimistisch».

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