Luftfahrt

Swiss-Rettungspaket in der Schwebe: «Das ist ein Powerplay von Deutschland und der EU»

Wegen Corona sind über der Swiss dunkle Wolken aufgezogen.

Wegen Corona sind über der Swiss dunkle Wolken aufgezogen.

Die Schweiz will die Swiss mit Milliardenkrediten in der Luft halten. Weil der Deutsche Staat nun plötzlich Lufthansa-Aktionär ist, braucht es dazu grünes Licht aus Berlin. Dies lässt auf sich warten. Die Folgen sind ungewiss.

Um was geht es?

© Keystone

Die Corona-Krise trifft die Airlines mitten ins Herz: Jeden Tag verbrennen die Lufthansa und ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft Swiss Millionen. Swiss-Boss Thomas Klür machte von Anfang an klar: Ohne Staatshilfe überlebt selbst die einstige Cash-Cow des Lufthansa-Konzerns den Corona-Sturzflug nicht. In Windeseile zimmerte der Bund darum ein 1,275 Milliarden Franken schweres Rettungspaket für die Schweizer Airline. Die Verträge liegen seit Wochen unterschriftsreif bereit.

Deutschland unterstützt die Lufthansa mit neun Milliarden Euro. Die EU-Kommis­sion hat die ­Hilfe aus Berlin Ende Mai nach harten Verhandlungen bewilligt. Als Gegenleistung für die Milliardenhilfe hat die Deutsche Regierung Anfang Woche über den Wirtschaftsstabilitätsfonds (WSF) 20 Prozent des Lufthansa-Aktienkapitals übernommen. Dies, nachdem Grossaktionär der Lufthansa, Heinz Hermann Thiele, nach einem langen Poker grünes Licht für das Finanzpaket gegeben hat.

Was ist das Problem?

Die Kranich-Airline ist durch Corona arg ins Trudeln geraten.

Die Kranich-Airline ist durch Corona arg ins Trudeln geraten.

Die 9-Milliarden-Staatshilfe für die Kranich-Airline ist in der EU umstritten. Denn der Lufthansa-Konzern mit seinen Tochertfirmen Swiss, Eurowings, Austrian, Brussels Airlines hat in Europa trotz der Billig-Carrier eine grosse Marktmacht. So hat Ryanair bereits Klage gegen das Hilfspaket eingereicht.

Wie der Blick berichtete, darf der gesamte Lufthansa-Konzern laut EU-Vorgaben inklusive Tochtergesellschaften nicht mehr als 9 Milliarden Staatshilfen beziehen. Sonst wäre dies ein Verstoss gegen das EU-Wettbewerbsrecht.

Doch was passiert jetzt mit den 1,275 Milliarden aus der Schweiz? Formell muss nun der WSF das Schweizer Rettungspaket abnicken. Berlin entscheidet also, ob Bern die Schatulle öffnen darf oder eben nicht. Akzeptieren die Deutschen die Schweizer Hilfe, müssen sie das Rettungspaket für die Deutsche Lufthansa wohl um diesen Betrag stutzen. Ausser es wird nochmals mit der EU verhandelt.

Wie Tamedia berichtete, besuchte SVP-Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Montagabend seinen Amtskollegen Peter Altmeier in Berlin. Parmelin-Sprecher Urs Wiedmer sagt zu watson, der Bundesrat habe nochmals die Position der Schweiz dargelegt. Ohne jedoch eine konkrete Antwort zu erhalten. Die Schweiz dürfe «bald» eine Entscheidung des Deutschen Staates über das Schweizer Rettungspaket erhalten.

Was bedeutet das Hickhack für die Swiss?

Ob mit oder ohne Rettungspaket: Wegen der Coronakrise kommt es bei der Swiss, wie bei den meisten anderen Airlines, zu einem Stellenabbau. Denn viele Flugzeuge stehen nach wie vor herum. Bis im Herbst will die Swiss 40 Prozent der ursprünglich geplanten Flüge anbieten. So hat die Swiss laut Inside Paradeplatz dem Flugpersonal in Ausbildung 1000 Franken angeboten, wenn sie von sich aus kündigen.

Laut Swiss-Sprecherin Karin Müller soll es nicht nicht zu Entlassungen kommen. «Es ist nach wie vor das oberste Ziel, das Unternehmen mit der gesamten Belegschaft durch diese Krise zu führen», sagte Müller auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Vielmehr solle der Stellenabbau durch natürliche Fluktuationen, Pensionierungen und neue Teilzeitmodelle in allen Personalgruppen erreicht werden.

Das Unternehmen hat für die gesamte Belegschaft bis Ende Februar 2021 Kurzarbeit angemeldet.

Inwiefern sich das Hickhack um das Rettungspaket auf die Airline selbst auswirkt, ist ungewiss. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigte sich in einem Interview mit der NZZ zuversichtlich, was die Entwicklung der Swiss angeht.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Eine der Bedingungen, die die Lufthansa mit den Schweizer Staatshilfen akzeptieren müsste, ist die Erhaltung des Flughafens Zürich als wichtiges Drehkreuz der Lufthansa. Für Spohr offenbar keine schwierig einzuhaltende Auflage: «Die Swiss ist so erfolgreich und der Schweizer Markt so lukrativ, dass wir das schon aus betriebswirtschaftlicher Logik so machen.» Sprich: Die Swiss setzt auch nach der Corona-Pandemie auf einen starken Hub Zürich.

Gegenüber Tamedia liess sowohl die Swiss wie Lufthansa verlauten, dass die Swiss die Mittel zum Überleben erhalten werde – unabhängig vom Entscheid des deutschen Staates.

Was sagt der «Swiss-Politiker»?

Der SVP-Nationalrat und Swiss-Pilot Thomas Hurter ist überzeugt, dass die beiden Länder zuletzt eine Lösung finden werden. «Das ist ein politisches Powerplay von Seiten Deutschland und der EU. Deutschland und die Schweiz haben ein sehr hohes Interesse daran, dass die Swiss mit der Edelweiss nicht geschwächt wird. Denn die beiden Airlines waren vor Covid-19 höchst rentable Airlines und haben den Wirtschaftsstandort Schweiz selbstständig angebunden.» Davon habe auch die Lufthansa profitiert. Hurter geht davon aus, dass die Verträge bis Mitte Juli unter Dach und Fach sind.

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