Trotz des Getöses um den Rückzieher der Swatch Group bleibt die Messe die wichtigste Leistungsschau der Schweizer Uhrenindustrie. Noch stärker in den Brennpunkt rückten daher die beiden Horlogerie-Giganten Rolex und Patek Philippe – die wohl begehrtesten Uhrenbrands überhaupt. Dank konsequenter Markenpflege und unübertroffener Qualität erreichen sie regelmässig Topplatzierungen in Rankings. Zudem erzielen die Zeitmesser Verkaufspreise im Second-Hand-Markt, dem Handel mit sogenannten Pre-owned-Uhren, von denen andere nur träumen können.

Nichtsdestotrotz: Dieses Jahr ist alles ein wenig anders, weil mit der Swatch Group ein bedeutender Uhrenhersteller fehlt. Omega, Longines, Blancpain und ein Dutzend weiterer Marken fehlen daher an der Messe. Der Konzernchef der Swatch Group, Nick Hayek, wirft den Veranstaltern vor, sie hätten die Messe nicht weiterentwickelt. «So geht es nicht weiter», sagte er letzten Samstag im Schweizer Radio. Deshalb habe man sich zurückgezogen. Für den Sohn des legendären Swatch-Gründers sind Händlermessen inzwischen «gar nicht mehr nötig». «Wir treffen die Händler das ganze Jahr und können ihnen unsere Neuigkeiten nicht nur ein Mal im Jahr zeigen», so Hayek. Messen seien ein «veraltetes Format».

Grieder-Haus als Omega-Hotspot

Dennoch will Nick Hayek nicht ganz abseitsstehen, wenn Uhrenhändler aus aller Welt nach Basel jetten. Damit die angereisten Einkäufer auch die neuesten Kreationen der Swatch Group zu Gesicht bekommen und bestellen können, hat die Uhrengruppe ihre eigenen Gebäude in der Innenstadt von Zürich in Showräume und Besprechungszimmer umgewandelt.
In Zürich zeigt Swatch aber nur die Marken im höheren Preissegment. Im bekannten Grieder-Haus, das der Uhrenkonzern vor vier Jahren der Credit Suisse abkaufte, werden auf fünf Stockwerken vor allem die neusten Zeitmesser von Omega gezeigt. Das sagten Händler gegenüber der Redaktion CH Media. An der Dreikönigstrasse, wo sich die Büros von Hayek Engineering befinden, werden die neuesten Preziosen von Blancpain, Breguet und Jaquet Droz vorgestellt. Begonnen hat die Hausmesse in Zürich bereits am Dienstag und dauert bis zum 26. März. Die Baselworld dauert ebenfalls bis nächsten Dienstag, startet aber erst heute.
Im Unterschied zur Messe, an der immer auch viele Prominente für ein mediales Spektakel gesorgt haben, sind bei der Swatch in Zürich nur Händler zugelassen. Speziell: Bilder dürfen keine gemacht werden, selbst für eigene Kataloge nicht, sagt ein Händler. Offenbar plant die Swatch Group einen grösseren Medienevent später im Jahr.

Für die Uhren-Händler ist der Messe-Ausstieg mit einem Mehraufwand verbunden. «Es ist ein Spiessrutenlauf», sagt ein Händler aus dem Osten der Schweiz. Viel einfacher wäre es, wenn alles an einem Standort stattfinden würde, meint er. Kommt hinzu, dass die im unteren und mittleren Preissegment angesiedelten Marken in diesen Tagen nicht bestellt werden können. Für die Marke Longines wird es einen Händlerevent im April in der Fabrik in St-Imier geben. Und die neuesten Rado-Uhren wiederum werden im Mai in der Giesserei in Zürich Oerlikon gezeigt, wie Händler berichten. «Ich muss also zuerst nach Zürich reisen, dann nach Basel, später nach St-Imier im Jura und dann wieder nach Zürich. Irgendwann sollte ich auch mal im Laden stehen», sagt ein Händler.

Sich öffentlich beschweren über die Vermarktungsstrategie von Swatch will hingegen niemand. Hinter vorgehaltener Hand wird gesagt, dass man befürchtet, nicht mehr beliefert zu werden. Offenbar sitzt vielen Händlern noch der Krach zwischen Swatch und Gübelin in Luzern in den Knochen, der einen Rückzug aller Swatch-Marken zur Folge hatte. Gübelin gibt es heute noch: Das Traditionshaus setzt nun auf andere Uhren-Marken, wie etwa Zenith, eine Manufaktur aus dem Jura, die sich im Besitz des französischen Luxuskonzerns LVMH befindet.

«Die Welt hat sich verändert»

Aussagen von Swatch-Konzernchef Nick Hayek deuten darauf hin, dass die Händler nicht mehr so wichtig sind. Im erwähnten Gespräch mit Radio SRF sagte er: «Eigentlich macht ja der Konsument den Umsatz und nicht der Händler. Was uns interessiert, ist der Konsument, der kauft.» Die Bieler Uhrengruppe hat inzwischen viele eigene Geschäfte. Unabhängigen Händlern bleibt nichts anderes übrig, als sich dem Diktat aus Biel zu unterwerfen – oder sich nach neuen Marken für die Schaufensterauslage umzuschauen.

Die Medienstelle der Swatch Group schreibt auf Anfrage, die «grosse Mehrheit unserer Retailer in China, im restlichen Asien, in den Vereinigten Staaten und anderswo ist sehr zufrieden, dass wir uns die Zeit nehmen, ihnen unsere Produkte vor Ort, in ihrem eigenen Land, zu zeigen». Es stimme, dass zurzeit einige Marken einen Anlass in Zürich haben, aber das sei fast das «Daily Business» von Swatch. Die Gruppe hält fest, dass viele Marken auch ihre eigenen Boutiquen hätten und dass Swatch auch zwei Retail-Ketten besitze. «Was die Retailer wollen, ist eine Sache, was die Kunden wollen, ist sehr oft etwas ganz anderes. Die Welt hat sich radikal verändert», heisst es.