Was die «Schweiz am Wochenende» bereits vor zwei Monaten vermeldete, ist seit gestern Abend offiziell: Donald Trump reist im Januar wieder ans Weltwirtschaftsforum (WEF). Damit bestätigte die Pressesprecherin des Weissen Hauses, worauf eine Eintrag der US-Botschaft in Bern hingedeutet hatte: Auf ihrer Website veröffentlichte sie eine Ausschreibung, mit der sie für den kommenden Januar acht Lastwagen zum Transport von Spezialequipment vom Flughafen Zürich nach Davos suchte.

Alles deutete auf einen Hochsicherheitstransport hin, denn in der Ausschreibung hiess es beispielsweise: «In jedem LKW-Führerhaus muss ein US-Regierungsvertreter mitfahren.»

Die halbe Regierung ist da

Trump wird begleitet von einem Dutzend hochkarätiger Vertreter seiner Administration, etwa von Finanzminister Steven Mnuchin, Aussenminister Mike Pompeo, Handelsminister Wilbur Ross, Arbeitsminister Alex Acosta, Verkehrsministerin Elaine Chao – und nicht zuletzt von seinen beiden wichtigsten Beratern. Seine Tochter Ivanka Trump und deren Ehemann Jared Kushner sind im Gegensatz zu 2018 auch in der US-Delegation.

Die Eindrücke vom WEF Davos 2018

Kushner berät den Präsidenten unter anderem in der Nahost-Politik. Aus Israel, aber auch umliegenden arabischen Staaten sind traditionell viele hochrangige Vertreter in Davos anwesend. Am WEF könnte es also zu einem kleinen Nahost-Gipfel kommen.

Der Zeitpunkt von Trumps Ankündigung ist pikant. Erst vor wenigen Tagen hat Russland entschieden, Regierungsvertreter nach Davos zu senden. Die Teilnahme der Russen stand auf der Kippe, weil das WEF zunächst eine Sperre gegen drei Oligarchen verhängt hatte. Doch am Wochenende wurde diese aufgehoben. «Weil die Organisatoren des WEF ihre Meinung geändert haben, wird eine russische Regierungsdelegation Forum teilnehmen», erklärte darauf ein Sprecher in Moskau. Kommt es gar zu einer Zusammenkunft der Präsidenten Putin und Trump? Das ist offen. Am letzten WEF fehlte der russische Präsident, er nahm aber an früheren Jahrestreffen in Davos teil, und es heisst, er schätze die Bühne, die weltweite Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Mit Pauken und Trompeten

Genau das dürfte auch der Grund für die erneute Teilnahme Trumps sein, der nichts so sehr liebt, wie wenn sich alles um ihn dreht. Als er am Abschlusstag des WEF die Bühne im Kongresszentrum betrat, spielte eine Blaskapelle auf, ähnlich wie eine Militärmusik bei einem offiziellen Staatsempfang. Diese Ehre hatte WEF-Gründer Klaus Schwab noch keinem Redner zuteilwerden lassen. Trump verteilte Managern Autogramme und liess sich feiern.

Schwab, der 80-jährige Professor, ist der Gegenentwurf zum 72-jährigen Trump: vornehm, anständig, diplomatisch. Doch mit dem US-Präsidenten schien er sich bestens zu verstehen, und er schmeichelte ihm mit Komplimenten für seine Wirtschaftspolitik. Schwab wurde dafür kritisiert – aber sein Kalkül ging auf: Der eitle Trump kommt wieder. Auch der Schweizer Bundespräsident Alain Berset, der sich mit Trump 45 Minuten lang besprach, verzichtete auf jegliche Kritik. Proteste der Schweizer Jungsozialisten verpufften ungehört.

Trump zum Zweiten: Ein schöner Erfolg für Schwab, aber eine Herausforderung für das WEF. Ob in Kloten, wo die Air Force One landet, oder in Davos, wo der Helikopter der US-Marine den Präsidenten absetzt– und natürlich in und um das Kongresszentrum: Überall wird der logistische und sicherheitstechnische Ausnahmezustand herrschen.