Wirtschaft

TV-Sender und Streaming-Portale mit Rekord-Zahlen – nun baut Teleclub aus

Klassische Fernsehsender, aber auch Streaming-Anbieter wie Netflix verzeichnen derzeit Rekorde.

Klassische Fernsehsender, aber auch Streaming-Anbieter wie Netflix verzeichnen derzeit Rekorde.

Wegen des Corona-Virus bleiben die Leute zuhause. Darum verzeichnen Fernsehsender und Streaming-Anbieter Rekordzahlen. Teleclub will nun mehr günstige On-Demand-Filme anbieten.

Das Corona-Virus führt dazu, dass die Bevölkerung zuhause bleibt. Davon profitieren Fernsehsender und Streaming-Portale. Eine eigentliche Renaissance erlebt das klassische Fernsehen. Die Fernsehnutzung in der Schweiz steige zurzeit, bestätigt das Forschungsinstitut Mediapulse. Gegenüber dem Vorjahr sei die Nutzung in den letzten Tagen um 10 Prozent gestiegen, heisst es beim Schweizer Fernsehen SRF.

Am Hauptabend seien die Unterschiede noch grösser, sagt ein Sprecher. Bei SRF profitieren vor allem die Nachrichtenformate: Die Tagesschau-Hauptausgabe kommt seit dem 10. März auf eine durchschnittliche Zuschauerquote von über 65 Prozent, fast 1,2 Millionen schalten mittlerweile täglich um 19.30 Uhr ein.

Auch Unterhaltung ist zunehmend gefragt

Auch regionale Fernsehsender sind gefragt. Am Montag erreichten beispielsweise die Sender Tele Züri, Tele M1 und Tele Bärn 37 bis 50 Prozent mehr Zuschauer zwischen 15 und 59 Jahren als an durchschnittlichen Montagen. Sie gehören wie dieses Portal zu CH Media. Selbst deutsche Sender verspüren Aufwind. «Wir registrieren in der Schweiz bei unseren Informationsangeboten eine deutlich gestiegene Nutzung», sagt Thomas Bodemer, Sprecher der RTL-Gruppe. Das gelte insbesondere digital, aber auch im linearen Fernsehen.

Nicht nur Informationssendungen werden häufiger konsumiert, auch Unterhaltung ist gefragt. So registrieren die Sender der Pro7­Sat1-Gruppe einen «positiven Effekt», der allerdings auch auf erfolgreiche Staffelstarts wie etwa von «Germany’s Next Topmodel» oder «The Masked Singer» zurückzuführen sein könnte.

Zunahme von 45 Prozent bei Sky Schweiz

Dass sich die Leute nicht nur informieren, sondern auch unterhalten wollen, spielt den Anbietern von Streaming- und On-Demand-Angeboten in die Karten. Bei Sky Schweiz heisst es, im Zeitraum vom Sonntag bis Mittwoch seien 45 Prozent mehr Filme und Serien abgerufen worden als noch in der Vorwoche. Die Serverkapazität sei kürzlich ausgebaut worden, sagt Inhalte-Chef Fabian Stein. Beim Call Center gingen etwa ein Drittel mehr Anrufe ein. Viele interessierten sich für das neu lancierte Angebot mit Inhalten für Kinder.

Weil die Kinos geschlossen sind, weichen Filmverleiher nun auf die Streaming- und On-Demand-Plattformen aus. Universal hat etwa angekündigt, einige Titel wie «Trolls» direkt auf solchen Plattformen zu veröffentlichen. Ähnliche Pläne hegen Schweizer Verleiher. So sagt Marco Brazerol von der Filmcoopi Zürich: «Wir forcieren die Veröffentlichung von bereits im Kino gestarteten Filmen auf Video-on-Demand-Plattformen.» Allerdings seien die Verleiher von den Nachbarländern abhängig, die eigene rechtliche Vorgaben hätten. Bei vielen Titeln seien ihnen die Hände gebunden, aber: «Ungewöhnliche Zeiten verlangen ungewöhnliche Lösungen».

Teleclub baut sein Angebot aus

Eine der grössten Video-On-Demand-Plattformen der Schweiz wird von der Swisscom-Tochter Teleclub betrieben. Dort werde es bald Premieren von Kino-Filmen geben, verspricht Sprecherin Olivia Willi. «Wir bekommen Titel aus dem Kino auf unsere Plattform.» Wie viele das genau sein werden, sei noch schwierig abzuschätzen. Am 27. März werde etwa der Film «Bloodshot», der momentan im Kino laufen sollte, aufgeschaltet. «Weitere Titel werden folgen.» Dabei will es Teleclub nicht belassen. «Die Nachfrage nach Filmen steigt», sagt Willi.

Nun werde das Angebot ausgebaut. Insbesondere Filme zum Preis von zwei Franken soll es vermehrt geben. So wolle Teleclub ein preislich attraktiveres Angebot bieten. «Sehr gefragt» seien auf der On-Demand-Plattform zurzeit vor allem die grossen Blockbuster, die neu im Programm seien. «Aber auch Arthouse- und Kinderfilme werden vermehrt abgerufen», sagt Willi.

Einer der grössten Profiteure der Corona-Krise dürfte Netflix sein. Zuletzt wurden allerdings Befürchtungen laut, wonach der Konsum von Netflix und Co. durch den Bund eingeschränkt werden könnte. Die Swisscom gibt nun Entwarnung. Netflix sei mittlerweile auf der Swisscom-TV-Plattform integriert. Deshalb habe man das sogenannte Peering, also den Datenfluss, verbessert. Kunden profitierten nun von einem «aussergewöhnlich guten Erlebnis», so eine Sprecherin. Das bestätigt auch ein Ranking, das Netflix selber erstellt. Die Anbieterin Salt schnitt zuletzt allerdings noch besser ab und landete auf Platz 1.

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