Geld
Überbewertetes Geld: Was der Big Mac über den Franken sagt

Bei uns ist der Hamburger doppelt so teuer wie in den USA . Der so genannt faire Wert eines Euros liegt derzeit bei rund Fr. 1.35, derjenige des Dollars bei Fr. 1.10. Die beiden Wechselkurse liegen aktuell aber ganz woanders.

Marcel Speiser
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Der so genannt faire Wert eines Euros liegt derzeit bei rund Fr. 1.35, derjenige des Dollars bei Fr. 1.10. Die beiden Wechselkurse liegen aktuell aber ganz woanders: Ein Dollar kostet knapp 78 Rappen, ein Euro rund Fr. 1.10. Das heisst: Der Franken ist massiv überbewertet – zum Dollar rund 30 Prozent, zum Euro knapp 20 Prozent.

Big Mac als Gradmesser

So weit, so gut. Doch was heisst in diesem Zusammenhang fair? Gemäss der ökonomischen Theorie müssten sich Wechselkurse längerfristig so bewegen, dass ein Warenkorb von Gütern und Dienstleistungen in zwei Währungsräumen plus minus gleich teuer ist. Die Wirtschaftswissenschafter nennen das Kaufkraftparität. Anders formuliert: Ein Wechselkurs ist dann fair, wenn sich eine Person mit einem bestimmten Geldbetrag in Deutschland das Gleiche leisten kann wie in der Schweiz. Ein überbewerteter Franken erhöht demnach die Kaufkraft der Schweizer in Euroland – jeder Einkaufstourist weiss, wovon die Rede ist. Es gibt ennet der Grenze schlicht einiges mehr fürs Geld, je schwächer der Euro ist.

Auf Basis dieser Zusammenhänge errechnet das renommierte britische Wirtschaftsmagazin «The Economist» seit 25 Jahren den Big-Mac-Index. Dazu werden die Preise von Big Macs in 48 höchst unterschiedlichen Ländern der Welt in Dollars umgerechnet und dann mit dem Preis eines Big Macs in den USA verglichen. Daran zeigt sich, welche Währungen im Vergleich zum Dollar unterbewertet respektive überbewertet sind.

Richtig präzis ist das Ganze sicher nicht. Schliesslich sind Löhne und Mieten, welche die Big-Mac-Esser mitfinanzieren, in den diversen Ländern unterschiedlich. Auch für die meist lokal eingekauften Zutaten zahlt McDonald’s in allen Ländern unterschiedliche Preise – in der Schweiz ist Rindfleisch teurer als in Brasilien.

Dennoch gibt es kaum ein anderes Konsumprodukt, dass weltweit so standardisiert ist wie der Big Mac. Ob in den USA, Peru, Korea oder in der Schweiz: überall die gleichen Zutaten, überall der gleiche Produktionsprozess. Zudem haben Ökonomen schon mehrfach gezeigt, dass der ursprünglich nicht ganz ernst gemeinte Big-Mac-Index die tatsächlichen Über- und Unterbewertungen der Devisenkurse überraschend genau abbildet. Dieser Wert hat deshalb Eingang gefunden in diverse ökonomische Lehrbücher rund kann also durchaus ernst genommen werden.

8.45 Dollar versus 4.07 Dollar

In den USA kostet also ein Big Mac im Schnitt 4.07 Dollar, in der Schweiz Fr. 6.50 oder zum aktuellen Kurs umgerechnet 8.45 Dollar. Im Klartext: Bei uns ist der Big Mac mehr als doppelt so teuer als in den USA. Gemäss dem Big-Mac-Index ist der Franken zum Dollar also mehr als 100 Prozent überbewertet. Ähnlich extrem überbewertet ist nur noch die norwegische Krone.

Diese Rechnung allerdings ist etwas zu einfach. Weil die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung in den USA deutlich kleiner ist als in der Schweiz, weil die Schweizer im Schnitt reicher sind als die Amerikaner. Doch auch korrigiert um diesen Effekt bleibt die Überbewertung des Franken massiv: Laut «Economist» sind es 63 Prozent.

Was folgt daraus? Längerfristig wird der Dollar zum Franken wieder zulegen und allenfalls sogar klar über den von Ökonomen als fair ermittelten Wechselkurs von Fr. 1.10 steigen. Wie lange längerfristig allerdings sein wird, wissen weder Ökonomen noch der Big-Mac-Index.

Noch ist es allerdings nicht so weit. Selbst das Eingreifen der Nationalbank vom Mittwoch hat den Dollar und den Euro nur kurzzeitig gestärkt. Gestern Donnerstag blieb der Dollar plus minus stabil, der Euro allerdings sank bereits wieder auf unter Fr. 1.09.