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UBS holt holländischen Top-Banker – erstmals zwei Ausländer an der Spitze der Schweizer Grossbank

Der künftige UBS-Chef: Ralph Hamers.

Der künftige UBS-Chef: Ralph Hamers.

Schneller als von vielen erwartet erhält die UBS einen neuen Chef. Was Ralph Hamers mit der Schweizer Grossbank vorhat und wie die Nachricht vom Wechseln nach Zürich in seiner Heimat aufgenommen wird.

Die UBS erhält einen neuen Chef. Und zwar bereits im kommenden Herbst, wie die Schweizer Grossbank in der Nacht auf Donnerstag bekannt gegeben hat. Am Vormittag soll dazu näher informiert werden. Was hat der neue Chef mit der UBS vor?

«Ich fühle mich geehrt, die Chance zu erhalten, dieses grossartige Unternehmen führen zu dürfen», wird Ralph Hamers in der Mitteilung der UBS zitiert. «Ich habe die Strategieumsetzung unter der Leitung von Axel und Sergio von Beginn weg bewundert», sagt der 54-Jährige über seinen neuen Chef – UBS-Präsident Axel Weber – und seinen Vorgänger Sergio Ermotti. Und weiter erklärt der künftige Chef: «Die Bank verfügt in allen Geschäftseinheiten über eine hervorragende globale Kundenbasis.»

Insider und Investoren von Wahl überrascht

Laut Hamers, der von der grössten holländischen Bank ING kommt, profitieren die einzelnen Divisionen der Schweizer Grossbank «von der unglaublich starken Marke UBS». Nun freue er sich darauf, «mit dem Managementteam, dem Verwaltungsrat und allen Mitarbeitenden von UBS diese Position weiter zu stärken und die Kunden dabei zu unterstützen, ihre Ziele zu erreichen.»

Ermotti: «Wir haben sehr viel Swissness bei der UBS»

UBS-Chefwechsel: Das sagt die Führung

Die UBS kriegt einen neuen CEO. Sergio Ermotti geht, Ralph Hamers kommt. Der neue CEO ist Holländer und derzeit Chef der ING-Gruppe. Vor den Medien nahmen der scheidende UBS-Chef Sergio Ermotti und Verwaltungspräsident Axel Weber Stellung zum überraschenden Wechsel.

Dass das einschneidende Folgen haben könnte, insinuiert das Finanzportal «finews.ch». Hatte es Hamers doch bereits früher als «mutigsten Banker Europas» apostrophiert. Denn im Gegensatz zu den Ankündigungen vieler Branchenkollegen habe der Holländer ING unter seiner Führung in den letzten sechs Jahren auch wirklich vom reinen Finanzdienstleister zu einem Tech-Konzern umgebaut. Sprich: Die Prozesse im Unternehmen standardisiert und digitalisiert. Und dass es in genau diese Richtung nun auch mit der UBS gehen soll, verspricht sich laut Mitteilung jedenfalls nun auch der Verwaltungsrat der Schweizer Grossbank.

Überraschung in London und New York

Die «Financial Times», welche als erste über Hamers Ernennung berichtet hatte, zeigte sich von der Wahl überrascht. Insider und Investoren bei ING wie UBS hätten nicht damit gerechnet. Laut dem Londoner Blatt wird Hamers noch bis Ende Juni für die Holländer tätig sein. Im September soll er dann bei der UBS in die Konzernleitung aufgenommen werden und nach zwei Monaten Übergangszeit mit dem scheidenden Tessiner Sergio Ermotti schliesslich ab November den Chefsessel übernehmen.

Damit wird die Schweizer Grossbank UBS erstmals unter rein ausländischer Leitung stehen. Der 62-jährige Verwaltungsratspräsident Axel Weber ist Deutscher.

Laut «Wall Street Journal» fiel Ralph Hamers die Entscheidung schwer, ING zu verlassen. Doch habe er sich am Ende gegen mindestens zwei interne Bewerber bei der UBS als neuen Chef durchgesetzt. Die US-Zeitung nennt COO Sabine Keller-Busse und den im November von Konkurrentin Credit Suisse angeworbenen Banker Iqbal Khan.

Kämpfer für hohe Boni

In seiner Heimat wird Hamers vom «Volkskrant» als «geradlinig und diskret» beschrieben. Aber auch als jemanden, der «keine Angst hatte, sich Feinde zu machen.» So habe er als jüngster CEO der Geschichte ING nach der Finanzkrise zwar neu aufgestellt, seither dem Staat alle Beihilfen zurückbezahlt und das Unternehmen digitalisiert.

Doch verweist die Zeitung in der Berichterstattung über Hamers Wechsel zur UBS am Donnerstag auch auf dessen letzten grossen Disput. 2018 wollte der Verwaltungsrat Hamers den Lohn um die Hälfte auf drei Millionen Euro erhöhen. Nach heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen erhielt er schliesslich knapp zwei Millionen. Hierzu ist wichtig zu wissen, dass Bankmanager-Boni in Holland auf 20 Prozent des Fixlohns limitiert sind.

Ralph Hamers hat diese Boni-Beschränkung immer wieder kritisiert. Mit Verweis darauf – und auf Sergio Ermottis Lohn und Boni bei der UBS in Zürich – hält der «Volkskrant» schliesslich fest: «Gehälter von vier Mal drei Millionen Euro sind dort keine Seltenheit.»

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