Übernahmeangebot
Wizz Air greift nach Easyjet – eine Konsolidierung der Airline-Branche würde auch Schweizer Kunden treffen

Der aufstrebende ungarische Billigflieger Wizz Air soll ein Angebot zur Übernahme der verschuldeten Easyjet gemacht haben. Das könnte Preise für Schweizer Passagiere in die Höhe treiben.

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Easyjet ist der Platzhirsch am Basler Euroairport.

Easyjet ist der Platzhirsch am Basler Euroairport.

Roland Schmid / CH Media

Der ungarische Billigflieger Wizz Air hat laut Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg ein Angebot zur Übernahme der Airline Easyjet gemacht. Der britische Billigflieger bestätigt, ein Angebot erhalten zu haben, ohne einen Käufer zu nennen. Sie habe es abgelehnt, teilte die Airline am Donnerstag mit.

Stattdessen will Easyjet sich eine Milliardensumme von Anlegern besorgen. Die Ausgabe neuer Aktien solle etwa 1,2 Milliarden britische Pfund (etwa 1,5 Milliarden Franken) einbringen, teilte Easyjet in Luton bei London mit. Das entspricht rund einem Drittel des bisherigen Börsenwerts. Ausserdem hat sich Easyjet für die kommenden vier Jahre eine neue Kreditlinie über 400 Millionen US-Dollar (368 Millionen Franken) gesichert.

Übernahme scheiterte am Preis

Das Geld soll dem Unternehmen helfen, sich von den finanziellen Folgen der Corona-Krise zu erholen und es für mögliche weitere Rückschläge fit machen. Die Reisebeschränkungen infolge der Corona-Pandemie hatten Easyjet wie andere Fluggesellschaften in eine Existenzkrise gebracht.

Die Übernahme Easyjets durch einen ungenannten Bieter ist den Angaben zufolge an der Höhe des Gebots gescheitert. Die Offerte habe Easyjet deutlich zu niedrig bewertet, hiess es in der Mitteilung. Zudem habe der Bieter die Übernahme komplett in eigenen Aktien bezahlen wollen. Inzwischen habe der Interessent versichert, dass er keine Übernahmeofferte mehr plane.

Wizz Air mit forscher Expansion

Die ungarische Wizz Air hat im Gegensatz zu anderen Airlines in den Monaten der Pandemie ihr Flugangebot nur wenig reduziert und auf gewissen Strecken gar ausgebaut, um Marktanteile zu gewinnen. Laut Daten der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol führt Wizz Air derzeit nur 6,5 Prozent weniger Flüge durch als 2019 zur selben Zeit. Easyjet hingegen ist mit 40,7 Prozent im Minus – die Swiss gar mit 43,8 Prozent.

Wizz Air geriet zuletzt wiederholt in Kritik. Die Europäische Transportarbeiter Föderation (ETF) teilte im Juli mit, «rechtswidrige Entlassungen, Missachtung des Rechts auf Betriebsratsgründung, Gewerkschaftszerschlagung und Sozialdumping» gehörten bei Wizz Air «zum Alltag».

«Gewerkschaften zerstören Geschäft»

So gilt die Airline als vehemente Gegnerin von Gewerkschaften. In einem Interview mit dem Portal «Aerotelegraph» sagte ihr Chef József Váradi, diese zerstörten das Geschäft. «Wenn sie versuchen, uns zu erwischen, dann schliessen wir einfach die Basis und ziehen weiter. Das ist das Schöne bei einer Airline, die so flexibel ist wie unsere: Wir können einfach unsere Flugzeuge zu einem anderen Flughafen verlegen.»

Das sorgte etwa in Norwegen, wo Wizz Air Inlandsflüge anbot, für heftige Kritik selbst von der Regierung. Die Airline gab ihr Geschäft im skandinavischen Land auch deshalb vor kurzem wieder auf.

Welche Folgen hätte Fusion?

Wizz Air fliegt in der Schweiz derzeit den Basler Euroairport und den Flughafen Genf an. Easyjet bedient Genf, Zürich und Basel. In Genf und Basel unterhält Easyjet eigene Basen. Die Airline beschäftigt dadurch im Gegensatz zu Wizz Air etwa 1000 Mitarbeitende mit Schweizer Verträgen. In Basel und Genf ist Easyjet mit Abstand die grösste Airline. In Basel hatte sie vor der Krise einen Marktanteil von 60 Prozent. Am teureren Flughafen Zürich spielt die Airline hingegen keine grosse Rolle.

Eine Übernahme durch einen Konkurrenten könnte auf Strecken aus und in der Schweiz zu höheren Preisen führen, wenn nicht mehr zwei Airlines gegeneinander antreten. Auch könnte die Zahl der Verbindungen reduziert werden, wenn aus zwei Airlines eine wird, die ihr Netzwerk optimiert. Fürs Erste wird aus der Übernahme von Easyjet nun zwar nichts. Die mit Corona für viele Airlines schwieriger gewordene finanzielle Situation könnte aber eine Konsolidierung befeuern. Dazu werde es «garantiert kommen», sagte die Luftfahrtexpertin Marisa Garcia schon vor einem Jahr dieser Zeitung.

(dpa/ehs)

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