Kunden möchten ihren Burger oder ihr Kotelett geniessen im Wissen, dass das Tier beim Schlachtprozess nicht leiden musste. Die Migros-Fleischverarbeitungsfirma Micarna versucht deshalb, die Transparenz bei ihren Fleischprodukten zu steigern. In einem Lobbying-Schreiben des Detailhändlers heisst es, dass die Micarna neu entlang des Schlachtprozesses Kameras installiert habe. Diese Aufzeichnungen würden Hinweise liefern über den Zustand der Schweine, während sie betäubt, aufgehängt und entblutet werden.

Kantonale Kontrolleure und der Schweizer Tierschutz dürfen die Aufnahmen ansehen. Im Rahmen von regelmässigen Kontrollen könnten sie den Prozess bis auf mehrere Wochen zurückverfolgen. Auch sonst habe man in den letzten Jahren viele Ressourcen in neue Anlagen investiert, die bei der Schweineschlachtung sicherstellen würden, dass kein Tier mehr lebt, bevor es in den Brühtunnel gelangt.

Laut Micarna-Sprecherin Deborah Rutz handelt es sich um ein Forschungsprojekt im Schweineschlachthof am Hauptstandort Courtepin FR. Um erste Schlüsse aus dem Projekt zu ziehen, sei es noch zu früh. Bei der Coop-Tochter Bell ist man laut Sprecher Fabian Vetsch daran, ein ähnliches Projekt umzusetzen. «Ziel ist es, dass wir bis Ende Jahr Kameras installiert haben, die den Schlachtprozess überwachen.» Auch Bell will dem Schweizer Tierschutz die Bilder zur Verfügung stellen.

Umstrittene Methode

Vor zwei Jahren hatte die «Animal Welfare Foundation», eine Schwester-Organisation des Tierschutzbundes Zürich, geschätzt, dass aufgrund von Befragungen der Veterinärbehörden in der Schweiz 64 Prozent der Schweine mit Kohlendioxid (CO2) betäubt werden. Das sind 1,7 Millionen Tiere jährlich. Dies sei eine Qual-Betäubung, bei der die Tiere etwa 60 Sekunden lang in Angst und Panik schreien würden. Bell und Micarna bestätigen, dass sie die CO2-Methode anwenden, betonen jedoch, dass die Betäubung massiv weniger als 60 Sekunden dauert. Bei Bell heisst es, dass diese Methode einige Vorteile aufweise, da die Tiere in neuen CO2-Anlagen gruppenweise und nicht vereinzelt eingetrieben würden. Dies bedeute weniger Stress fürs Tier. Zudem biete die CO2-Methode eine hohe Betäubungssicherheit. Dennoch würden laufend andere Techniken geprüft, sagt Micarna-Sprecherin Deborah Rutz. Fakt sei, dass es heute keine tierfreundlicheren Alternativen gebe.