Chips, Schokolade und Cola statt Salat, Vollkornbrot und Mineralwasser. Wenn Supermarktkunden ihre Waren an der Kasse selbst scannen, wird der Inhalt des Warenkorbs wesentlich ungesunder, als wenn sie bei einer Kassiererin oder einem Kassier bezahlen. Laut einer neuen Studie der Handelshochschule Bergen in Norwegen steigt der Verkauf von ungesunden Lebensmitteln wie Süssigkeiten, Limonade, Alkohol oder Chips um zehn bis 15 Prozent an, wenn Läden Selbstbedienungskassen einführen. Dagegen ändert sich bei gesunden Erzeugnissen oder bei Alltagsgegenständen nichts an den Verkaufszahlen.

Die Untersuchung ist deshalb relevant, weil sich die Self-Scanning-Kassen international stark ausbreiten. Auch in der Schweiz setzen die Detailhändler immer mehr auf diese Automatisierung, und insbesondere in urbanen Gebieten und in Stosszeiten wird an den Selbstbedienungskassen ein hoher Umsatz erzielt.

Unangenehmes Gefühl, beobachtet zu werden

Migros erklärte Ende 2018, ein Viertel aller Kunden würde bereits die Waren selber scannen; Coop gibt keine Zahlen bekannt. Für die Studie aus Bergen konnten Verkaufszahlen von insgesamt 14 Supermärkten in Norwegen während vier Jahren analysiert werden, jeweils vor und nach der Einführung von Self-Scanning-Kassen. Damit wurde ersichtlich, wo sich Änderungen im Einkaufsverhalten ergaben, wobei ein allfälliger Kundenzuwachs berücksichtigt wurde.

Der Autor der Studie, der Verhaltensökonom Andreas Olden, sieht den Grund für die Veränderung in der sozialen Kontrolle in den Läden mit herkömmlichen Kassen, wie er gegenüber norwegischen Medien sagte. «Ich glaube, eine wichtige Erklärung ist, dass wir es als peinlich erleben, wenn wir Ungesundes einkaufen. Bei einer Selbstbedienungskasse fällt uns das leichter.» Denn an der bedienten Kasse stehe man in der Schlange, lege die Waren aufs Band, wo sie alle sehen könnten. Und wenn man oft am gleichen Ort einkaufe, kenne einen die Person hinter der Kasse vielleicht sogar, so Olden. «Das alles kann ein unangenehmes Gefühl geben, dass man beobachtet wird.»

Dagegen müsse man bei Self-Scanning-Kassen selten anstehen, kaum jemand sehe die Einkäufe genau, Chips und Süsses wanderten vom Einkaufskorb auf den Scanner und direkt in die Tasche – ein viel «anonymeres Einkaufserlebnis», beschreibt es Olden. Er legt mit seiner Studie Daten vor, die diese psychologische Erklärung stützen.

Die Erkenntnisse könnten umfangreiche Auswirkungen auf die Supermärkte haben. Denn die Einführung der Selbstbedienungskassen könnte laut Olden nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Preisgestaltung oder die Platzierung der Waren im Laden beeinflussen. Es sei denkbar, dass sich der Mix der Kunden ändere. Eine andere Folge sei gesellschaftlicher Natur: Es sei durchaus möglich, sagt der Ökonom, dass der Konsum von ungesunden Lebensmitteln im Takt mit der Verbreitung der Selbstbedienungskassen zunehme.