USA
Präsident Biden setzt auf eine bewährte Kraft und nominiert Währungshüter Powell für eine weitere Amtszeit

Jerome «Jay» Powell soll weiterhin die Geschicke der amerikanischen Notenbank leiten. Dies hat Präsident Joe Biden am Montag bekannt gegeben. Der Demokrat im Weissen Haus zieht damit den seit 2018 amtierenden Fed-Chef der linken Wunschkandidatin vor.

Renzo Ruf, Washington
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Jerome Powell soll weitere vier Jahre an der Spitze der amerikanischen Notenbank wirken.

Jerome Powell soll weitere vier Jahre an der Spitze der amerikanischen Notenbank wirken.

Kevin Dietsch / EPA

Keine Kursänderung an der Spitze der amerikanischen Notenbank. Der bisherige Fed-Chef Jerome Powell, der auch Jay genannt wird, soll auch in den kommenden vier Jahren die Federal Reserve leiten. Dies gab Präsident Joe Biden am Montag bekannt.

Der Demokrat im Weissen Haus beendete mit dieser Ankündigung das Rätselraten um die Personalie, die zu den wichtigsten eines Präsidenten gehört. Powell, der seit zehn Jahren Mitglied des Fed-Leitungsgremiums ist, wird gemeinhin den Republikanern zugerechnet; der 68-Jährige gehört allerdings dem pragmatischen Flügel der Partei an. Seine Beförderung an die Spitze der Federal Reserve verdankt er dem 2020 abgewählten Präsidenten Donald Trump. (Trump bedauerte diese Personalie allerdings umgehend, weil Powell die Zinsen recht aggressiv erhöhte und damit, in den Augen des damaligen Präsidenten, den Aufschwung abwürgte.)

Die Entscheidung Bidens wird am linken Flügel seiner Partei auf Kritik stossen. So bezeichnete die Senatorin Elizabeth Warren, eine pointierte Kritikerin der Wall Street, Powell vor zwei Monaten als einen «gefährlichen Mann» – weil er dazu beigetragen habe, die Fed-Aufsicht über den amerikanischen Bankenplatz zu schwächen.

Lael Brainard wird Vize-Chefin

Biden ist diese Kritik an Powell natürlich bereits zu Ohren gekommen. Um die erwartete Gegenreaktion etwas abzudämpfen, kündigte er am Montag deshalb auch die Nomination von Lael Brainard als Stellvertreterin von Powell an. Die Demokratin, die 2014 im Fed-Gouverneursrat Einsitz nahm, galt als Wunschkandidatin des progressiven Flügels ihrer Partei. In seiner Stellungnahme sagte Biden, er sei überzeugt davon, dass dieses neue Führungsduo sowohl für eine niedrige Inflation als auch für Vollbeschäftigung sorgen, und damit die beiden Kernaufträge der Politik an die Notenbank erfüllen werde. Die 59-jährige Brainard soll Vizechef Richard Clarida ersetzen, einen Republikaner.

Powells vier Jahre dauernde Amtszeit als Fed-Chef läuft im Februar 2022 ab. Weil der Anwalt und ehemalige Investmentbanker viel Zeit dafür aufwendet, seine Kontakte im nationalen Parlament zu pflegen, geniesst er sowohl unter Demokraten als auch Republikanern einen breiten Rückhalt. 2018 war er mit 84 zu 13 Stimmen zum obersten Währungshüter gewählt worden.

Beide Personalien – die Verlängerung der Amtszeit Powells und die Beförderung Brainards zur Vize-Chefin – müssen vom Senat bestätigt werden. Dort stellen sowohl Demokraten als auch Republikaner derzeit 50 Abgeordnete. Bei einer Stimmengleichheit gibt Vizepräsidentin Kamala Harris den Ausschlag.

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