Ladenöffnungszeiten

Verkaufspersonal will nicht länger arbeiten

Gemäss einer Umfrage der Gewerkschaft Unia stellt sich das Verkaufspersonal fast geschlossen gegen ein neues Gesetz, das längere Ladenöffnungszeiten vorsieht. (Symbolbild)

Gemäss einer Umfrage der Gewerkschaft Unia stellt sich das Verkaufspersonal fast geschlossen gegen ein neues Gesetz, das längere Ladenöffnungszeiten vorsieht. (Symbolbild)

Am Montag berät der Nationalrat über mehr Flexibilität im Verkauf. Die Gewerkschaft Unia bringt sich in Stellung – und droht mit dem Referendum

Das Resultat ist klar: 96 von 100 Verkäufern lehnen längere Öffnungszeiten ab. Dies ergab eine Umfrage der Gewerkschaft Unia unter 2500 Angestellten im Detailhandel. Die Verkäufer befürchten noch längere Arbeitstage, die sich negativ auf ihr Privatleben auswirkten. 

«Das Personal ist nur ungenügend geschützt», sagt Unia-Präsidentin Vania Alleva. Nur die Hälfte der Angestellten sei einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) unterstellt. «Aber auch die existierenden GAV schützen kaum vor überlangen Arbeitstagen», sagte Alleva.

Angestellte müssen bereits heute an sechs Tagen pro Woche einsatzbereit sein und die tägliche Arbeitszeit könne bis zu 12 Stunden betragen, rechnet Alleva vor.

Auf taube Ohren gestossen

Das vom Bundesrat vorgeschlagene neue Ladenöffnungsgesetz führte laut Unia dazu, dass das Personal noch längere Arbeitszeiten in Kauf nehmen muss. Um das Personal zu schützen, habe die Unia daher in der Anhörung gefordert, dass die Öffnungszeiten zumindest an einen allgemein verbindlichen Gesamtarbeitsvertrag geknüpft würden. «Doch wir sind auf taube Ohren gestossen», sagt Alleva. Die Gewerkschaftschefin machte gestern klar, dass die Unia diese «Deregulierung» notfalls durch alle Böden durch bekämpfen wird – auch mit einem Referendum. 

Bislang gleichen die Ladenöffnungszeiten einem föderalen Flickenteppich: Sie werden von den Kantonen und Gemeinden festgelegt. Der Bundesrat will sie nun vereinheitlichen – und liberalisieren. Zudem will der Bundesrat für hiesige Geschäfte im Vergleich zum grenznahen Ausland gleich lange Spiesse schaffen. Damit soll der Einkaufstourismus eingedämmt werden. Die Geschäfte dürften werktags von 6 bis 20 Uhr und samstags von 6 bis 18 Uhr oder 19 Uhr geöffnet sein.

Am Montag beugt sich der Nationalrat über die Vorlage. Im Ständerat war das Geschäft in der Herbstsession heiss umstritten: Mit Stichentscheid des Ratspräsidenten entschied die kleine Kammer, nicht auf die Vorlage einzutreten. Sie folgte damit dem Standpunkt der Kantone, die im Gesetz einen Verstoss gegen das Subsidiaritätsprinzip ausmachten. Anders die Kommission des Nationalrats: Sie möchte auf die Vorlage eintreten.

«Arbeitsplätze retten»

Die Wochenarbeitszeiten der Angestellten werden durch das neue Gesetz nicht tangiert, sagt Patrick Marty von der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IG DHS). Auch schreibe dieses den Läden nicht vor, wie lange sie offen haben müssen. «Mit den längeren Öffnungszeiten machen wir mehr Umsatz.

Damit können Arbeitsplätze gerettet werden», sagt er. Laut der IG DHS hätten interne Umfragen gezeigt, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter in Unternehmen mit kürzeren Öffnungszeiten nicht grösser sei als in Geschäften mit längeren. Zudem gebe es eine konstante Nachfrage nach Arbeitsplätzen an Randstunden, weil Mitarbeitende Beruf und Familie oder Freizeit so besser vereinbaren könnten.

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