GV der AZ Medien

Verleger Peter Wanner: «SRG ist zu gross geworden – Gebührengeld muss anders aufgeteilt werden»

Am Freitagabend fand auf Schloss Lenzburg die Generalversammlung der AZ Medien statt. 2015 resultierte ein leichter Gewinn: «Wir sind zurück in den schwarzen Zahlen», sagt VR-Präsident Peter Wanner. Und er erhebt Forderungen zur SRG.

Über 200 Aktionärinnen und Aktionäre sowie zahlreiche Gäste fanden sich am Freitagabend bei prächtigstem Maiwetter auf Schloss Lenzburg zur Generalversammlung der AZ Medien AG ein, Herausgeberin unter anderem dieser Zeitung.

Verleger Peter Wanner durfte allen voran den Aargauer Regierungsrat Roland Brogli, Ständerat Philipp Müller sowie Müllers Vorgängerin im Amt, Christine Egerszegi, den Lenzburger Stadtpräsidenten Daniel Mosimann und viele weitere Gäste sowie die Aktionäre begrüssen.

Anders als im Vorjahr musste Wanner keinen Verlust erklären. 2015 resultierte ein leichter Gewinn: «Wir sind zurück in den schwarzen Zahlen.» Das sei erfreulich, zufrieden sei man aber noch nicht.

Wanner peilt einen Betriebs-Cashflow (dieser erfasst das operative Ergebnis vor Abschreibungen) von 12 Prozent an.

Wenn das gelingt, so Wanner, «sind wir in der Lage, die geplanten Investitionen samt Abschreibungen mit eigenen Mitteln zu finanzieren».

Das Unternehmen habe viele Baustellen. Letztes Jahr war es die neue Druckmaschine in Aarau. Die erhöhte das Druckvolumen um 50 Prozent, gleichzeitig musste man aber die Leute auf der neuen Maschine ausbilden. Wanner rückblickend: «Ein bisschen viel auf einmal.»

Zu Watson sagte Wanner, damit habe man das innovativste Online-Portal der Schweiz lanciert. Dieses erreicht heute 1,3 Millionen Unique Clients im Monat.

Wenn es gelinge, den Traffic in den nächsten zwei Jahren zu verdoppeln, werde Watson rentabel sein. Bereits sei Watson zu einer Marke geworden.

Die Aktionäre hiessen Jahresbericht, Jahres- und Konzernrechnung einstimmig gut. Ebenso wurde der Ausschüttung einer Bruttodividende in Gesamthöhe von 1,134 Millionen Franken zugestimmt. Dies entspricht 15 Prozent des Nominalkapitals bzw. 15 Franken pro Aktie.

Schliesslich wurden Peter Wanner, Philip Funk, Kaspar Hemmeler, Michael Wanner und HansPeter Zehnder in globo für eine weitere Amtsdauer von zwei Jahren als Mitglieder des Verwaltungsrats gewählt.

Inhalte und Qualität an erster Stelle

In einem Grundsatzteil seiner Ansprache erläuterte Wanner, als Medienunternehmen bespiele man ganz bewusst die vier Kanäle Print, TV, Radio und online: «Die Inhalte und deren Qualität sind uns wichtig, sie kommen an erster Stelle.»

Die Mission sei, die Bürger und Bürgerinnen im Verbreitungsgebiet sachgerecht, ausgewogen und pointiert zu informieren, so der Verwaltungsratspräsident weiter: «Wir glauben an die aufklärerische Funktion der Medien und an deren kritisches Wächteramt.»

Auch als private, kommerziell finanzierte Medien erbringe man im Verbreitungsgebiet einen Service public, und nicht nur die öffentlich finanzierte SRG, die dieses Wort grosssprecherisch im Mund führe und für ihre Programme 1,2 Milliarden Franken Gebühren kassiert.

Derweil erhielten die beiden regionalen TV-Stationen Tele M1 und TeleBärn der AZ Medien AG, die beide eine Konzession mit Leistungsauftrag haben, je 2,3 Millionen Franken Gebühren, ab nächstem Jahr etwas mehr.

Wanner kritisch Richtung Bern: «Das sind Brosamen, lächerlich wenig Mittel im Vergleich zu den Ressourcen, die den SRG-Sendern zur Verfügung stehen.»

Ein Wettbewerb finde nicht wirklich statt, so Verleger Wanner, «und wenn, dann wird er mit sehr ungleich langen Spiessen ausgetragen».

«SRG ist zu gross geworden»

Die SRG sei heute ein Gigant, sie sei zu gross geworden. Sie zu redimensionieren, sei eine politisch schwierige und anspruchsvolle Aufgabe. Geht es nach Wanner, muss sich die SRG künftig auf jenen Service public konzentrieren, den der Markt nicht imstande ist zu erbringen: «Aber alles, was der Markt kann, muss die SRG nicht auch noch machen wollen.»

Wanner sieht zwei Lösungsmöglichkeiten für mehr Wettbewerb: Entweder die Gebühren reduzieren oder noch besser diese anders aufteilen.

Oder man könnte wie in Frankreich oder Deutschland die Werbung bei den SRG-Sendern einschränken. Wanner: «Wir hätten im Nu eine starke private TV-Szene, mehr Wettbewerb und ein besseres Gleichgewicht zwischen öffentlich-rechtlichen und kommerziell finanzierten Medien.»

Meistgesehen

Artboard 1