Gesundheit

Verzögerung des BAG wird teuer: Einige Medis werden erst im Mai günstiger

Unter jenen Arzneien, deren Preisüberprüfung noch aussteht, befinden sich mehrere umsatzstarke Medikamente.

Unter jenen Arzneien, deren Preisüberprüfung noch aussteht, befinden sich mehrere umsatzstarke Medikamente.

Das Bundesamt für Gesundheit hätte die Preise bereits im Dezember senken müssen. Bei einigen Präparaten wird es nun Mai. Das geht ins Geld.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) tut sich schwer. Probleme bereiten die kassenpflichtigen Medikamente, deren Preise das letzte Mal im Jahr 2014 überprüft wurden. Mit ein Grund für die lange Pause ist ein Bundesgerichtsurteil, dass die Pharmaindustrie gegen das BAG angestrengt und gewonnen hat.

Dadurch muss der Bund neben dem Vergleich mit ausländischen Medikamentenpreisen auch die Wirkung eines Präparats einbeziehen. Mit der Neuerung begründet das BAG, weshalb sich die Überprüfung derart lange hinzieht.

Laut Gesetz hätten die Preise bereits per Anfang Dezember 2017 verfügt werden müssen. Aufgrund der Verzögerung ging das BAG nun gestaffelt vor. Die ersten Preise wurden per 1. Januar gesenkt. Ein weiterer Teil folgt per Februar und per März. Wie nun klar wird, zieht sich die laufende Preisüberprüfung bis in den April hin.

Ende letzte Woche teilte das BAG mit, dass«nur noch wenige Arzneimittel» nicht überprüft wurden. Konkret stehen 10 Prozent der zu prüfenden Medikamente aus, wie eine Nachfrage beim Bundesamt ergibt. In absoluten Zahlen handelt es sich um rund 80 Präparate. Laut dem BAG befindet man sich mit den Herstellern dieser Arzneien noch im Gespräch. Das Bundesamt stellt in Aussicht, dass die Preise dieser Präparate auf den 1. April oder den 1. Mai verfügt werden.

Bislang haben die Hersteller bei 16 Medikamenten eine Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Für knapp 10 weitere Arzneimittel prüften verschiedene Pharmaunternehmen, ob eine Einsprache erhoben werde, sagt BAG-Sprecher Jonas Montani auf Anfrage.

44 Millionen entgangen

Unter jenen Arzneien, deren Preisüberprüfung noch aussteht, befinden sich mehrere umsatzstarke Medikamente. Dazu zählen etwa das Roche-Krebsmittel Avastin, das Rheuma-Medikament Enbrel von Pfizer oder das Blutkrebs-Präparat Revlimid.

Allein Enbrel und Revlimid erzielen laut Berechnungen des Krankenversicherers Helsana in der Schweiz einen Umsatz von rund 140 Millionen Franken pro Jahr. Wird der Kreis sehr kostspieliger Präparate auf sechs erweitert, so klettert der Jahresumsatz auf 250 Millionen Franken.

Geht man davon aus, dass das BAG die Preise wie bisher um durchschnittlich 17,5 Prozent senkt, ergibt sich ein Sparpotenzial von knapp 44 Millionen Franken. Sollten diese Preise erst auf Anfang Mai gesenkt werden, entgehen den Prämienzahlern wegen der sechsmonatigen Verzögerung 22 Millionen Franken.

Derweil befinden sich das BAG und Helsana in einem Zahlenstreit. Das Bundesamt will sich erst über die erzielten Einsparungen äussern, wenn sämtliche Preise überprüft worden sind. Bislang ging das BAG von 60 Millionen Franken pro Jahr aus. Helsana wiederum sagt, dass allein anhand der bisher verfügten Preissenkungen Einsparungen von 141 Millionen Franken erzielt werden.

Ohnehin moniert Helsana, dass bei rund der Hälfte der zu prüfenden Arzneien unklar bleibe, weshalb (noch) keine Senkung publiziert worden sei. Würden diese Präparate ebenso gesenkt, wären Einsparungen von 300 Millionen Franken möglich. Das BAG argumentiert, dass bei zahlreichen Medikamenten wegen der Gesetzeslage keine Preissenkung notwendig sei, da diese noch immer wirtschaftlich seien. Helsana bezeichnet das Verfahren als intransparent und selbst für Experten nicht nachvollziehbar.

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