Pandemie

Viele Schweizer Unternehmen beantragen wegen der Corona-Krise Kurzarbeit – doch was bedeutet das überhaupt? Ein Beispiel

Kurzarbeit soll Unternehmen finanziell entlasten, statt dass sie Mitarbeiter entlassen müssen. Der Hintergedanke: Nach der Corona-Krise sollen die Geschäfte den Betrieb rasch wieder aufnehmen können. Klingt simpel, ist es aber nicht – wie das Beispiel Raststätte Grauholz zeigt.

Ganz viele Firmen in der Schweiz beantragen in der Corona-Krise für ihre Mitarbeitenden Kurzarbeit. Seit der Bund am Montag die Lage als «ausserordentlich» eingestuft hat, ist die Zahl nochmals drastisch angestiegen. Um dem Herr zu werden, hat der Bund ein vereinfachtes Bewilligungsprozedere eingeführt und 8 Milliarden Franken für die Kurzarbeit bereitgestellt.

Was ist Kurzarbeit überhaupt und was bringt sie?

Von Kurzarbeit gesprochen wird, wenn mehr als zehn Prozent der Arbeitszeit ausfällt. Das heisst, wenn die Firma die Arbeitszeit reduziert oder den Betrieb ganz einstellen muss. Kurzarbeit kann ein Unternehmen beantragen, wenn die Firma in wirtschaftliche Not gerät, die nicht in die Verantwortung des Arbeitgebers fällt. Dieses Instrument ist für Krisenzeiten bestimmt und soll dazu dienen, Jobs zu erhalten.

Ein Unternehmen unter vielen, welches nun davor steht, Kurzarbeit zu beantragen, ist die Raststätte Grauholz. Sie liegt an der A1 Zürich-Bern vor den Toren der Stadt Bern und vereint viele Arten von Betrieben unter einem Dach: Restaurants, Läden und ein Hotel. Dabei muss gesagt sein: Kurzarbeit zu beantragen ist gerade in Dienstleistungsbetrieben eine Seltenheit. So auch für Claude Braun, den Geschäftsführer der Raststätte Grauholz. Es ist das erste Mal, dass er diesen Schritt gehen musste – und davor kamen viele andere.

Vom Beobachten zur Krisenintervention

Claude Braun erklärt: «Im ersten Monat, als das Corona-Virus zunehmend – aber vor allem noch im nahen Ausland – ein Thema wurde, haben wir beobachtet, wie sich der Markt verändert und versuchten Angebot und Abläufe anzupassen.» Doch die Ereignisse überschlugen sich und bald ging es nur noch darum, die aktuellsten Informationen allen Entscheidungsträgern zur Verfügung zu stellen, um so überhaupt Entscheidungen fällen zu können. Und das war nicht einfach.

«Fast täglich warteten wir ab, welche Einschränkungen der Bund als nächstes definiert», erzählt Claude Braun. «Zuletzt ging es so rasant, dass Informationen, die wir rausgaben, zum Zeitpunkt der Kommunikation schon wieder veraltet waren.» Als dann das Tessin als erster Kanton den Notstand ausrief, hat Geschäftsführer Braun sogleich für alle Mitarbeitenden Kurzarbeit beim Kanton Bern beantragt. Dies weil «klar wurde, dass von sehr hohen Umsatzeinbussen bis hin zum kompletten Einstellen des Betriebes alles möglich ist.»

Und tatsächlich: Der Betrieb im Grauholz erfüllt momentan nur noch den Grundauftrag einer Raststätte. Darunter fällt etwa die Verpflegung in Form von Take-Away-Angeboten, die Benützung der sanitären Anlagen, die Möglichkeit zur Erholung und auch die Beherbergung von Reisenden – deren es aber nicht mehr viel gibt. Das Hotel bleibt geöffnet, ein Angebot, das momentan durch Rekruten genutzt wird. Mit der Schliessung der Restaurants falle zunächst einiges an Arbeit an, so Claude Braun. Es gelte beispielsweise die vorhandenen Lebensmittel zu verarbeiten oder möglichst gut einzulagern. Die Küchenmannschaft ist zunächst also noch voll beschäftigt.

Mit dem Antrag auf Kurzarbeit sollte das Überleben des Unternehmens eigentlich gesichert sein. Und doch macht sich Geschäftsführer Braun Sorgen um die Liquidität der Firma: «Wenn die Arbeitslosenkasse das Geld für die Kurzarbeit nicht rechtzeitig überweisen kann, dann wird es knapp. Denn wir strecken die Löhne jetzt vor, aber Umsatz haben wir fast keinen mehr.» Wegen des möglichen Liquiditätsengpasses sind denn auch alle Umbaupläne der Raststätte an der A1 am Stadtrand von Bern vorerst kurzfristig auf Eis gelegt. Obwohl jetzt, wo die Restaurants geschlossen sind, der Zeitpunkt für einen Umbau eigentlich perfekt wäre.

Meistgesehen

Artboard 1