Aramco

Vom Hype zum Flop: Börsengang der saudischen Ölfirma Aramco wird für Credit Suisse nicht zum Geldregen

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Einer der weltweit grössten Börsengänge der Geschichte hätte es werden sollen: Der IPO des saudischen Ölgiganten Aramco. Und ein Grosserfolg hätte es werden sollen für den Chef der Credit Suisse, Tidjane Thiam. Daraus wird nun nichts.

Einnahmen von 100 Millionen Dollar sollte es der Schweizer Grossbank Credit Suisse einbringen: der Megabörsengang der staatlichen Ölfirma von Saudiarabien, Aramco. Der Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam höchstpersönlich habe den Deal eingefädelt. Noch am Wochenende wurde daher medial über einen Grosserfolg für den Credit-Suisse-Chef spekuliert.

Wenige Tage später ist die Luft raus aus dem Hype. Herausgelassen haben sie zwei Berichte in der britischen «Financial Times». Zunächst schreibt das Finanzblatt, die staatliche Aramco werde gar nicht erst versuchen, seine Aktien im Ausland unter privaten Investoren zu platzieren. Man beschränkt sich auf den Heimmarkt und die Staaten in der Nachbarschaft.

Eine globale Megastory schrumpft zusammen

Eine globale Megastory schrumpft damit zusammen zu einem nationalen Geschichtchen. Roadshows in den USA und in Asien werden abgesagt. Treffen mit Investoren in Europa gibt es nicht. Ein Kenner sagt der Financial Times: «Es ist nun alles lokal.»

Schon damals stellte sich die Frage: Wozu braucht Saudi-Arabien für einen lokalen Börsengang so viele internationale Berater? Nicht weniger als acht globale Banken haben sich die Saudis dazu geholt als «Joint Global Coordinators and Bookrunners». In diesen erlauchten Kreis hat es die Credit Suisse geschafft. Der Börsengang wäre eine Geldregen geworden für die globale Finanzelite. Daraus wird nun nichts.

Degradiert und marginalisiert

Es waren tatsächlich zu viele Banken mit im Spiel. Das hat offensichtlich auch Saudi-Arabien eingesehen. Heute titelt die Financial Times: «Saudi-Arabien stellt ausländische Banken an die Seitenlinie.» Bloss noch dem Namen nach seien sie «globale Koordinatoren»: stolze Banken wie JPMorgan, Morgan Stanley oder eben die Credit Suisse. In Wahrheit wurden sie von den Saudis nun «degradiert» und «marginalisiert».

Kommt der Geldregen? Urs Rohner und Tidjane Thiam, Verwaltungsratspräsident und CEO der Credit Suisse an einer Generalversammlung

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Einen warmen Gebühren-Regen wird es also nicht geben. Nun wird mit einer dramatischen Reduktion der gesamten Gebühren gerechnet. Bis zu 450 Millionen Dollar hätten total abfallen sollen. Nun wird nur ein Bruchteil davon übrig bleiben. Die 100 Millionen Dollar, die allein für die Credit Suisse hätten anfallen sollten, dürften bloss ein schöner Banker-Traum bleiben.

Verpasstes Rendez-vous mit der Zukunft

Der Aramco-Börsengang bleibt weit zurück hinter den grossen Versprechungen. «Rendez-vous mit der Zukunft», titelte die englischsprachige Arab News noch. Damals, im Mai 2016, hatte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman noch vor Investoren aus aller Welt seine «Vision 2030» vorgestellt. Kernstück der wirtschaftlichen Reformpläne war eben der Teilbörsengang des staatlichen Ölkonzerns Aramco. Fünf Prozent des grössten Unternehmens der Welt wollte Riad an die New York Stock Exchange und andere internationale Börsen bringen.

Gut 100 Milliarden Dollar sollte die Privatisierung einbringen und den notwendigen Umbau der saudischen Wirtschaft zu mitfinanzieren. Zwei Jahre später mussten die Saudis den Börsengang absagen. Die dafür notwendige Transparenz fehlte. Den ausländischen Investoren war auch die Preisvorstellung der Saudis viel zu hoch gegriffen. Riad entschied sich für den Plan B. Der sieht vor, dass für den 5. Dezember drei Milliarden Armaco-Aktien am Tadawul platziert werden sollen, der Wertpapierbörse von Riad.

... und die Finanzpresse spottet

Die gewünschte Aufbruchstimmung löst der Börsengang nicht aus. Auf ausländische Kapitalgebern konnte Riad nicht setzten. Stattdessen wurde man von der globalen Finanzpresse verspottet. Bloomberg kommentierte, Riad greife zurück auf genau jene saudischen Milliardäre, die man noch vor zwei Jahren ins Ritz Carlton Hotel von Riad eingesperrt und erpresst hatte. Den Platz von ausländischen Vermögensverwaltern werde eingenommen von «grossen und vielen kleinen saudischen Investoren».

An diese lokalen Investoren wird nun appelliert, wie die Agentur Reuters berichtet. «Am IPO teilzunehmen ist eine nationale Pflicht für jeden, der es sich erlauben kann», twittert ein einflussreicher Kolumnist. Eine Werbekampagne will mit Plakaten eine Begeisterung wecken. Was zumindest bei einigen Kleinanlegern anscheinend verfängt. Einer meint: «Niemand will die Gelegenheit verpassen.»

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