Bachem

Warum ein Schweizer Pharma-Zulieferer die Börse aufmischt

Bachem-Mitarbeiter in Bubendorf: Die Peptide der Firma sind besonders bei Biotech-Firmen gefragt. HO/Bachem

Bachem-Mitarbeiter in Bubendorf: Die Peptide der Firma sind besonders bei Biotech-Firmen gefragt. HO/Bachem

Das Unternehmen aus Baselland ist einer der grössten Gewinner des letzten Jahres. Dabei ist die neue Erfolgsstory der Schweizer Firma im Prinzip die alte.

Über 100 Prozent haben die Aktien der Bachem in Bubendorf BL im vergangenen Jahr zugelegt. Entsprechend ist der Firmenwert von 700 Millionen auf 1,4 Milliarden Franken gestiegen. Die neue Erfolgsstory der Firma ist im Prinzip die alte. Sie lautet: Entwicklung und Herstellung von Peptiden. Mit diesen speziellen Eiweissen, die als Wirkstoffe für Medikamente eingesetzt werden können, befasst sich die Firma seit der Gründung im Jahr 1971.

Lange Zeit ging es dieser Firma nicht gut. Die Finanzkrise riss 2008 viele Biotech-Firmen in die Tiefe – und genau diese gehörten zu den wichtigsten Kunden von Bachem. Doch spätestens seit 2015 ist sie dank der Rückbesinnung auf das Kerngeschäft wieder auf dem aufsteigenden Ast. Ausserdem ist den Brokern und Börsenanalysten nicht entgangen, dass die Peptide im Rahmen der biologischen Medikamente im Bereich Krebs, Neurologie und Stoffwechselstörungen eine immer wichtigere Bedeutung bekommen. Und dass Bachem als globale Nummer 1 in diesem Peptidmarkt überaus gut positioniert ist.

In einer Anlagestudie der Zürcher Kantonalbank von Ende August 2016 überschlägt sich der Autor in Superlativen: Bachem liefere nur «absolut hochqualitative Produkte», sei «nicht mehr von ihrem Spitzenplatz zu verdrängen» und bleibe nahezu konkurrenzlos. Schon im Frühjahr 2016 gab es eine ähnlich positive Studie. Sie war der Auftakt für den fast unheimlichen Höhenflug.

Marktanteil verdoppelt

Der Markt ist relativ übersichtlich. Die meisten Peptide, rund 50 Prozent der Weltproduktion, stellen die grossen Pharmafirmen wie Astra Zeneca, Eli LillyMerck und Novo Nordik selbst her. Dann folgen Bachem mit etwa 30 Prozent und Polypeptide, Corden Pharma und Lonza mit 10 bis 5 Prozent. Die Wachstumsfantasien fussen nicht zuletzt in der Annahme, dass einige Grossfirmen ihre Peptidproduktion auslagern – und da will Bachem vorne mitspielen.

Im klinischen Forschungs- und Entwicklungsbereich läuft das bereits. Der Marktanteil dieser R&D-Outsourcings hat sich zwischen 2010 und 2015 von 33 auf 66 Prozent verdoppelt. Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass Bachem 2015 den Konkurrenten American Peptide Company übernommen hatte und jetzt noch näher am US-Markt ist.

Gewinnsteigerung um 36 Prozent

Bachem ist keine grosse Firma. Der Umsatz lag 2015 bei 209 Millionen, der Betriebsgewinn Ebit bei 38,5 Millionen Franken. Im ersten Halbjahr 2016 legte die Firma beim Umsatz 14 Prozent zu, beim Gewinn um 36 Prozent. Es wird investiert, auch und gerade in Bubendorf, im einstmals idyllischen «Feuflibertal».

Die Belegschaft ist weltweit auf gegen 1000 Köpfe angewachsen, und das dürfte so weitergehen: Auf der Bachem-Website sind über 40 offene Stellen registriert, rund ein Drittel davon in der Region. Das zeigt einmal mehr, dass strenge Zuwanderungsrestriktionen hoch spezialisierte Firmen wie Bachem sicherlich hart treffen würden.

Die Firma gehört zu 55,5 Prozent dem Bachem-Firmengründer Peter Grogg, zu 6,1 Prozent der Grogg-Familie, zu 2,9 Prozent Sarasin Investment und 2,7 Prozent dem Investor Gottlieb Knoch. Die solide Eigentümerschaft verhinderte bisher Übernahmefantasien. Grogg hält überdies 61 Prozent der Liestaler Hotelmanagementgruppe Sunstar mit 11 Hotels in der Schweiz und einem im Piemont. Verwaltungsratspräsident ist der gleiche wie von Bachem: Kuno Sommer.

Für die Zukunft gut aufgestellt

Zum Schluss stellt sich die Frage, ob das Rennen nach oben so weitergehen kann. Zweifellos ist Bachem gut aufgestellt. Und Börsenanalysten meinen, die Nachfrage aus dem Ausland sei intakt. Aber es gilt noch immer die alte Weisheit: Bäume wachsen nicht in den Himmel.

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