Die Fahrlehrer in der Schweiz sind unter Druck. Seit der Bundesrat im Dezember neue Vorschriften zur Ausbildung von Auto-Neulingen erlassen hat, sehen viele der 3800 Fahrlehrer einer ungewissen Zukunft entgegen. «Die Situation ist durchaus unangenehm», sagt Michael Gehrken, Präsident des Schweizer Fahrlehrerverbandes. Die Gesetzesänderungen verkleinern die Kundenbasis der Ausbildner: Seit dem 1. Februar darf man handgeschaltet fahren, auch wenn man die Prüfung auf einem Automaten gemacht hat. Also braucht es weniger Fahrstunden. Per 2021 erhalten 17-Jährige den Lernfahrausweis. Heisst: mehr privates Üben mit den Eltern und weniger Fahrstunden.

Doch die für die Fahrlehrer nachteiligste Änderung wirkt indirekt. Ab 2020 gibt es nicht mehr zwei Weiterbildungstage, sondern nur noch einen. Viele Fahrlehrer verdienten bisher einen Teil ihres Geldes als Instruktoren bei den sogenannten 2-Phasen-Kursen, die Junglenker nach der praktischen Prüfung besuchen müssen. Junge, die ihren Fahrausweis nach 2016 bekommen haben, müssen schon heute nur einen Kurstag besuchen. Den Kursinstruktoren bricht deshalb schlagartig ein beträchtlicher Teil des Einkommens weg.

Nationalrat wollte beide Tage abschaffen

Jürg Baier ist einer von Ihnen. Seit 22 Jahren bildet er in Zürich Fahrschüler aus. Vor 12 Jahren liess er sich auf eigene Kosten zum Moderator, also zum 2-Phasen-Kursleiter ausbilden. Die letzten Jahre gab Baier drei Tage pro Woche Kurse in einem Drivecenter. Baier ist wütend auf die Politik: «Wegen der Änderung kann ich nur noch einen Tag pro Woche Kurse geben. Ich verlor deshalb unvermittelt die Hälfte meines Einkommens.» Er versucht nun, das verlorene Honorar mit mehr Fahrstunden zu kompensieren. «Das wird aber kaum möglich sein», sieht er selber ein. Also habe er seine Ausgaben heruntergefahren, privat ein Auto verkauft, sagt Baier. «Für mich ist wichtig, dass die Leute realisieren: Hier stehen Existenzen dahinter.»

Baier und seine Kollegen kamen aber eigentlich mit einem blauen Auge davon. 2013 stimmte der Nationalrat dafür, die Weiterbildungskurse, die über 300 Franken pro Tag kosten, ganz abzuschaffen. Ein Sprecher des Bundesamts für Strassen verweist darauf, dass die damalige Verkehrsministerin Doris Leuthard «mit grossem Einsatz» im Ständerat mindestens den einen Tag habe erhalten können. Die weiteren Änderungen hätten das Ziel, Neulenkern auch ohne zweiten Ausbildungstag zu mehr Fahrpraxis zu verhelfen.

Dass Kursinstruktoren einen grossen Teil Ihres Einkommens oder teils sogar ihre Vollzeit-Stellen verlieren, hält Fahrlehrer-Präsident Michael Gehrken wie Baier für das grösste Problem: «Das sind alles ausgebildete Fahrlehrer. Sie werden beginnen, wieder Fahrstunden zu geben. Das sorgt sicher für mehr Konkurrenz». Es gehe wohl um mehr als hundert Personen, deren Jobs bei den Drivecentern gefährdet seien.

Schon seit über zwei Jahren informiert

Verbandspräsident Gehrken glaubt trotz stärkerer Konkurrenz nicht an tiefere Preise: «Wir gehen langfristig nicht davon aus, dass die Preise erodieren werden. Zudem ist aufgrund von Rückmeldungen zu erwarten, dass die Preise für den verbleibenden 2-Phasen-Kurstag steigen. Am Schluss muss es wirtschaftlich ja immer noch aufgehen.»

Die Fahrlehrer beklagen vor allem teils fehlende Übergangsfristen. Von der Ankündigung bis zur Einführung der neuen Automaten-Regelung vergingen knapp zwei Monate. «Ein Teil der Fahrschulen musste sich zuerst Automaten beschaffen», sagt Gehrken. «Mit Doppelpedal sind das Sonderanfertigungen - die Lieferfristen betragen bis zu zehn Monate.»

Ein Sprecher des Bundesamts für Strassen entgegnet auf Anfrage, der Wegfall des Automateneintrags im Führerausweis könne «kaum eine Überraschung gewesen sein». Die Fahrlehrer seien schon vor über zwei Jahren bei der Vorbereitung der Vernehmlassung für die Änderung eng eingebunden gewesen. Der Sinn der Änderung sei, Elektro-Fahrzeuge attraktiver zu machen.

Bleibt die Frage: Wie geht es für die Fahrlehrer weiter? Baier sieht schwarz: «Ich glaube, dass es mittelfristig nur noch Feierabend-Fahrlehrer geben wird.» Verbands-Präsident Gehrken ist optimistischer. Er spricht davon, dass sich der Beruf wandeln werde, etwa «zum Mobilitätsberater». Beraten werden sollen die Kunden bei der richtigen Wahl des Fahrzeugs, im Umgang mit neuen Assistenz-Systemen oder bezüglich neuer Verkehrsmittel, zum Beispiel E-Bikes.

Das wichtigste zweite Standbein werde aber die Weiterbildung von Erwachsenen sein. Auf die Frage, ob nun einfach staatlicher Zwang für Junge mit staatlichem Zwang für Ältere ersetzen werden soll, winkt Gehrken ab. «Es geht um erwachsene Menschen und damit um freiwillige Kontrollfahrten und Coachings als Leistungsangebot.»