Pakete

Was Sie wissen müssen, wenn der Pöstler bald auch sonntags klingelt

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Schweizer Kunden bekommen ihre Pakete bald auch sonntags ausgeliefert. Nicht jedoch von der Post direkt, sondern von externen, regionalen Partnern. Antworten auf die zehn drängendsten Fragen zu den Neuerungen bei der Post .

Die Schweizerische Post will das Online-Shoppen einfacher machen. Dazu hat sie gestern den neuen Postlogin vorgestellt. Auch sonntags sollen Schweizerinnen und Schweizer künftig Pakete empfangen können.

1. Was ist der Postlogin?

Die Post hat eine Art Universalschlüssel für Online-Shops entwickelt. Sie wirbt damit, dass sich Kunden bei teilnehmenden Läden künftig nicht mehr einzeln anmelden und Änderungen — etwa nach einem Umzug — bei jedem Händler aufs Neue eingeben müssen.

2. Bei welchen Shops kann ich mich über die Post anmelden?

Das sagt die Post noch nicht. Man sei aber in Gesprächen mit zahlreichen grösseren und kleineren Händlern. Diese würden dann selbst verkünden, dass sie mitmachen.

3. Wer bezahlt dieses Angebot?

«Die Kunden kostet es nichts, die teilnehmenden Online-Shops müssen dafür auch nichts bezahlen», sagt Dieter Bambauer, Logistik-Chef bei der Post, zur «Nordwestschweiz». Die Plattform habe man selbst entwickelt.

4. Warum sollten die Onlinehändler beim neuen Postlogin mitmachen?

«Für die Shops hat es den Vorteil, dass sie sich einfacher organisieren können — und aus Sicht der Post hoffentlich mehr Pakete verschicken können», sagt Bambauer. «Für uns entsteht zudem der Vorteil, dass unsere Zusteller mit dem neuen System erfolglose Zustellversuche vermeiden können.»

5. Was ändert sich bei der Bezahlung? Brauchen Online-Einkäufer bald obligatorisch eine Postfinance-Karte?

Bambauer sagt: «Wer zuvor lieber auf Rechnung kaufte, wird dies auch weiterhin tun können. Wenn jemand per Postfinance bezahlt, freut uns das natürlich, die Shops können aber weiterhin frei wählen, welche Zahlungsweisen sie ihren Kunden anbieten.»

6. Revolutioniert die Post damit das Einkaufen im Internet?

Die Post selbst geht von einem grossen Mehrwert für alle Beteiligten aus. Ralf Wölfle, der an der Fachhochschule Nordwestschweiz im Bereich E-Commerce forscht, ist jedoch skeptisch: «Die Online-Anbieter wollen ihre Benutzerkonten selbst führen und das keinesfalls delegieren – schliesslich sind die Kundendaten der Schlüssel für die Gestaltung langfristiger Kundenbeziehungen.» Sein Fazit lautet: «Online-Anbieter werden das bestenfalls passiv unterstützen, das heisst, Kunden, die via Post zu ihnen kommen, zulassen, aber keine aktive Promotion des Postlogins machen.»

7. Die zweite grosse Neuigkeit von gestern: Die Post testet die Sonntagszustellung. Kommt der Pöstler jetzt tatsächlich sonntags?

Nicht ganz, denn das Postgesetz verbietet das. Die Schweizerische Post lagert die Sonntagszustellung aus. Regionale Firmen würden dies übernehmen, sagte Post-Chefin Susanne Ruoff gestern in Bern.

8. Wann und wo startet die Post mit ihren Partnern die Sonntagslieferungen?

Schon in diesem Monat soll der Testlauf beginnen, zunächst in Zürich, Genf, Lausanne und Basel. Über Kosten sagte die Post gestern nichts. Kritik kommt bereits von der Gewerkschaft Syndicom. Sie stösst sich an der Ausdehnung der Arbeitszeiten.

9. Zu den Neuerungen bei der Post zählt auch die flexible Paketzustellung. Was ist damit gemeint?

Ab dem nächsten Jahr sollen Postkunden ihre bestellten Pakete und eingeschriebenen Briefe steuern können. Der Kunde kann etwa die Adresse, an der die Sendung ankommen soll, ändern, nachdem das Paket auf die Reise geschickt wurde.

10. Wie sinnvoll sind diese Massnahmen?

E-Commerce-Forscher Ralf Wölfle von der Fachhochschule Nordwestschweiz sagt: «Die Flexibilisierung der Zustellung von Paketen und die Schaffung von Steuerungsmöglichkeiten für den Empfänger trifft den Nagel auf den Kopf und entspricht den aktuellen Anforderungen des Marktes.»

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