Importgemüse
Wegen der Kältewelle wird Importgemüse knapp

Die Eiseskälte beeinträchtigt die Ernte im Süden. Salat, Tomaten und Gurken könnten bald knapp werden. Davon profitieren die Schweizer Gemüseproduzenten und das einheimische Gewächs.

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Die Eiseskälte wirkt sich nun auch auf unseren Speiseplan aus. Bei Coop gerät der Nachschub an Importgemüse langsam ins Stocken: «Die Salat- und Gemüseproduzenten im Süden haben aufgrund des Kälteeinbruchs der letzten Wochen zu kämpfen», sagt Pressesprecherin Denise Stadler.

Man sei bemüht, allfällige Engpässe durch hiesige Produzenten zu kompensieren: «Wir setzen dieses Jahr noch stärker auf einheimisches Wintergemüse.» Und diese saisonalen Sorten wie Kohl, Kartoffeln, Zwiebeln oder Karotten seien noch immer reichlich vorhanden.

Nachfrageschub bei Herbstsorten

Ähnlich tönt es beim orangen Riesen. Zwar sieht Migros-Pressesprecher Urs-Peter Näf momentan noch keine Lieferengpässe aufgrund der tiefen Temperaturen. Doch auch Näf räumt ein: Sollte die Kältewelle anhalten, hätte dies für die Migros Konsequenzen. «Ob Tomaten, Gurken oder Broccoli, Gemüse aus Südeuropa könnte bald knapp werden.» Während die Grossverteiler um ihr breites Gemüsesortiment bangen, reiben sich die hiesigen Produzenten ob der Eiseskälte die Hände: «Die tiefen Temperaturen verstärken die Nachfrage nach eingelagertem inländischem Herbst- und Wintergemüse wie Rüebli, Zwiebeln, Zuckerhut, Chinakohl und Chicorée spürbar», sagt Timo Weber, stellvertretender Direktor des Verbands schweizerischer Gemüseproduzenten (VSGP).

Diesen Befund bestätigt Peter Bracher, Geschäftsführer von Geiser Agrocom. Der Langenthaler Lagerist ist spezialisiert auf Herbstgemüse: «Im Januar verzeichneten wir gegenüber dem Vorjahresmonat ein Mengenwachstum von 5 bis 10 Prozent.» Ob dieser Nachfrageschub einzig auf die Kältewelle zurückzuführen sei, werde man wohl erst in einem Monat schlüssig beurteilen können. So oder so: VSGP-Direktor Weber sieht in der Eiseskälte für die Schweizer Gemüseproduzenten noch einen weiteren positiven Effekt: «Für Salatkulturen, die im Frühjahr spriessen, wirkt es sich nur vorteilhaft aus, dass jetzt viele Schädlinge vernichtet werden und die Bodenqualität verbessert wird.»

Höhere Salatpreise

Eine erhöhte Nachfrage nach saisongerechtem Gemüsekonsum stellt indes auch Thomas Forster von der Obst- und Gemüsezentrale in Ins fest, die zum Berner Agrarkonzern Fenaco gehört: Positiv sei der Effekt vor allem für noch gut dotiertes Lagergemüse wie Rot- und Weisskabis, Sellerie oder Chinakohl. Derweil würden die Preise für Salate aus Frankreich und Italien anziehen, sagt Forster: «Hier ist mit einer weiteren Verteuerung zu rechnen.» Erste Preiserhöhungen seien auch beim Lauch zu verzeichnen. Dieser stammte bis letzte Woche noch ausschliesslich aus inländischer Produktion. Weitere typische Importgemüse wie Broccoli, Blumenkohl, Fenchel oder Tomaten dürften sich wegen der Kältewelle, ebenfalls bald verteuern.

Doch nicht nur die Importgemüse werden knapp und kosten mehr. Die Eiseskälte lässt die Konsumenten auch in ihren warmen Stuben verharren. So verzeichnet der Onlinehändler Leshop.ch in der ersten Februarwoche ein Umsatzplus von 8 Prozent. Wer sich dennoch motorisiert nach draussen wagt, der sollte sich beeilen: Coop teilt mit, dass Schneeketten achtmal mehr verkauft würden als in der Vorjahreswoche und dass gewisse Grössen bereits ausverkauft seien.