Die Anpassung der 555 Medikamente basiert noch auf dem alten System. Diese Produkte stehen auf der Spezialitätenliste. Deren Preis wurde 2008 zu einem Umrechnungskurs zwischen 1.45 und 1.50 Franken für einen Euro festgelegt.

Neu werden 1.30 Franken pro Euro berechnet, wie Mona Neidhart, Sprecherin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Sie bestätigte damit einen Bericht der Westschweizer Tageszeitung "Le Temps".

Dieser Satz sei aufgrund des Wechselkursdurchschnitts der letzten 12 Monate berechnet worden, um extreme Werte zu vermeiden. Im Vergleich zum heutigen Kurs von 1.16 Franken sei er aber für die Medikamentenhersteller vorteilhaft.

Einfluss hoher Preise reduzieren

Bei der Festlegung der neuen Preise bezieht das BAG auch die Wirksamkeit und die Wirtschaftlichkeit der Produkte ein. Diese Kriterien haben allerdings weniger Gewicht als der Umrechnungskurs. In Zukunft wird der Preis für über 8000 Medikamente alle drei Jahre angepasst. Jedes Jahr nimmt das BAG ein Drittel unter die Lupe.

Eine solche Anpassung erlaube es, die Belastung auf verschiedene Beteiligte des Gesundheitssystems zu verteilen. Der Einfluss der hohen Preise werde so für alle reduziert, sagte Josef Hunkeler, Spezialist für Medikamente im Büro des Preisüberwachers.

Pharmaindustrie sorgt sich

Bei der Pharmaindustrie, die beim Export seit einiger Zeit wegen der ungünstigen Wechselkurse leidet, werden die Preisanpassungen des BAG mit Sorge beobachtet. Gleichzeitig wurde zum ersten Mal seit entsprechende Daten vorliegen festgestellt, dass 2010 der Umsatz beim Medikamentenverkauf in der Schweiz um 1,3 Prozent auf 4,82 Milliarden Franken gesunken ist.

In einer Anfang Jahr vorgelegten Bilanz hatte die Pharmaindustrie zudem aufgezeigt, dass zwischen 2005 und 2010 auf der Referenzliste der obligatorischen Grundversicherung 7000 Preisreduktionen bei Medikamenten vorgenommen wurden. Dies habe zu Mindereinnahmen von rund 1,9 Milliarden Franken geführt.